Der Ersatzmann: Stefan Miori will neuer Berufsrichter am Bezirksgericht Münchwilen werden

Stefan Miori kandidiert im zweiten Wahlgang vom 15. März als Berufsrichter am Bezirksgericht Münchwilen. Das SVP-Mitglied will damit die Nachfolge von Cornel Inauen antreten.

Olaf Kühne
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«Jus hat mich schon im Gymnasium fasziniert», sagt Richterkandidat Stefan Miori.

«Jus hat mich schon im Gymnasium fasziniert», sagt Richterkandidat Stefan Miori.

(Bild: Andrea Stalder)

Die SVP Hinterthurgau hat über den sprichwörtlichen Tellerrand geschaut. Nach der Wahl von Berufsrichter Cornel Inauen zum Oberrichter musste die Bezirkspartei einen valablen Kandidaten für den zweiten Wahlgang vom 15. März suchen. Fündig geworden sind die Hinterthurgauer in Frauenfeld.

Stefan Miori heisst der Kandidat der SVP des Bezirks Münchwilen. Und seine fachliche Qualifikation für das Richteramt dürfte ausser Frage stehen. Dabei ist ein abgeschlossenes Rechtsstudium noch der unauffälligste Punkt in der Vita des Frauenfelders. Studierte Miori doch nach der Matura erst Theologie. «Das hatte religiöse Gründe, ich wollte Priester werden», sagt der 47-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

«Aber schliesslich sah ich diese Lebensform dann doch nicht für mich.»

So folgte denn ein Studium der Rechtswissenschaften an der HSG. «Jus hat mich schon im Gymnasium fasziniert», sagt Miori und zieht Parallelen zwischen beiden Studien. «In der Theologie und in der Rechtswissenschaft geht es um den Umgang mit Texten und um deren Interpretation – und um den Umgang mit Menschen in Ausnahmesituationen.»

Beruflicher Einstieg in der Militärjustiz

Weil Stefan Miori «schon immer gerne Militärdienst leistete», und sein zweiter Studienabschluss 2004 just auf die damalige Teilprofessionalisierung der Militärjustiz fiel, hiess seine erste berufliche Station als Jurist: Zeitoffizier-Untersuchungsrichter. «Justiz und Militär – das war für mich wie zweimal ein Lottosechser», sagt Miori und lacht. Zumal es für ihn ein idealer Einstieg gewesen sei. «Ich hatte es überwiegend mit leichten Delikten zu tun: Unfälle und Dienstpflichtverletzungen.» In zwei Jahren habe er nur gerade zweimal Haft angeordnet.

Doch das sollte sich bald ändern. Stefan Miori wurde Ende 2005 Untersuchungsrichter und Staatsanwalt im Kanton St.Gallen. «Im Militär bewegte ich mich als Jurist letztlich doch in einem sehr eingeschränkten Themenfeld», begründet er seinen Wechsel ins Zivile. Miori rührt die Werbetrommel für seine Kandidatur als Berufsrichter:

«Als Staatsanwalt lernte ich sehr genau, was Gerichte verlangen.»
Stefan Miori war bereits Staatsanwalt im Kanton St.Gallen.

Stefan Miori war bereits Staatsanwalt im Kanton St.Gallen.

(Bild: Andrea Stalder)

 Er betont aber auch, dass er während seiner zwölf Jahre bei der Staatsanwaltschaft weit mehr gelernt habe, als nur den Umgang mit Gerichten. «Man hat täglich mit menschlichen Schicksalen zu tun – bei den Opfern wie auch bei den Tätern.» Dies habe ihm eine Lebenserfahrung verschafft, die ihm helfe, fairer über seine Mitmenschen zu urteilen.

Ebenso hilfreich sei hierfür sein Nachdiplomstudium in Forensik gewesen. «Dabei ging es nicht nur um Spurensicherung und Gerichtsmedizin», erklärt Miori diesen Lehrgang. «Teil der Ausbildung war auch die Befragung von Opfern und Tätern.»

Seit zwei Jahren bei der Kesb

Strafrechtlich ist Stefan Miori also zweifellos bewandert. An einem Bezirksgericht ist indes mit Scheidungen, Mietstreitigkeiten und dergleichen das Zivilrechtliche mindestens genau so relevant. «In diese Gebiete konnte ich mich in den vergangenen zwei Jahren durch meine Tätigkeiten für die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden Frauenfeld und Toggenburg einarbeiten», sagt Miori und erklärt seinen Wechsel zur Kesb nach über einem Jahrzehnt bei der Staatsanwaltschaft:

«Es war Zeit für einen Tapetenwechsel und ich hatte Lust auf etwas komplett Neues, auf neue menschliche Fragestellungen.»

Auch wenn Stefan Miori aller Wahrscheinlichkeit nach am 15. März der einzige Kandidat für die vakante Berufsrichterstelle sein wird, und in einem zweiten Wahlgang das relative Mehr reicht – seine Hände in den Schoss legen will er nicht. «Ich möchte zusammen mit der SVP Hinterthurgau meine Kandidatur bekannt machen, mit Inseraten und Plakaten.» Zudem hoffe er, dass ihn die anderen Bezirksparteien auch noch einladen werden.

Das Hearing des SVP-Bezirksvorstandes scheint er jedenfalls schadlos überstanden zu haben. Schreibt doch Parteipräsident David Zimmermann in seiner Medienmitteilung: «Die SVP des Bezirks Münchwilen freut sich sehr, der Bevölkerung eine so kompetente und interessante Persönlichkeit zur Wahl vorschlagen zu dürfen.»

Stefan Miori alleine im zweiten Wahlgang

Dass es im Nachgang zu den Gesamterneuerungswahlen des Bezirksgerichtes Münchwilen zu einem zweiten Wahlgang kommen wird, stand schon im Vorfeld fest. Als feststand, dass der langjährige Münchwiler Berufsrichter Cornel Inauen (SVP) der einzige Kandidat für das Obergericht sein wird (Inauen wurde am 22. Januar durch den Thurgauer Grossen Rat gewählt), war die Meldefrist für Kandidaturen ans Bezirksgericht längst abgelaufen. Folglich stand Inauen am vergangenen Sonntag noch auf der Kandidatenliste, wurde entsprechend gewählt und erklärte, wie angekündigt, umgehend Nichtannahme der Wahl.

Vor zwei Wochen präsentierte die SVP des Bezirks Münchwilen mit dem Frauenfelder Stefan Miori bereits ihren Ersatzkandidaten für den zweiten Wahlgang vom 15. März.

Dass Miori den zweiten Wahlgang alleine wird bestreiten müssen, war hingegen nicht vorhersehbar. Gab es doch für die Ämter der nebenamtlichen Richter und der Ersatzrichter jeweils mehr Kandidierende als Sitze. Indes schafften alle Gewählten ihre Wahl bereits im ersten Wahlgang: Sabina Peter Köstli (CVP), Andreas Breitenmoser (FDP), Stephan Metzger (SVP) und Susanna Koller Brunner (SVP) als Nebenamtliche sowie Simone Ender-Truniger (CVP), Simon Wetter (FDP) und Yvonne Koller-Zumsteg (SVP) als Ersatzrichter.