Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Der Erdfloh beschäftigt die Thurgauer Zuckerrübenbauern – der nasse Mai rettet die Ernte

Der Rübenerdfloh ist für die Zuckerrübenpflanzer das, was der Borkenkäfer für die Förster ist. Der Schädling liebt trockenes Wetter, was dazu führte, dass nach Ostern viele Zuckerrübenbauern Alarm schlugen. Doch nun kann aufgeatmet werden.
Christof Lampart
Die Zuckerrübenernte wird auf dem Feld auf die Traktor-Anhänger verladen. (Bild: Donato Caspari)

Die Zuckerrübenernte wird auf dem Feld auf die Traktor-Anhänger verladen. (Bild: Donato Caspari)

Der Rübenerdfloh ist, auch wenn er so heisst, eigentlich gar kein Floh, sondern ein Blattkäfer. Die verwirrende Bezeichnung rührt wahrscheinlich daher, dass der Käfer kräftige Hinterbeine besitzt. Mit diesen kann der Blattkäfer sehr weit springen – eben wie ein Floh.

Weitere Erkennungsmerkmale sind die schwarze Färbung und eine Grösse von rund drei Millimetern. Die Larven des Erdflohs leben in der Erde und ernähren sich teilweise von keimenden Samen und den Wurzeln. In den allermeisten Fällen sind die Larven aber nicht problematisch.

Das schöne Wetter schwächte die Pflanzen

Zu Konflikten kommt es jedoch besonders dann, wenn im Frühjahr lange Trockenperioden vorherrschen. Dann trocknen die oberen Bodenschichten aus, sodass die keimenden Zuckerrüben nur sehr langsam wachsen. In dieser frühen Entwicklung der Pflanze, welche von den Fachleuten als Zwei- bis Vier-Blatt-Stadium bezeichnet wird, und in dem sich die meisten Zuckerrüben im Thurgau um Ostern herum befanden, sind die Keimlinge ganz besonders gefährdet.

Florian Sandrini. (Bild: Andrea Stalder)

Florian Sandrini. (Bild: Andrea Stalder)

Florian Sandrini, Leiter Pflanzenschutz am Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg in Salenstein, bestätigt die delikate Ausgangslage: «Ende April war das Wetter so schön, dass das Wasserreservoir in den obersten zehn Zentimetern der Erdschicht aufgebraucht war, was zu geschwächten Pflanzen und einem entsprechend langsamen Wachstum führte. Somit fand der Rübenerdfloh die idealen Grundlagen vor, um sich zu verbreiten.»

Ein «Spritzfenster» musste bleiben

Damals sei er bei mehreren betroffenen Landwirten, die ihm Meldung machten, vorbeigegangen. Gemeinsam mit ihnen habe er einen Kontrollgang über den Acker gemacht und bei kritischem Befall Massnahmen wie das gezielte Ausbringen von Insektiziden besprochen.

Konkret habe man auf einer Parzelle zusammen mit dem Landwirt fünf mal zehn Keimlinge genauestens unter die Lupe genommen, um das Ausmass des Befalls zu bestimmen. Sandrini sagt:

«Wer von uns die Erlaubnis bekam, ein Insektizid einzusetzen, durfte jedoch nicht die ganze Kultur spritzen, sondern musste einen Teil aussparen. Durch diese ‹Spritzfenster› konnten wir danach sehen, wie gut unsere gemeinsam getroffenen Massnahmen wirkten.»

Kritische Phase ist überwunden

Dass jetzt doch nicht der schlimmste Fall eintrat, haben die Landwirte aber nicht nur den Präventivmassnahmen, sondern auch dem ziemlich nassen Monat Mai zu verdanken. «Die Pflanzen fanden auf einmal genug Wasser vor und konnten dementsprechend schnell wachsen und das Sechs-Blatt-Stadium erreichen, was bedeutet, dass sie somit zu gross geworden sind, als dass der Rübenerdfloh für sie noch eine Gefahr darstellen könnte.»

Kann somit als wirklich ausgeschlossen gelten, dass der Schädling die diesjährige Ernte gefährdet? Sandrini sagt: «Ja, von dieser Seite droht wirklich keine Gefahr mehr. Die Zuckerrübenkampagne wird wohl auch in diesem Jahr wie gewohnt Mitte September im Thurgau anlaufen.»

Nachgefragt bei der Schweizerischen Fachstelle: «Wir müssen mit dem Erdfloh leben lernen»

Andreas Bertschi von der «Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau Strickhof» in Lindau (ZH) warnt vor einer Panikmache in Sachen Rübenerdfloh.

Wie stark gefährdet der Erdfloh die aktuelle Zuckerrübenernte?

Überhaupt nicht mehr, denn beim Zuckerrübenwachstum haben wir die kritische Phase überstanden. Der Erdfloh hat zwar auch in diesem Jahr sicherlich an einem oder anderen Ort ein bisschen mehr geschadet als anderswo, aber alles hielt sich im normalen Rahmen.

Andreas Bertschi, Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenbau. (Bild: PD)

Andreas Bertschi, Schweizerische Fachstelle für Zuckerrübenbau. (Bild: PD)

Die Bauern müssen also nicht – wie man in anderen Medien lesen konnte – um ihre Ernte bangen?

In diesem Jahr ganz sicher nicht. Und ganz generell gilt: Wir müssen mit dem Erdfloh leben lernen, denn er ist nun mal da. Dass es den einen oder anderen Schaden trotzdem gegeben hat, ist – so denke ich – eher auf die unglückliche Kombination Herbizid plus Frost zurückzuführen. Dies dürfte den bereits durch den Erdfloh geschwächten Pflanzen primär zugesetzt haben.

Das «Problem» ist also in Tat und Wahrheit gar keines und wenn, dann zum Teil hausgemacht?

Genauso ist es. Die Lage ist nicht dramatisch, die Zuckerrübenernte in diesem Jahr gesichert und das Schüren von Ängsten über die Medien somit völlig fehl am Platz.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.