Der EHC Frauenfeld muss aufsteigen

Im Thurgauer Eishockey kommt es zu einem ambitionierten und wegweisenden Projekt. Der 1.-Liga-Club Frauenfeld peilt in Kooperation mit dem HC Thurgau einen Platz in der MySports League an - am liebsten schon diese Saison.

Matthias Hafen
Hören
Drucken
Teilen
Der EHC Frauenfeld ist derzeit fast zu stark für die 1. Liga.

Der EHC Frauenfeld ist derzeit fast zu stark für die 1. Liga.

Bild: Reto Martin (Frauenfeld, 27. November 2019)

Der EHC Frauenfeld hat wieder Ambitionen. Als souveräner Leader der 1.-Liga-Ostgruppe hegen die Kantonshauptstädter in dieser Saison die Absicht, aufzusteigen. Der Anstoss dazu kam auch vom HC Thurgau. Dem Swiss-League-Club und Leuchtturm im Thurgauer Eishockey fehlt seit der Gründung der MySports League 2017 ein Partnerteam in der dritthöchsten Spielklasse. Diese Lücke soll der EHC Frauenfeld nun schliessen. Das gaben beide Clubs am Freitag mit einer gemeinsamen Medienmitteilung bekannt.

«Mit einer noch engeren Zusammenarbeit verfolgen beide Vereine das Ziel, den EHC Frauenfeld zukünftig in der MySports League zu positionieren», heisst es darin. Somit würden im Kanton Thurgau beste Voraussetzungen für den Nachwuchs und dessen Weiterentwicklung bis hinauf in die Swiss-League geschaffen.

HC Thurgau hilft bei Bedarf gezielt nach

Im Idealfall steigt der EHC Frauenfeld schon in dieser Saison auf. Gelingt das nicht, will man kommende Saison seitens des HC Thurgau gezielt nachhelfen, wie es aus Kreisen des HCT heisst. Eine Option wäre etwa, vermehrt Swiss-League-Spieler an den Partner aus der 1. Liga abzugeben. Dies, soweit es das Reglement zulässt. Für die künftige Zusammenstellung von Frauenfelds Fanionteam wurde eine neue Sportkommission definiert. Sie wird künftig geführt von HCT-Geschäftsführer und -Sportchef Martin Büsser. Ihm zur Seite stehen Thomas Müller (Verantwortlicher HCT Young Lions) und Michael Roth (Sportchef EHC Frauenfeld).

Frauenfeld und Thurgau sind aus mehreren Gründen ideale Partner für das Vorhaben. Beide Seiten streichen die «bisher sehr gute und angenehme Zusammenarbeit» heraus.

Vor allem aber liegt die Kantonshauptstadt geografisch perfekt gelegen. Sie ist gut erschlossen und zieht Eishockeyspieler aus dem ganzen Thurgau sowie auch aus dem Züribiet an.

Für Frauenfelds Sportchef Roth überwiegen die Vorteile bei diesem Vorhaben. «Der EHC Frauenfeld muss seine Identität deswegen nicht aufgeben. Wir bleiben ein eigenständiger Verein mit einer eigenständigen Mannschaft.» Der HC Thurgau denke genau gleich darüber. Auch sei es wichtig gewesen, dass eine Umfrage im Frauenfelder Kader «überwiegend positive» Reaktionen ausgelöst habe, wie Roth sagt. «Natürlich gab es auch verhaltene Stimmen. Aber das ist logisch, denn in der MySports League wird der Aufwand für Spieler und Trainer zunehmen.» Auch der finanzielle Aufwand. Roth beschwichtigt aber: «Wir lassen uns nicht auf ein finanzielles Risiko ein.»

Der Entscheid sei während Monaten gereift. «Alleine die TV-Gelder, die die Clubs in der MySports League erhalten, entschädigen teilweise für den Mehraufwand.» Der EHC Frauenfeld hat in den vergangenen Jahren auch gemerkt, dass er aus den Schuhen seiner Spielklasse wächst. Frauenfelds Sportchef Roth sagt:

«Die 1. Liga entwickelt sich in eine unglückliche Richtung.»

Weil die Topclubs nach oben abwanderten und aus der 2. Liga fast nur noch Teams mit geringen Ambitionen aufstiegen, würde das Niveau immer mehr sinken. Ein Zuschauerrückgang ist eine Folge davon, die auch dem EHC Frauenfeld zu schaffen macht.

Pikes widmen sich primär dem Nachwuchs

Die Pikes Oberthurgau fühlen sich vom Vorhaben ihrer beiden Partnerclubs nicht ausgebootet. Die Romanshorner sind ebenfalls ein 1.-Liga-Spitzenteam. Mit der Vereinbarung zwischen Frauenfeld und dem HCT scheint nun aber klar, dass nicht sie das künftige Thurgauer Team in der MySports League sein werden. «Für uns hat die Ausbildung von Nachwuchsspielern Priorität. Und in diesem Bereich arbeiten wir bestens zusammen mit den HCT Young Lions», sagt Pikes-Präsident und -Sportchef Gregor Müller. Die U20-Top-Equipe, die frühere Elite B, ist im Eissportzentrum in Romanshorn stationiert. «Und ich gehe davon aus, dass die Zusammenarbeit auch so bleibt», sagt Müller. Dass die Pikes im 1.-Liga-Playoff Frauenfeld die Suppe versalzen könnten, ist für den Präsidenten noch kein Thema. «Das schauen wir an, wenn es so weit ist. Für die Pikes sollte so oder so immer die sportliche Leistung über Auf- und Abstieg entscheiden.»