Der Doppelte Eugster: Vater und Sohn politisieren im Thurgauer Grossen Rat

Sie sind Vater und Sohn, Schafzüchter, haben den Lehrerberuf erlernt und vertreten
die CVP im Grossen Rat. Vater Armin und Sohn Franz Eugster teilen vieles gemeinsam.

Christof Lampart
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Vater Armin Eugster mit Sohn Franz Eugster im Grossen Rat. (Bild: Andrea Stalder)

Vater Armin Eugster mit Sohn Franz Eugster im Grossen Rat. (Bild: Andrea Stalder)

Der 74-jährige Armin Eugster ist ein Polit-Urgestein. Der ehemalige Gemeindepräsident von Bürglen (16 Jahren) ist derzeit der älteste Grossrat in der Ostschweiz. Das ist ein politisches Gewicht, mit dem Sohn Franz natürlich noch nicht mithalten kann.

Der 36-jährige Bischofszeller rückte am 1. Juli 2018 für Marianne Bommer nach, welche aus dem Parlament ausschied, da sie ins Obergericht gewählt worden war und somit nicht mehr Einsitz im Kantonsparlament nehmen durfte. «Dreimal durfte ich im Namen der CVP/EVP Faktion ans Rednerpult und wurde in die vorberatende Kommission für die Revision des Feuerschutzgesetzes delegiert», zählt der Sekundarlehrer seine Meriten auf.

Vieles wird schon in den Kommissionen entschieden

Dass Vater und Sohn gemeinsam im Grossen Rat sitzen, sei «bis jetzt bei niemandem ein Thema gewesen», so Franz. Gleichwohl habe man im Vorfeld abgeklärt, ob die verwandtschaftliche Kombination im Kantonsparlament rechtens sei. «Sie ist es», weiss Armin. Und Franz sagt, dass er gekommen ist, um zu bleiben: «Ich hatte mir schon bei der Kandidatur Chancen ausgerechnet und hatte mir vorgenommen, nachzurücken, falls es Rücktritte geben sollte.»

Nach einem halben Jahr möchte er die Sitzungen in Frauenfeld und Weinfelden nicht mehr missen:

«Die Atmosphäre im Grossen Rat ist kollegial, die Diskussionen spannend – auch wenn vieles zuvor schon in den Kommissionen und Fraktionen entschieden wird».

Ein Lesemuffel und eine Leseratte

Für Armin ist in der Politik seit jeher entscheidend, wie engagiert jemand seine Agenda vertritt. «Wer leidenschaftlich politisiert, kann am Ende viel erreichen», so der Vater. Jedoch sei es wichtig, nicht jede Kamera zu suchen. «Politiker sollten zu allem ihre Meinung haben, und auch diese klar verkünden», so Armin. Sohn Franz kommt diese Haltung ganz gelegen: «Wenn mich etwas interessiert, dann lese ich mich ein, aber im Grunde genommen lese ich überhaupt nicht gerne – ganz im Gegenteil zum Vater.»

Viel intensiver betreibt Franz hingegen ein zweites, gemeinsames Hobby: die Schafzucht. Dies räumt auch Armin ohne Weiteres ein:

«Mir genügt es nach den Schafen zu sehen und freue mich, wenn es ihnen gut geht. Franz jedoch kennt jedes Tier und weiss bei seinem Anblick sofort, welche Eigenschaften es gebracht hat, wie es ihm geht.»

Das erste hiess «Hilda»

Schon als Achtjähriger hatte er sich für 240 Franken vom eigenen Ersparten sein erstes Schaf gekauft: «Sie hiess Hilda», weiss Franz heute noch. Im Vordergrund sei bei ihm stets die Zucht gestanden: «Ich habe halt eine innere Freude am Tier. Wenn ich bei den Schafen bin, dann fühle ich mich zufrieden. Wenn ich einmal drei Tage nicht bei meinen Schafen sein kann, werde ich unleidig», bekennt Franz.

Mittlerweile haben die Eugsters eine Betriebsgemeinschaft, um die 30 Muttertiere halten zu können. Franz weiss:

«Das ist ein sehr intensives Hobby, wenn man allen Tieren gerecht werden möchte. Allein könnte das keiner von uns so betreiben, ohne die Grösse der Herde zu reduzieren.»

Armin steht jeden Morgen um sechs auf, richtet das Futter für die Schafe, füttert und tränkt sie und macht den Stall. Auch ein Rundgang zu den Weidetieren gehört zur täglichen Arbeit. Am Abend, nach der Schule, erledigt Franz den Kontrollgang und schaut, wie es den Schafen geht. Als vor kurzem der Wolf in der Gegend einige Schafe riss, waren die Kontrollgänge noch häufiger.

Das häufigste Gesprächsthema von Eugsters sind aber die drei Grosskinder. Armin freut sich, dass auch sie ebenfalls grosses Interesse an den Tieren haben und er so regelmässig Besuch im Stall hat und sie auch gerne mitarbeiten.

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Silvan Meile