Der Diessenhofer Maler Erich Brändle eröffnet neue Ausstellung

Margrit Roesch hatte ihm als Bub einst die Welt der Kunst eröffnet. Jahrzehnte danach stellt Erich Brändle seine Bilder nun im Museum Kunst + Wissen aus – just oberhalb und unterhalb von Carl Roesch.

David Grob
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«Alles in allem»: Erich Brändle und Helga Sandl, Kuratorin und Direktorin des Museums Kunst + Wissen. (Bild: Dieter Langhart)

«Alles in allem»: Erich Brändle und Helga Sandl, Kuratorin und Direktorin des Museums Kunst + Wissen. (Bild: Dieter Langhart)

Natürlich kannte der kleine Erich den grossen Maler Carl Roesch, fast sechzig Jahre älter als er. Doch es war dessen Frau Margrit, die ihn mit Sophie Täuber-Arp vertraut machte oder mit Picasso. Die ihm die Welt der Kunst zeigte, die weit über das beschauliche Städtchen Diessenhofen hinausreichte. Erich Brändle hat sie zu seiner gemacht, hat sie vereinnahmt, hat sie gezeichnet und gemalt und geätzt, hat sie gelehrt an der Zürcher Hochschule der Künste, hat sie nie verlassen.

Nur Diessenhofen hat er verlassen, rheinabwärts fürs nahe Schaffhausen. Und jetzt, Brändle ist Mitte siebzig, umrahmen seine Bilder jene Carl Roeschs in der Daueraustellung, die im ersten Stock des Roesch-Hauses eingerichtet ist, dem Museum Kunst + Wissen seit fünf Jahren. Das ist Erich Brändle Ehre und Herausforderung zugleich.

Bevorzugt kleine und ­mittlere Formate

«Alles in allem» nennt er seine Ausstellung, die anknüpft an die Retrospektiven beim Kunstverein Schaffhausen in der Galerie Mera und bei der Stiftung Joseph Gnädinger in Ramsen vor einigen Jahren. Gehängt hat Brändle bewusst – und überraschend. Denn «Alles in allem» ist nicht chronologisch, sondern motivisch aufgebaut. Zahlreiche Rahmen enthalten zwei Werke. Oft zeigen die Paare schlichte formale Entsprechungen (oben ein Weidling am Rhein, unten ein Lumpen, der von der Staffelei baumelt); oft liegen zehn, zwanzig Jahre dazwischen; oft unterscheiden sich Motive oder Techniken. Erich Brändle nennt es «naiv oder banal» und warnt vor «Überhöhungen» bei der Interpretation. Er habe die Konstellationen aus dem Bauch heraus gewählt. Es sei wie in der Musik, sagt er:

«Man muss zwischen Empfänglichkeit und Erfahrung unterscheiden können.»

Auffällig: Erich Brändle bevorzugt mittlere bis kleine Formate. «Seine Bilder sind visuelle Denkstücke, keine Repräsentationsparaden für den grossen Rahmen», schrieb Gerhard Mack zur Schaffhauser Retrospektive 2013. «Auf diesen kleinen Flächen malt er aber grosse Sujets.» Bewusst nutzt Brändle den Konflikt zwischen dem Motiv und der Geste des Verkleinerns und nimmt so der Welt einen Teil ihrer Monumentalität. Sein Konzept drückt sich auch darin aus, dass er gern fragmentiert und reduziert: Er zeichnet oder malt Ausschnitte oder lässt Umrisse in Farbklängen verschwimmen – und unweigerlich ergänzt der empfängliche Betrachter die Welt drumherum.

«Malen ist wie mit den Augen denken»

Diese Gegenwärtigkeit des Ausdrucks sieht der Künstler als «Protest gegen die Vergänglichkeit». Sie hat ihn auch mühelos zwischen Figürlichem und Abstraktem und wieder zurück wechseln lassen. Gewiss sind immer wieder motivische Zitate aus der Kunstgeschichte auszumachen. Diese Reverenz wird auch deutlich in den kleinen Skizzenbüchern, die Brändle in den Vitrinen im Obergeschoss zeigt. «In seinen Kopien und Skizzen formt er seine Vorbilder neu, im Nachvollzug bricht er mit ihnen», schreibt Kuratorin Helga Sandl im Katalogheft zur Ausstellung. Sie ist Erich Brändles erste Einzelausstellung in Diessenhofen und eine Zusammenarbeit des Museums Kunst + Wissen und des Kunstvereins Diessenhofen.

«Malen ist wie mit den Augen denken», sagt Erich Brändle. «Was ich in der Malerei liebe, ist der Moment, in dem sie einen Ewigkeitsausdruck findet.»

Hinweis Vernissage: So, 19.8., 11 Uhr, Museum kunst + wissen, Museumsgasse 11, Diessenhofen Sa 15–18, So 14–18 Uhr; bis 14.10.

Kurzbiografie Erich Brändle

1943 in Matzingen geboren, in Diessenhofen aufgewachsen, lebt seit 1960 in Schaffhausen.
1958–1974 Kunstgewerbeschule Zürich.
1974–2002 Lehrer an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Seit 1966 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, zuletzt Galerie Mera Schaffhausen 2013.
(dl)

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