Der Dialog ist ihre Waffe: Ranger sehen in Thurgauer Naturschutzgebieten zum Rechten

Weil sich nicht alle an die Regeln halten, baut der Kanton Thurgau die Aufsicht in den Naturschutzgebieten aus. Zwei Ranger sollen die Besucher für die Verletzlichkeit der Natur und auf angemessenes Verhalten sensibilisieren. Vorerst in drei Schwerpunktgebieten: Hüttwiler Seen, Ermatinger Riet und Schaarenwald bei Diessenhofen. Pro Natura Thurgau begrüsst den Einsatz von Ranger.

Sebastian Keller
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Der Hüttwiler See ist eines der Naturschutzgebiete, in dem laut Kanton vermehrt Ranger unterwegs sein werden.

Der Hüttwiler See ist eines der Naturschutzgebiete, in dem laut Kanton vermehrt Ranger unterwegs sein werden.

Bild: PD/Donald Kaden (Mai 2016

Heimat bedrohter Tiere und Pflanzen, ebenso beliebtes Naherholungsziel: Naturschutzgebiete sind ein Biotop gesellschaftlicher Ansprüche. Deshalb gibt es für sie Regeln. «Doch nicht alle halten sich an die Regeln zum Schutz von Flora und Fauna», teilt der Kanton mit. Das Amt für Raumentwicklung (ARE) und das Forstamt bauen deshalb die Aufsicht in Moorgebieten und Waldreservaten aus.

Bei Diessenhofen liegt das Thurgauer Sonderwaldreservat Schaaren.

Bei Diessenhofen liegt das Thurgauer Sonderwaldreservat Schaaren.

Bild: PD/Forstamt Thurgau

Zwei Ranger sind künftig je rund 400 Stunden im Jahr in besonders sensiblen Naturschutzgebieten unterwegs. Erste Schwerpunktgebiete sind die Hüttwiler Seen, das Ermatinger Riet und den Schaarenwald bei Diessenhofen.

Auch bisher waren in einigen Gebieten Aufsichtspersonen unterwegs – meist ehrenamtlich oder für eine symbolische Entschädigung. Dieses System stösst aber an seine Grenzen. «Es finden sich nicht viele Leute, die das in der Freizeit machen wollen», sagt Rolf Niederer vom ARE. Auch er habe schon Aufsicht im Seebachtal gemacht. «Man muss sich einiges anhören», erzählt er.

«Es braucht eine dicke Haut.»
Überblick über das Flachmoor und Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung und das international bedeutende Wasser- und Zugvogelreservat zwischen Gottlieben und Ermatingen,

Überblick über das Flachmoor und Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung und das international bedeutende Wasser- und Zugvogelreservat zwischen Gottlieben und Ermatingen,

Bild: PD/Donald Kaden

Die Regeln, die in einem Gebiet gelten, finden sich in der Schutzanordnung. In jener für das Ermatinger Riet steht etwa, dass Pflücken von Pflanzen und Pilzen untersagt ist. Weiter gilt ein Leinenzwang für Hunde, verboten ist ferner das Zelten.

Ranger wollen mit Argumenten überzeugen

Die Schutzgebiete verzeichnen in den vergangenen Jahren einen Besucherzuwachs. «Nicht nur während Corona», sagt Niederer. Deshalb setze man auf professionelle Ranger. Diese darf man sich aber nicht vorstellen wie aus dem Film – auf dem Motorrad mit Gewehr auf dem Rücken. Die Thurgauer Ranger seien zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs und tragen Kleider, die sie in ihrer Funktion ausweist.

Erste Schwerpunktgebiete der Ranger

«Sie wollen mit Argumenten überzeugen», sagt Niederer. Sie weisen Besucher darauf hin, auf den Wegen zu bleiben oder nicht im Naturschutzgebiet zu zelten. Die Ranger machen auf die Verletzlichkeit der Natur aufmerksam. Grobes Fehlverhalten verzeigen sie. Bussen können sie aber keine verteilen, konkretisiert Niederer. Laut Mitteilung belaufen sich die Kosten auf knapp 60000 Franken; der Bund beteiligt sich mit 65 Prozent. Wie Niederer erklärt, geht es auch um nationale Schutzgebiete. Vorstellbar sei, dass Ranger künftig auch Schulklassen durch die Naturschutzgebiete führen. «Zuerst steht aber die Aufsicht im Fokus.»

Toni Kappeler, Präsident der Naturschutzorganisation Pro Natura Thurgau.

Toni Kappeler, Präsident der Naturschutzorganisation Pro Natura Thurgau.


«Pro Natura Thurgau begrüsst diese Aufsicht sehr», sagt Präsident Toni Kappeler auf Anfrage. Es sei richtig, dass zuerst bekannte und publikumsnahe Gebiete berücksichtigt werden.

«Wir freuen uns aber, wenn auch andere Schutzgebiete mit Ranger-Diensten rechnen können.»

Kappeler erwähnt explizit den Immenberg, wo Downhill-Biker durch das Schutzgebiet rasen würden.