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Der Borkenkäfer überfordert die Thurgauer Förster


Im Forstrevier Neunforn-Uesslingen sind in einzelnen Gebieten ganze Fichtenbestände vom Borkenkäfer befallen. Förster Paul Koch empfiehlt, bei flächigem Befall die Bäume vorerst nicht zu fällen.
Christine Luley
Forstpraktikant Philipp Eigenmann versucht, sich einen Überblick zu verschaffen. (Bild: Christine Luley)

Forstpraktikant Philipp Eigenmann versucht, sich einen Überblick zu verschaffen. (Bild: Christine Luley)

Der Borkenkäfer verbreitet sich europaweit rasant. Auch im Forstrevier Neunforn-Üsslingen mussten grosse Mengen an Bäumen gefällt werden. Gemäss Revierförster Paul Koch liegen aktuell 1400 Kubikmeter altes und frisches Fichten-Rundholz in den Zwischenlagern an der Thur. Seit Anfang Juli sind bereits weitere 2500 Kubikmeter Holz befallen.
Zahlen und Fakten sind das eine. Viel eindrücklicher ist es, sich im Wald einen Überblick zu verschaffen.

Christoph Lenz, der Präsident des Forstreviers und Revierförster Koch luden die Waldbesitzer zu einer Waldbegehung ein. Viele der 100 Besucher sind direkt betroffen. Auf einer Parzelle im Hägeloo in der Nähe des Barchetsees macht Forstpraktikant Philipp Eigenmann auf den frischen Käferbefall aufmerksam.

Die Kronen der Fichten sind grün. Am Stammfuss ist hellbraunes Bohrmehl sichtbar. Nadeln liegen am Boden, und Rindenteile lösen sich. «In diesem Stadium dauert der Verlauf von gesund bis dürr nur eine bis zwei Wochen» erklärt Eigenmann.

Der Holzpreis deckt die Arbeitskosten nicht

Auf einem anderen Waldstück an der Zürcher Grenze sind die Fichten bereits vollständig entnadelt. «Wenn wir alle fällen ergibt das 300 bis 400 Kubikmeter Holz, was machen wir damit?», fragt Paul Koch das Publikum. Er weist auf die Folgekosten von 15 Franken pro Kubikmeter für die Waldbesitzer hin, da der Holzpreis die Arbeitskosten nicht deckt.

Er schlägt vor: «Alle Fichten bis auf weiteres stehen zu lassen.» Koch ermuntert die Waldbesitzer, befallenes Holz für den eigenen Bau oder die Heizung verwenden. Als Beispiel zeigt er das Foto eines mit Käferholz gebauten Ökonomiegebäudes im Toggenburg. Stehen lassen ist laut Koch jedoch nicht immer die richtige Lösung. «Sind nur einzelne Bäume betroffen, holzt man sie sofort heraus und versucht die gesunden zu retten.»

Absatz des Käferholzes fördern

Philipp Eigenmann zeigt eine Borkenkäferfalle und weist auf die Gefahr hin, dass durch den Lockstoff zwar Käfer angezogen werden, diese aber auch gesunde Fichten befallen können. Er öffnet einen Blechkübel, der Anblick der darin wuselnden Käfer ist faszinierend: Der Ips typographus ist nur vier Millimeter gross und stinkt widerlich.

Im Thurgau werden keine Pflanzenschutzmittel gegen den Käfer eingesetzt. «Die Borkenkäfersituation im Thurgau ist unterschiedlich», sagt Forstingenieur Ueli Ulmer. Man wolle das Wachstum bremsen, im Wald aufräumen, wo es Sinn mache. Als Beitrag zur Borkenkäferbekämpfung entschädigt der Kanton den Abtransport, das Hacken des Restholzes und das Entrinden von Einzelbäumen.

«Die Situation ist uns über den Kopf gewachsen», sagt Revierförster Koch. Die Zeit reiche nicht, um das Sturm- und Käferholz aufzuarbeiten und die kahlen Flächen mit standortangepassten Bäumen aufzuforsten. Philipp Eigenmann, zukünftiger Förster des Reviers Seerücken, appelliert an die Wirtschaft, stärker auf heimisches Holz zurückzugreifen.

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