Der Bodenseepegel liegt für diese Jahreszeit wieder im Soll – an Grundwasser mangelt es noch

Der Bodensee hat wieder Normalwasserstand. Der Grundwasserspiegel dagegen ist nach der langen Trockenheit immer noch tief. Helfen könnte Schnee, der versickert.

Larissa Flammer
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Der Bodenseepegel bei Ermatingen. (Bild: Andrea Stalder)

Am Weihnachtstag haben im Thurgau die Wasserpegel Alarmwerte erreicht. Vor allem im Toggenburg hat es stark geregnet, das Wasser floss mit der Thur in den Thurgau. Für Marco Baumann, Fachexperte in der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie beim Kanton, gab es wegen des Alarms einen Arbeitstag. «Schäden hat die erhöhte Wasserführung der Thur aber keine angerichtet.»

Am vergangenen Wochenende führten die Bäche und Flüsse ein zweites Mal viel Wasser. Der niedergehende Regen schwemmte den in den tiefen Lagen noch liegenden Schnee in die Gewässer.

Ausgetrocknete Bäche sind wieder gefüllt

In den Bächen und kleineren Flüssen schwillt der Wasserstand jeweils bald wieder ab, was ein Blick in das Wasserportal der Kantone Thurgau und Schaffhausen bestätigt. Gewässer, die während der lang anhaltenden Trockenheitsphase fast oder sogar ganz ausgetrocknet waren, wurden jetzt wieder gefüllt.

Marco Baumann. (Bild: Andrea Stalder)

Marco Baumann. (Bild: Andrea Stalder)

Die Hydrodaten zeigen auch, dass seit Anfang Dezember der Pegel im Bodensee und im Untersee wieder steigt. «Für diese Jahreszeit hat er jetzt Normalwasserstand», sagt Baumann. Die Messwerte sind sogar ein bisschen über dem Durchschnitt.

Zur Trockenheit ist ein politischer Vorstoss hängig

Von Mitte Juni bis Ende November führte der See immer weniger Wasser. Bei Romanshorn sinkt der Durchschnittspegelwert während dieser Zeit um etwa 140 Zentimeter. Die lang anhaltende Trockenheitsphase führte sogar zu einem politischen Vorstoss. Drei CVP-Kantonsräte forderten den Regierungsrat auf, ein Konzept zum Umgang mit Wasserknappheit und Trockenheit zu erarbeiten. Die Reaktion der Regierung steht noch aus.

Mittlerweile hat sich die Lage auch bezüglich Wasserknappheit entspannt, Mitte Dezember hob der Kanton das fünf Monate andauernde Wasserentnahmeverbot aus Oberflächengewässer auf. Trotzdem sagt Baumann: «Der Grundwasserspiegel ist noch immer tief.»

Auswirkungen des Schnees im Gebirge noch unklar

Die beiden starken Niederschläge in den vergangenen Wochen haben zwar «die Systeme wiedermal durchgeputzt» und auch das Grundwasser wieder angereichert. Doch 2018 fehlten die Regenmengen von mehreren Monaten. Der Fachmann erklärt: «Es braucht noch mehr Niederschlag, um das wieder auszugleichen.»

Hilfreich wäre dafür auch Schnee. Baumann sagt: 

«Schmilzt dieser, ohne dass es regnet, versickert das Wasser an Ort und Stelle.»

Mit warmem Regen davongeschwemmter Schnee kann dagegen kritisch werden, weiss Baumann. Welche Auswirkungen der in höheren Lagen massenhaft gefallene Schnee auf die Gewässer im Thurgau haben wird, kann er nicht sagen. Das hängt vom Wetter der nächsten Wochen ab.

Die Hydrodaten des Kantons enthalten auch die Wassertemperatur. Der Bodensee war am Mittwochnachmittag bei Altnau 4,4 Grad kalt, was im normalen Bereich liegt.

Das Grundwasser auf dem Thurgauer Seerücken wird knapp

Der Fachstab Trockenheit ruft zum haushälterischen Umgang mit Wasser auf. Das Grundwasser auf den Anhöhen geht allmählich zur Neige. Im Thurtal würde es hingegen erst kritisch, wenn mehrere trockene Jahre aufeinander folgen sollten.
Thomas Wunderlin