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Der Biber ist ein Wasserträger

Der Pflanzenfresser bekämpft die Trockenheit. Auch der Biodiversität ist der fleissige Nager zuträglich. Dies und mehr ist an der zweiten nationalen Bibertagung in Frauenfeld zu erfahren.
Sebastian Keller
In der Schweiz leben derzeit rund 3000 Biber, im Thurgau sind es gut 500 Tiere.(Bild: PD/Christof Angst)

In der Schweiz leben derzeit rund 3000 Biber, im Thurgau sind es gut 500 Tiere.(Bild: PD/Christof Angst)

Die Grosswetterlage hat sich Anfang Dezember geändert. Regen ist häufiger zu Gast. Die Trockenheit, die seit Frühling dominiert, klingt ab. Der Wasserstand des Bodensees hat sich stabilisiert – auf unterdurchschnittlichem Niveau allerdings. Das ist auf der Webseite des Thurgauer Amtes für Umwelt zu lesen. Die Grundwasserstände und die Quellabflüsse sind leicht angestiegen.

Beim Thema Trockenheit spielt auch der Biber eine Rolle. Das ist von Volker Zahner, Professor an der Hochschule Weihenstephan in Bayern, zu erfahren. «Biber sind ein zentraler Faktor im lokalen Wasserhaushalt», sagt der Wildtierökologe an der nationalen Bibertagung. Diese ging am Freitag in Frauenfeld über die Bühne. «Biber sind sogar entscheidender als Niederschlag oder die Temperatur.» Dies belegt der Wissenschafter mit Untersuchungen aus Kanada und Bayern.

Mehr Wasser in der Landschaft

Forscher in Kanada hätten herausgefunden, dass Biber selbst im extrem trockenen Jahr 2002 über 61 Prozent mehr offene Wasserflächen in der Landschaft geschaffen hatten. Dies im Vergleich zu feuchteren Jahren, als die Biber noch nicht zurückgekehrt waren. Eine Untersuchung in Bayern kommt zu einem ähnlichen Resultat: Hier war die Wasserfläche um 40 bis 50 Prozent höher. «Dies ist gerade unter dem Aspekt von Trockenperioden als Folge des Klimawandels von besonderer Bedeutung», schreibt Volker in einer Zusammenfassung seines Referats, «sollte es doch ein Ziel sein, Wasser möglichst lange in der Landschaft zu halten.»

Auf Nachfrage sagt Zahner, dass der Biber auch im aktuellen Trockenheitsjahr 2018 eine mildernde Rolle gespielt habe. «Er erhöht auch den Grundwasserstand.» Anders gesagt: Wäre der Pflanzenfresser vor 50 Jahren nicht im Thurgau wieder angesiedelt worden, wäre die Trockenheit wohl noch verheerender gewesen.

Auch beim Schutz vor Hochwasser spielt der Biber eine Rolle, und zwar mit dem Bau von Dämmen, die sie vor allem bei Gewässern mit bis zu zehn Meter Breite anlegen. Dazu verbauen sie grösstenteils Gehölz. Studien belegen, dass Biberdämme kleinere Hochwasser verzögern. «Allerdings ist die Wirkung beschränkt», sagt Wildtierökologe Zahner.

Gegen sogenannte 100-jährige Hochwasser können Biber mit ihren Dämmen wenig ausrichten. Die Wassermassen reissen die Verbauungen des Nagers mit. Bei Hochwasserereignissen, die statistisch alle zehn Jahre vorkommen, haben die Biberbauten allerdings eine dämmende Wirkung. «Gerade bei kleineren und regelmässigen Hochwassern können Dämme einen wichtigen Beitrag leisten», schreibt Volker in der Zusammenfassung.

Biber fördert die Artenvielfalt

Mit den Auswirkungen des Bibers auf die Biodiversität befasst sich Lutz Dalbeck. Er referierte ebenfalls in Frauenfeld. Sein Wirkungsgebiet ist die Eifel im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. «Biber verändern die Vegetation und das Mikroklima», sagt der promovierte Biologe. Sie fällen Bäume, wodurch Lichtungen entstehen. Der Biber sei ein starker Förderer der Biodiversität.

So konnte nachgewiesen werden, dass die Population von Amphibien ansteigt. Sowohl die Anzahl der einzelnen Arten wie auch die Artenvielfalt generell. Nachweisen konnte Dalbeck dies im Fall des Feuersalamanders. Dessen Population hat in Gebieten, die der Biber bewirtschaftet, stark zugenommen. Ein ähnlicher Effekt ist bei Libellen zu beobachten. Positive Effekte hätten Biberaktivitäten auch für Fledermäuse, Vögel und Fische.

Bern hat den Thurgau überholt

Die nationale Bibertagung fand zum zweiten Mal statt. Rund 160 Fachleute sind nach Frauenfeld gereist. Personen, die sich beruflich etwa mit Wasserbau, Forstwirschaft oder Naturschutz befassen. Ihre Schnittmenge ist der Biber.

Cornelia Komposch richtete einige Worte an die Gäste. Die Thurgauer Justiz- und Sicherheitsdirektorin ist sozusagen oberste Bibermanagerin des Kantons. «Das Zusammenleben von Mensch und Biber ist ein aktuelles Thema.» Konfliktfelder, die etwa mit der Landwirtschaft entstehen können, müsse Beachtung geschenkt werden. Der Thurgau war lange der Kanton mit der höchsten Biberpopulation – aktuell sind es rund 500 Tiere. Mittlerweile führt Bern die Rangliste an. «Mir ist es noch nie gelungen, einen Biber zu sehen», bekennt Komposch.

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