Der Bauernhof der Zukunft ist in Tänikon eröffnet

Bundesrat Johann Schneider-Ammann bringt Grussworte aus Bern nach Tänikon. Er lobt den Pionier- und Unternehmergeist, den die Verantwortlichen bei der Swiss Future Farm an den Tag legen.

Sebastian Keller
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Technische Hilfsmittel spielen auf dem Bauernhof der Zukunft eine zentrale Rolle. (Bilder: Andrea Stalder)

Technische Hilfsmittel spielen auf dem Bauernhof der Zukunft eine zentrale Rolle. (Bilder: Andrea Stalder)

Die Rotorblätter des Helikopters standen kaum still, da erntete Johann Schneider-Ammann bereits die ersten Lacher. Und bewies damit eine gehörige Portion Selbsthumor. «Rire c’est bon pour la santé», sagte der FDP-Bundesrat ins Publikum. Über den Satz hatte bereits einmal das ganze Land gelacht. Damals, als Schneider-Ammann mit ernster Miene am Tag der Kranken für Heiterkeit und Lachen weibelte.

Aus heiterem Anlass ist der Landwirtschaftsminister am Donnerstag auch in den Thurgau geflogen. Zur Eröffnung der Swiss Future Farm (SFF) in Tänikon, Gemeinde Aadorf. Auf dieser arbeiten der Kanton Thurgau und die Industrie gemeinsam am Bauernhof der Zukunft. Stichworte: digitale Landwirtschaft und «Smart Farming». Auf einer Quartettkarte würden folgende Fakten über den Hof stehen: 81 Hektaren Nutzfläche, 65 Kühe, 55 Schweine.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann nahm den Thurgauer SVP-Nationalrat Markus Hausammann im Helikopter mit.  Es ei ein Geburtstagsgeschenk, sagte der Magistrat.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann nahm den Thurgauer SVP-Nationalrat Markus Hausammann im Helikopter mit.  Es ei ein Geburtstagsgeschenk, sagte der Magistrat. 

Die SFF ist kein Unternehmen, sondern eine Zweckgemeinschaft. Sie setzt sich aus dem BBZ Arenenberg, der Agco International GmbH und der GVS Agrar AG zusammen. Diese Public-Private-Partnership lobte der Agrarminister explizit. Was auf der Swiss Future Farm erdacht werde, sei kompatibel mit der Agrarpolitik des Bundesrates. So erwähnte er beispielsweise die Ressourceneffizienz, aber auch das Unternehmertum. «Der Staat muss Rahmenbedingungen definieren und sich dann ruhig verhalten», sagte Schneider-Ammann.

Mit Herzblut für die Landwirtschaft

Der Thurgauer FDP-Regierungsrat Walter Schönholzer erklärte, wieso er sich für den Agroscope-Standort, die SFF und generell die Landwirtschaft im Thurgau «mit Herzblut» einsetzt. «Ich habe einmal ein Lehrjahr als Landwirt gemacht.» Er brachte auf den Punkt, was die Swiss Future Farm sein will. «Im Zentrum steht die Frage, was beispielsweise Smart Farming für die Schweizer Bauernfamilie bedeutet.»

Der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer. (Bild: Andrea Stalder)

Der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer. (Bild: Andrea Stalder)

Erkenntnisse aus Tänikon sollen allen zugänglich gemacht werden. Mit einer Bauernregel verdeutlichte er diese Haltung: «Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Deshalb sollen unsere Landwirte hier sehen, wie es funktioniert.» Sehen etwa, wie mit modernster Technik Dünger gezielter eingesetzt werden kann. Dabei helfen Daten, die im Stall und auf dem Feld gesammelt und ausgewertet werden.

Wie weiter mit der Forschungsanstalt Agroscope?

Am Rande der Veranstaltung kam auch das Thema Agroscope zur Sprache. Ein heisses agrarpolitisches Eisen. Im Frühling sickerte durch, dass Schneider-Ammann die bundeseigene Forschung aus Spargründen im Kanton Freiburg konzentrieren will. Damit wäre der Agroscope-Standort in Tänikon vor dem Aus gestanden. Pikant: Der Kanton Thurgau hatte per 1. Januar 2017 den Versuchsbetrieb in Tänikon zur Pacht vom Bund übernommen – und damit den Verbleib der Forschungsanstalt als gesichert erachtet.

Zum Thema sagte Schneider-Ammann am Donnerstag in Tänikon: «Das Projekt kam etwas zu früh in die Medien und wurde unglücklich kommuniziert.» Er habe zig Telefone, E-Mails und Briefe erhalten. «Das war nicht lustig.» Hintergrund sei der Sparauftrag: «Ich habe meinen Bundesratskollegen gesagt, ich gehe nicht mit dem Rasenmäher drüber, sonst sind alle Standorte nur noch suboptimal aufgestellt.» Ihm habe ein Campus mit der allerbesten Infrastruktur für die allerbesten Forscher vorgeschwebt. Diese Pläne haben die eidgenössischen Räte vorerst gestoppt.

Wie Schneider-Ammann gegenüber dem «Regionaljournal Ostschweiz» von SRF sagte, soll die Forschungsanstalt in Tänikon als Satellit erhalten bleiben. Ähnliche Äusserungen machte er bereits früher. Was das konkret für die Mitarbeiter und den Forschungsschwerpunkt bedeutet, bleibt aber vorerst ungewiss. Der Thurgauer Volkswirtschaftsminister Walter Schönholzer ist auf jeden Fall optimistisch. An die Adresse des Bundesrates sagte er: «Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Agroscope jetzt und in Zukunft am Standort Tänikon.»

Die Swiss Future Farm zählt auch tierische Mitarbeiter. Kühe, Schweine und Schafe. (Bild: Andrea Stalder)

Die Swiss Future Farm zählt auch tierische Mitarbeiter. Kühe, Schweine und Schafe. (Bild: Andrea Stalder)

Sollte sich Agroscope dennoch aus Tänikon verabschieden, ist die Zukunft der Swiss Future Farm nicht gefährdet. Das betonte Martin Huber, Direktor des BBZ Arenenberg, in einem Mediengespräch. «Wir haben die Swiss Future Farm so aufgebaut, dass sie auch ohne Agroscope funktioniert.» So ist die Forschungsanstalt kein Partner in der Zweckgemeinschaft. Dennoch sei man froh, wenn die bundeseigene Forschungsanstalt im Thurgau bleibe. Wegen des Fachwissens und des Austausches mit den Forschern etwa. «Wir haben auch Projekte mit Agroscope zusammen», sagte Huber. Etwa im Bereich der Tierhaltung.

Partner ist aber die GVS Agrar AG. Deren Geschäftsführer Markus Angst sagte etwas zur Flughöhe, auf der die Swiss Future Farm unterwegs ist. «Wir möchten der Praxis drei bis fünf Jahre voraus sein.» Dies aus einem einfachen Grund: «Damit wir die Fehler machen, welche die Landwirtschaft nicht machen sollte.»

Drei Tage für die Bevölkerung geöffnet

Interessierte sind vom 21. bis zum 23.  September eingeladen, die Swiss Future Farm in Tänikon zu besichtigen. Sie ist jeweils zwischen 9 und 17 Uhr geöffnet – mit zehn Praxisstationen, Kinderprogramm, Regiomarkt und Festwirtschaft. Ab Bahnhof Aadorf verkehrt ein Shuttlebus, Parkplätze sind signalisiert: www.swissfuturefarm.ch.