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Der Asbest-Fall der Axa in Frauenfeld ist schweizweit einzigartig

Wenn heute Donnerstag die Axa dem Kanton das Konzept zur Reinigung der von Asbest befallenen Kulturgüter vorlegt, geht es für den Versicherer um einen bislang beispiellosen Fall. Und um viel Geld.
Roland Schäfli
In den Untergeschossen des geräumten Gebäudes an der Bahnhofstrasse 55 warten die Thurgauer Kulturgüter darauf, von Asbest gereinigt zu werden. (Bild: Roland Schäfli)

In den Untergeschossen des geräumten Gebäudes an der Bahnhofstrasse 55 warten die Thurgauer Kulturgüter darauf, von Asbest gereinigt zu werden. (Bild: Roland Schäfli)

«Der Fall ist einzigartig, in der Schweiz und auch für die Axa», erklärt Michael Keller, beim Versicherungsunternehmen zuständig im Bereich Entwicklung und Bauen, im Fall des Asbest-Gebäudes verantwortlicher Projektleiter. Im über 50-jährigen Gebäude an der Bahnhofstrasse 55 waren im Erdgeschoss ein Kleiderladen und ein Billard-Pub eingemietet.

In den sechs Obergeschossen waren Kantonspolizei und Mitarbeiter des kantonalen Umweltamts zu finden. Bis auf die beiden Untergeschosse ist das Gebäude geräumt. Dort warten noch immer 30000 Kulturgüter auf 1000 Quadratmetern auf die Reinigung von Asbest.

Zur Zukunft des Gebäudes mit Baujahr 66, das die Axa übernahm, bevor das Asbestverbot in der Schweiz am 1. März 1989 in Kraft trat, prüft die Besitzerin verschiedene Szenarien. Auch der Abriss steht zur Diskussion. Gleichzeitig ist denkbar, dass das Gebäude wieder als Anlageobjekte Rendite abwerfen soll. Auch diese Zukunft hängt davon ab, ob man sich am Verhandlungstisch findet.

Wurde Gesundheit geschädigt?

Dass Asbest in den Zwischenräumen verbaut worden war, wurde bei einer Sanierung festgestellt. In der ersten Mitteilung hiess es, dass für die Mieter keine gesundheitliche Gefährdung bestanden habe. Sobald sie von der Problematik wusste, nahm die Axa regelmässig Messungen vor, bei denen keine Asbestfasern in der Luft festgestellt werden konnten.

Durch verschiedene Klebeproben auf den Exponaten, Regalen und in den Installationsbereichen im Untergeschoss wurden hingegen vereinzelte Fasern nachgewiesen. Eine gesundheitliche Gefährdung liess sich nicht mehr ausschliessen.

Der Kanton errichtete darauf in Zusammenarbeit mit der Suva eine Anlaufstelle für Mitarbeiter, die glaubten, einem erhöhten Risiko ausgesetzt gewesen zu sein, was diverse Personen in Anspruch nahmen. Folgen für die Gesundheit können sich im Fall von Asbest erst Jahre später äussern.

Kostspielige Zwischenlösungen

Als die Mieter im März ausziehen mussten, war die Rede von einer halbjährigen Zwischenlösung in Unkenntnis des bevorstehenden Aufwands. 44 Mitarbeiter des Amts für Umwelt kamen in der früheren Maschinenfabrik der «Müller-Martini» in Felben unter. 30 Arbeitsplätze der Kapo wurden ins Ex-Gebäude der Neuen Schule Frauenfeld verlegt.

Die Nachbarliegenschaften wurden über das Problem informiert, damit sie ihre eigenen Abklärungen treffen konnten. Das Sportbekleidungsgeschäft entsorgte sämtliche Kleidungsstücke, die Axa entschädigte es dafür.

Unklarer Kostenrahmen

Nach der Räumung zeigte sich, dass der Aufwand für die Asbestbeseitigung höher sein würde als anfangs angenommen. Die Problematik ist auf leicht löslichen, schwachgebundenen Asbest zurückzuführen, der auf Exponaten im Kellerarchiv nachgewiesen wurde. Der Plan zur Reinigung, der am 1. November in die Vernehmlassung gehen soll, wurde von Restauratoren, Vertretern von Kanton, Museum und der Versicherung erarbeitet. Beigezogen wurde die Zürcher Firma Ecosens, eine führende Beratungsfirma für umweltrelevante Problemstellungen.

Spezialisten bauen Asbest ab

Das griechische Wort «Asbestos» heisst «unvergänglich». Dass es in diesem Fall nicht wörtlich zu nehmen ist, dafür steht die Winterthurer Abson Sanierungstechnik AG im Einsatz. Die Spezialfirma saniert jährlich rund 400 Objekte mit Asbestbefall. Je nach Arbeitsphase arbeiten in Frauenfeld zwischen drei und zwölf Mitarbeiter im Unterdruck.

Bei einem Projekt dieser Grösse wird zuerst eine Zone eingerichtet, in der die Zuluft gefiltert wird, da Asbest bei der Arbeit aufgewirbelt wird. Geschützt sind die Sanierer in geschlossenen Arbeitsanzügen, geamtet wird durch Atmungsgeräte, die durch einen Kompressor ausserhalb des Gebäudes kontrolliert werden. «Maximal halten sie sich sechs Stunden im Gebäude auf», gibt Marco Hafner Auskunft, Projektleiter der Abson, «nach zwei Stunden in der Atemmaske wird eine Pause eingelegt. Unsere Leute sind nach Ekas-Standard für Sicherheitsfachleute ausgebildet.» An einem jährlichen Arztbesuch wird unter anderem die Lunge getestet. (rs)

Trotz detailreicher Abklärungen: Das Konzept hat noch kein Preisschild. Und selbst der zeitliche Rahmen ist weiterhin unklar, weil es keine Vergleichsfälle gibt. Nur so viel:

«Es ist kein irreparabler Schaden entstanden»

Das sagt der Kantonsbaumeister Erol Doguoglu. «Die Verschmutzung durch die Asbestfasern sollte einwandfrei behoben werden können.» Eine der Bedingungen des Kantons an die Axa lautet, dass durch die Sanierung keine zusätzlichen Verunreinigungen riskiert werden dürfen.

Bis die Arbeiten im Untergeschoss beginnen können, muss der letzte Rest Asbest im Erdgeschoss beseitigt werden. Das Konzept sieht vor, die historisch wertvollen Objekte – Fahnen, Münzen, Schriftstücke, Uniformen, Gemälde – für die Reinigung nicht auszulagern, um die Giftstoffe nicht zu verschleppen. Stattdessen soll ein Schleusensystem installiert werden, um mit Unterdruck die Exponate vor Ort zu säubern. Erst dann ziehen die Thurgauer Kulturgüter um – eine Fläche dafür ist im Gewerbegebiet Frauenfeld-Ost bereits für die permanente Lagerung angemietet.

Kostenteilung zu diskutieren

Die Einwilligung des Kantons vorausgesetzt, und voraussichtlich nach einem Testlauf, könnte Anfang Jahr damit begonnen werden. «Wir sind zuversichtlich für eine gute gemeinsame Lösung», stellt Doguoglu in Aussicht. Diese Zuversicht teilt der Projektleiter der Axa.

Nur: Vorher müssen sich die Parteien über die Kostenteilung einig werden. Obwohl gemäss Keller unmöglich sein soll, ohne Vergleichsobjekte einen Kostenrahmen festzulegen, müsste zum Zeitpunkt des Reinigungsbeginns Einigkeit über die Kosten bestehen. Allein für die Restaurierung wurden mögliche Kosten in zweistelliger Millionenhöhe genannt.

Der Zusatzaufwand, der dem Kanton durch unplanmässige Umquartierung und Mietkosten entstanden, sind Teil der Verhandlungen. «Wo sie muss, wird die Axa ihre Verantwortung wahrnehmen», sagt Keller. Von anderen Begehrlichkeiten, die auf die Vermieterin zukommen könnten, geht der Versicherer aus heutigem Kenntnisstand nicht aus.

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