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Der Apfel als Influencer: Thurgauer Obstbranche rührt die Werbetrommel für ihre Produkte – unter anderem auf Instagram und Twitter

Der Obstbranche kämpft für die Zukunft der heimischen Früchte. Mit Marketing und Neuzüchtungen.
Sebastian Keller
Eine Apfelneuzüchtung mit rotem Fruchtfleisch. Diese Sorte ist noch nicht auf dem Markt. (Bild: Andrea Stalder)

Eine Apfelneuzüchtung mit rotem Fruchtfleisch. Diese Sorte ist noch nicht auf dem Markt. (Bild: Andrea Stalder)

Eine Website, ein Instagram- und ein Twitter-Konto: Nicht nur Promis von A bis C nutzen diese Kanäle, um sich der Welt zu präsentieren, auch Äpfel hängen auf Plattformen. So etwa der «SweeTango», der auch im Thurgau angebaut wird. «Diese Sorte ist knackig und süss», sagt Beat Lehner. Er baut am Rand von Felben-Wellhausen Äpfel, Birnen, Heidelbeeren und Kirschen an. Haupterwerb ist eine Baumschule. Hierher hat der Schweizer Obstverband zu einer Medieninformation anlässlich des Starts der diesjährigen Apfelernte geladen.

«SQ159»: Was nach dem Namen einer Figur aus «Star Wars» tönt, ist die Bezeichnung einer Sorte. Sie kommt womöglich in zwei, drei Jahren in die Läden. Allerdings nicht unter «SQ159», sondern als «Magic Star». Lehner, auf dessen Anlage die ersten Früchte dieser Sorte reifen, sagt:

«Es ist eine resistente Sorte gegen Schorf, auch die Anfälligkeit auf Mehltau und Feuerbrand ist gering.»

Entwickelt wurde sie in den Niederlanden; Coop will die Sorte in der Schweiz etablieren. «Jetzt werden Produzenten gesucht», weiss Lehner.

Beat Lehner mit einer Apfelneuzüchtung mit rotem Fruchtfleisch. (Bild: Andrea Stalder)

Beat Lehner mit einer Apfelneuzüchtung mit rotem Fruchtfleisch. (Bild: Andrea Stalder)

Ennet dem Feldweg sind Apfelsorten zu sehen, die vielleicht nie in die Läden kommen oder zum Kassenschlager werden: Auf Feld gedeihen 250 Züchtungen aus mehreren Kontinenten. Lehner geht durch die Reihen. Er pflückt einen Apfel und schneidet ihn mit dem Sackmesser auf. Rotes Fruchtfleisch lässt die Besucher staunen. «Wir züchten derzeit auch einen kernenlosen Apfel», sagt Lehner. Er soll dereinst gegessen werden wie eine Erdbeere.

Obstproduzenten freuen sich auf Ernte

Auch Ralph Gilg ist Obstproduzent. Der Fruthwiler präsidiert den Thurgauer Obstverband. Er sagt, im Frühling habe er bezüglich der Ernte kein gutes Gefühl gehabt. «Nun sieht es aber super aus.» Im Thurgau werden über 70 Apfelsorten angebaut. «Sauer, süss, gross, klein.»

Was es braucht, damit ein Apfel neben einer Nektarine im Laden besteht, erläutert der Verbandspräsident. Der Baum müsse vor dem Knospenaustrieb geschnitten werden. «Damit kommt Licht und Luft an den Baum.» Zentral sei – in trockenen Jahren besonders – die Bewässerung. Aber auch der Witterungsschutz. «Ein einziges Hagelkorn», betont Gilg, «genügt, um den Apfel unverkäuflich zu machen.»

Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbandes, mit beschädigten Äpfeln. (Bild: Andrea Stalder)

Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbandes, mit beschädigten Äpfeln. (Bild: Andrea Stalder)

Er nimmt eine Frucht aus einer grünen Kiste. Bräunliche Stellen brandmarken sein Schicksal: Mosterei. Rund 75 Prozent der Thurgauer Apfelflächen sind mit Hagelnetzen geschützt. Auch der Schutz vor Pilzen und Insekten ist zentral. Im Frühsommer werden kleine und beschädigte Früchte aussortiert – «Handausdünnung» nennen das die Fachleute. Entscheiden ist nicht zuletzt der Erntezeitpunkt.

Wie viel Äpfel und Birnen geerntet werden können, lässt der Schweizer Obstverband schätzen. 136'500 Tonnen Tafeläpfel und 23'200 Tonnen Tafelbirnen: So lautet die Schätzung für die Kampagne 2019. Bei den Äpfeln handelt es sich um eine durchschnittliche, bei den Birnen um eine gute Menge. Bei den Tafeläpfeln wird der Ertrag um 23 Prozent geringer geschätzt als 2018. «Die Kulturen sind im Allgemeinen gesund», sagt Jürg Hess, Vizepräsident des nationalen Verbandes und Obstproduzent in Roggwil (TG).

Kein grosser Feuerbrandbefall im Thurgau

Im Wallis mussten wegen des Feuerbrands Tausende Obstbäume ausgerissen werden. Wie präsentiert sich die Situation im Thurgau? «Wenn jedes Jahr so wäre wie dieses, könnten wir nicht klagen.» Das sagt Urs Müller, Gruppenleiter Obst, Gemüse, Beeren am BBZ Arenenberg am Rand der Pressekonferenz. Die Pflanzenseuche konzentriere sich auf das Gebiet Egnach-Roggwil. «Der Gelbmöstler ist extrem anfällig», sagt Müller. Diese Mostobstbirne wird aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr neu angebaut; ihr Bestand ist aktuell dennoch hoch. (seb.)

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