«Der Antrag ist zwar mutig, aber nicht seriös»: Das Frauenfelder Millionenprojekt namens Hallenbad steht im Gemeinderat nur kurz auf der Kippe

Das letzte Wort zum Hallenbadneubau hat das Frauenfelder Stimmvolk. Der Gemeinderat segnet das Millionenprojekt ab, trotz viel Tadel und einem bedrohenden Rückweisungsantrag.

Samuel Koch
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Diese Visualisierung zeigt, wie das Hallenbad ab 2023 nach der rund zweijährigen Bauphase aussehen soll.

Diese Visualisierung zeigt, wie das Hallenbad ab 2023 nach der rund zweijährigen Bauphase aussehen soll.

Bild: PD

Fragende Blicke im Saal, eine unvorhergesehene Pause, gefolgt von Geschwätz in Kleingruppen. Der Stadtrat erlebte am Mittwochabend während der Gemeinderatssitzung im Rathaus zumindest kurzzeitig bange Minuten, als die 34 Ratsmitglieder über Sein oder Nichtsein entschieden.

Andres Storrer, Gemeinderat SVP.

Andres Storrer, Gemeinderat SVP.

Bild: PD

Ausgelöst hat die Anspannung der Rückweisungsantrag von SVP-Gemeinderat Andres Storrer, der den Baukredit über 39,34 Millionen Franken für den Hallenbadneubau quasi zum Versenken in der Murg freigeben wollte. Vor allem störte er sich an den verglichen mit der Machbarkeitsstudie um rund sieben Millionen Franken höheren Kosten. Er sagte:

«Es ist doch nicht so, dass wir für 33 Millionen Franken ein dreckiges Hallenbad bekommen würden.»
Stefan Geiges, Gemeinderat CVP.

Stefan Geiges, Gemeinderat CVP.

Bild: PD

Storrer verlangte vom Stadtrat, «über die Bücher zu gehen». Kurzum: Storrer verpasste es, eine Mehrheit hinter sich zu bringen (5 Ja, 26 Nein, 3 Enthaltungen).

Alfred Bloch, Gemeinderat SP.

Alfred Bloch, Gemeinderat SP.

Bild: PD

Er schaffte es aber, dass an den Rednerpulten teils ungewöhnliches Vokabular verwendet wurde. «Der Antrag ist zwar mutig, aber nicht seriös», monierte CVP-Gemeinderat Stefan Geiges, zum jetzigen Zeitpunkt «gar verantwortungslos gegenüber dem Volk». Denn mit einer Rückweisung wäre nebst den Planungen auch die Volksabstimmung obsolet geworden.

Christa Zahnd, Gemeinderätin SVP.

Christa Zahnd, Gemeinderätin SVP.

Bild: PD

Jeder Einwohner zahlt 1535,32 Franken

Deutliche Worte zur Botschaft äusserten auch die Fraktionssprecher. Alfred Bloch (SP) sprach von «massiven Kostenüberschreitungen». «Aber erneuerbare Energie kostet», sagte er und rechnete vor, dass fürs Grossprojekt jeder Einwohner 1535 Franken und 32 Rappen bezahle. Zu viel, wenn es nach Christa Zahnd (SVP/EDU) geht. Sie sprach von einer «Kostenexplosion».

Ursula Duewell, Gemeinderätin FDP.

Ursula Duewell, Gemeinderätin FDP.

Bild: Andrea Stalder

Für die FDP-Fraktion und Ursula Duewell erhalte die Stadt ein Hallenbad, das «Frauenfeld würdig ist, als Leuchtturm für die ganze Region», das nicht zwingend zu einer befürchteten Steuererhöhung führen müsse. Bei der Fraktion CVP/EVP fiel die Interessensabwägung zu Gunsten des Neubaus aus. Fraktionssprecher Beda Stähelin sagte:

Beda Stähelin, Gemeinderat CVP.

Beda Stähelin, Gemeinderat CVP.

Bild: PD
«Die offensichtlichen Vorteile überwiegen.»
Annina Villiger, Gemeinderätin CH.

Annina Villiger, Gemeinderätin CH.

Bild: Andrea Stalder
Fabrizio Hugentobler, Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Fabrizio Hugentobler, Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Bild: Andrea Stalder

Und Annina Villiger (CH/Grüne/GLP) sagte wie viele, dass es für eine Kehrtwende trotz negativer Punkte zu spät sei, um «in nützlicher Frist ein besseres Projekt» vorzubereiten.

«Wenn wir jetzt Nein sagen, werden wir vertragsbrüchig, und das Projekt ist weg», sagte Stadtrat Fabrizio Hugentobler.

Die Kosten seien gestiegen, weil der Perimeter grösser geworden ist und sich die Vorgaben im Energiebereich erhöhten, führte der Vorsteher des Departements Werke, Freizeitanlagen und Sport aus.

Die «Kostenkröte» gelte es jetzt trotz «ekelhaftem Geschmack» zu schlucken, ohne sich aber zu verschlucken.

Heinrich Christ, Gemeinderat CH.

Heinrich Christ, Gemeinderat CH.

Bild: PD

Sauna schafft es knapper vors Stimmvolk

Samuel Kienast, Gemeinderat EVP.

Samuel Kienast, Gemeinderat EVP.

Bild: PD

Für den Stadtrat hagelte es auch Kritik zum Antrag für die Sauna für 2,67 Millionen Franken. «Ich lehne sie ab, weil es Mehrverkehr gibt, wenn vor allem Auswärtige kommen», sagte Heinrich Christ, Gemeinderat CH. Andere wiederum schlugen Pfähle dafür ein. «Es geht nicht nur um Wellness, es geht auch um Gesundheit», sagte EVP-Gemeinderat Samuel Kienast.

Schliesslich erteilte der Rat dem ganzen Millionenprojekt seinen Segen. Den Baukredit für den Neubau genehmigte er klar (26/2/6), jenen für die Sauna ebenso, aber knapper (21/13/0). Damit gehört das letzte Wort dem Volk bei der Abstimmung am 29. November. Ein Ja gab es auch zum Nachtragskredit von 373'000 Franken (16/6/12).