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Denkmalschutz endet nicht an der Haustür

Ein parlamentarischer Vorstoss aus SVP-Kreisen will den Denkmalschutz zu Gunten der Verdichtung aushöhlen. Fachkreise finden das sehr bedenklich.
Dieter Langhart
Typische Bauernstube in Amlikon; aus dem Band «Innere Werte» der Thurgauer Denkmalpflege. (Bild: Lukas Fleischer)

Typische Bauernstube in Amlikon; aus dem Band «Innere Werte» der Thurgauer Denkmalpflege. (Bild: Lukas Fleischer)

Die Motion trug einen verführerischen Titel: «Für einen Denkmalschutz mit Augenmass und besserer Koordination mit den raumplanerischen Zielen». Eingereicht haben sie die SVP-Kantonsräte Manuel Strupler und Pascal Schmid, der Regierungsrat hat sie für erheblich erklärt (Ausgabe vom 27. September). Würde dem Vorstoss Folge geleistet und das Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Natur und der Heimat (TG NHG) geändert, wäre dies laut Kritikern fatal.

Die Motion will den denkmalpflegerischen Schutz auf die äussere Bausub­stanz beschränken. Das Innere eines Baudenkmals sei gewissermassen Privatsache und ohnehin meist nicht zugänglich, Schutzmassnahmen sollten sich «nur ausnahmsweise – bei herausragendem kulturhistorischem Wert und untrennbarer Einheit – auf die innere Bausubstanz, Raumaufteilung oder Ausstattung erstrecken». Das widerspricht einem wichtigen Grundsatz der Denkmalpflege.

Das Innen und Aussen eines Denkmals sind eins

Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege definiert in ihren «Leitsätzen zur Denkmalpflege in der Schweiz» ein Denkmal als «Gegenstand der Vergangenheit mit besonderem Zeugnis­charakter». In den Leitsätzen wird dies festgehalten: «Für die Zeugenschaft ist das Denkmal als Ganzes wichtig; bei Bauten das Innere ebenso wie das Äussere.» Werde dem Objekt «die überlieferte Substanz genommen, verliert es seine Denkmaleigenschaft unwiederbringlich».

Wir fragen in den Nachbarkantonen an. Schaffhausen nimmt nicht Stellung, St. Gallen sehr wohl. Die Motion sei ein sehr bedenklicher Vorschlag, sagt Moritz Flury-Rova, stellvertretender Leiter der St. Galler Denkmalpflege. Alle Kantone würden im Grundsatz nach den eidgenössischen Leitsätzen handeln. «Bei einem Einzelobjekt sind das Innere und Äussere untrennbar – und oft ist das Innere wertvoller», sagt Flury. Ein historisches Denkmal, etwa ein altes Haus, erzähle eine Geschichte – seine Geschichte –, und wenn es schützenswert sei, müssten alle historisch bedeutenden Bestandteile erhalten werden, obwohl das Innere in der Regel nicht öffentlich zugänglich sei.

Kantonale Denkmalschutzgesetze sind laut Moritz Flury eher allgemein gehalten und müssen im Einzelfall ausgelegt werden. «Deshalb beraten wir Eigentümer historischer Gebäude bei Veränderungsabsichten und suchen gemeinsame Lösungen.» Das bedeute aber nicht, dass keine Zimmerwand entfernt und kein Buffet verschoben werden dürfe.

Die Motionäre Strupler und Schmid hatten geschrieben: «Die weitreichenden ­Eingriffe der Denkmalpflege kollidieren zunehmen mit den raumplanerischen Verdichtungszielen.» Auf das Thema Verdichtung angesprochen, sagt Moritz Flury: «Selbst wenn das Innere eines Hauses nicht geschützt wäre, gewänne man keinen zusätzlichen Wohnraum.»

«Direkter Angriff auch auf die Denkmalpflege»

Uwe Moor, Präsident Heimatschutz Thurgau

Uwe Moor, Präsident Heimatschutz Thurgau

«Die Motion gefährdet unsere Baudenkmäler in unverantwortbarer Weise.»

Noch deutlicher wird Uwe Moor, Präsident des Thurgauer Heimatschutzes. Die Motion sei «nicht nur ein direkter Angriff auf das Natur- und Heimatschutzgesetz im Thurgau, sondern auch auf die kantonale Denkmalpflege». Er bezeichnet die Argumente in der Antwort des Regierungsrates als gut, unverständlich sei hingegen die Schlussfolgerung. Laut Uwe Moor anerkennen die Motionäre die Leistungen der kantonalen Denkmalpflege nur bedingt, «da die positiven Leistungen zum Erhalt unseres historischen Kulturgutes kaum in Betracht gezogen werden». Vom Regierungsrat werde der Verdienst der Denkmalpflege zwar gewürdigt, «für uns ist es aber schwer nachvollziehbar, weshalb er trotzdem die Motion für erheblich erklärt». Das Natur- und Heimatschutzgesetz sei von eminenter Bedeutung für die Zukunft dieser Kulturgüter, sagt Moor, nur so könnten wir sie für künftige Generationen sichern. «Der wahre Inhalt der Motion gefährdet die Erhaltung unserer Baudenkmäler in unverantwortbarer Weise.»

In der Motion hiess es, der Thurgau dürfe «kein zweiter Ballenberg werden.» Der Regierungsrat schrieb in seiner Antwort: «Schutzanordnungen im Innern eines Gebäudes werden von Eigentümern oft als unerwünschter Eingriff in ihre Privatsphäre empfunden.» Moritz Flury erwidert, das sei zwar verständlich, dem stehe aber das öffentliche Interesse an der Erhaltung des historischen Zeugnisses gegenüber, und er sagt: «Es gibt auch Leute, die empfinden ein Tempolimit als Eingriff in ihre Privatsphäre.»

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