Kommentar

Der Grosse Rat hat beim Thema Wil-West die Demokratie ruhig gestellt

Bei diesem Grossprojekt darf man sich doch nicht wundern, wenn auch mal kritische Fragen aufgeworfen werden, schreibt TZ-Redaktor Silvan Meile in einem Kommentar zur fehlenden Debatte um Wil-West.

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 Silvan Meile, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Thurgau.

Silvan Meile, Redaktor Thurgauer Zeitung, Ressort Thurgau.

Bild: Reto Martin

SVP und FDP haben ihre Macht ausgespielt. Sie verweigerten den Wil-West-Kritikern mit ökologischem Anstrich, ihre Befürchtungen gegen das Reissbrett-Projekt anzubringen. Damit hat diese Ratshälfte der Demokratie keinen Gefallen getan.

Dass man die kritischen Stimmen durch politisches Kalkül zum Schweigen bringt, wirft aber auch ein schlechtes Licht auf das Grossprojekt. Für die Steuerzahler ist es wichtig zu wissen, dass im Parlament auch Unbequemes zur Sprache kommt. Nicht zuletzt deshalb, weil der Stimmbürger noch nie seine Meinung zu diesem Autobahnanschluss und dem daraus erwachsenen 150-Millionen-Projekt äussern durfte.

Von grossen multinationalen Playern wurde einst geträumt. Hoch qualifizierte Arbeitsplätze sollten sie in Wil-West ansiedeln. Auch die ETH hätte man gerne an der neuen Autobahnausfahrt begrüsst. Später sahen sich die Verantwortlichen aber gezwungen, ihre Pläne zurückzubuchstabieren. Mittlerweile hoffen sie eher, dass sich das regionale Gewerbe für das geplante Entwicklungsgebiet begeistern lässt. Da darf man sich doch nicht wundern, wenn auch mal kritische Fragen aufgeworfen werden. So läuft das in einer Demokratie.