Dem Frauenfelder Chilbi-König HP Maier bleibt eine vage Hoffnung auf den Herbst

Corona hat das Geschäft der Schausteller stillgelegt. Da kommt selbst ein Hanspeter Maier ins Grübeln.

Stefan Hilzinger
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Schausteller Hanspeter Maier gibt mit seiner historischen Jahrmarktorgel ein Geburtstagsständchen im Alterszentrum Park in Frauenfeld.

Schausteller Hanspeter Maier gibt mit seiner historischen Jahrmarktorgel ein Geburtstagsständchen im Alterszentrum Park in Frauenfeld.

(Bild: Reto Martin)

Wer Hanspeter «HP» Maier kennt, weiss, dass er kein Kind von Traurigkeit ist. Doch die Coronakrise und die vielen abgesagten Märkte, Messen und Stadtfeste machen dem Frauenfelder Schausteller Angst, wie er einräumt. «Sieben, acht oder vielleicht sogar zehn Monate ohne Märkte und Chilbi... Ich will nicht daran denken», sagt Maier.

Er steht im Garten des Alterszentrums Park. Auf einem Anhänger spielt die gut hundertjährige Jahrmarktorgel «Happy Birthday» für zwei Jubilare. Maiers Angestellter, Rufname Bubi, schaut, dass die Lochkarte mit der nächsten Melodie korrekt in die Orgel läuft.

Aus der Tournee wird nichts

Dabei hätte das ein Bombenjahr werden können für Schausteller Maier. «Wir hatten eine so schöne Tournee vor uns», sagt er. Für dieses Jahr habe er in Holland ein neues Riesenrad bestellt. Dieses Wochenende hätte es sich am Bregenzer Frühlingsfest erstmals drehen sollen. Maier sagt:

«In den nächsten Tagen wird das Riesenrad nun angeliefert, mit Verspätung.»

Aufstellen kann er es vorderhand nicht. Maier kramt in der Tasche nach seinem Handy und zeigt Fotos der neuen Attraktion. «Schauen Sie mal. Alles auf Schweiz gemacht.» Die Nabe des Rades schmückt ein riesiges Edelweiss. Auf Fahnen prangen Schweizerkreuz und Matterhorn.

Eines von Maiers Riesenräder stand am frauenfelder Mitsommerfest vor einem Jahr beim Thurgauer Regierungsgebäude.

Eines von Maiers Riesenräder stand am frauenfelder Mitsommerfest vor einem Jahr beim Thurgauer Regierungsgebäude.

(Bild: Donato Caspari)

Nicht mal zu Kriegszeiten lief es so schlecht

Maiers Familie ist seit Generationen im Schaustellergeschäft. HP mag sich nicht erinnern, jemals von einem vergleichbaren Grounding der Branche gehört zu haben, nicht einmal in Kriegszeiten. «Als sie sogar das Münchner Oktoberfest absagten, ist mir das schon richtig eingefahren», sagt er. Nicht, weil er dieses Jahr dort vertreten gewesen wäre, sondern wegen der Symbolkraft.

Bundesrat Berset staunt

Hanspeter Maier ist Vizepräsident des Schweizer Schaustellerverbandes. Von der Coronakrise seien rund 400 Schausteller betroffen, dazu kämen noch mindestens 700 Marktfahrer. «Es stehen doch einige tausend Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon viele von Familienmitgliedern», sagt Maier. Bundesrat Berset habe gestaunt, wie viele Menschen in der Branche tätig seien. (hil)

Für sein rund ein Dutzend Angestellte hat er nun Kurzarbeit beantragt, viele davon sind Familienmitglieder. Saisonniers sind gar nicht erst angereist. «Obwohl sie natürlich gerne gekommen wären.» Er sei dankbar für die rasche, unbürokratische Unterstützung durch die Behörden. Auch einen Kredit habe er erhalten. Obwohl es ihm eigentlich zuwider sei, Schulden zu machen, um Schulden zu begleichen.

Wollen die Leute überhaupt schon ins Gewühl?

Maier wäre nicht Maier, wenn er nicht schon nach Wegen raus aus der Coronakrise suchen würde. Vage Hoffnung setzt er auf den Herbst und auf Wega, Olma oder Basler Herbstmesse. «Hier muss halt der Bundesrat entscheiden, was punkto Grossveranstaltungen geht», sagt er. Ausserdem fragt er sich, ob die Menschen sich überhaupt schon wieder ins Gewühl einer Messe oder eine Chilbi stürzen wollen.

«Denn wer behauptet, Corona sei nix, der liegt falsch.»

Mehr Hoffnung setzt er auf sein neues Riesenrad respektive seine beiden Riesenräder. «Die lassen sich problemlos coronagerecht betreiben», sagt Maier. Allein auf einem grossen Platz, ohne Rummel, dafür mit viel Abstand. Und in der Mitte der Gondel ein Tischchen. Für die Cüpli, die er zum Billett von 15 Franken ausschenken will. «Weisst Du, so wie wir es in Zürich gemacht haben», sagt er zu seinem Angestellten. Dieser nickt und meint: «Ja, das war toll.»

Und in Frauenfeld sollte er demnächst auch den Glacestand am Schlossberg eröffnen können, den er vergangenes Jahr übernommen hat. «Wir haben ihn dieser Tage picobello neu angestrichen.» Mitte August wird Hans Peter Maier 65. Doch von Ruhestand will er nichts wissen, jetzt erst recht nicht. Er sagt:

«Wir brauchen fünf Jahre, bis wir wieder dort sind, wo wir im vergangenen Dezember waren.»