Dem Ausnahmezustand zum Trotz: So sieht der Schulalltag in Diessenhofen aus

Alle Schulzimmer sind bis mindestens 19. April geschlossen. In Diessenhofen geht der Unterricht trotzdem weiter.

Dieter Ritter
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Lehrer Daniel Badraun im verlassenen Klassenzimmer.

Lehrer Daniel Badraun im verlassenen Klassenzimmer.

(Bild: Bild: Dieter Ritter)

Eine gespenstige Leere. Diese Situation zeigt sich seit Mitte März auch in den Schulhäusern im Unterthurgau. Die Volksschulgemeinde Diessenhofen (VSGDH) hat kreative Lösungen entwickelt, damit der Unterricht weitergehen kann. Sie organisiert für ihre rund 800 Schülerinnen und Schüler Fernunterricht und -betreuung. Es ist kein vollwertiger Ersatz für den Präsenzunterricht, denn die Lehrplanziele müssen nicht erreicht werden. Zudem beginnen ab sofort offiziell die Frühlingsferien.

«Die Krise ist schleichend gekommen. Anfänglich haben die Kinder noch Witze gemacht, später kam die Verunsicherung», erklärt Daniel Badraun. Er unterrichtet Kinder mit besonderem Bildungsbedarf in Kleinklassen der Sekundarschule. Bei seiner Klasse kommt der Heimunterricht gut an. Dank regem E-Mail-Austausch konnte Badraun feststellen, dass selbst zu Hause fleissig gearbeitet wird. Schon morgens um 7.30  Uhr kommen erste Anfragen. Er sagt:

«Die Kinder zeigen erstaunliche Selbstständigkeit und Disziplin.

Durch den Ausnahmezustand lernten sie auch Neues. Zusätzlich zu ihren Kenntnissen in Textbearbeitung am Computer lernen sie, eigene Fotoaufnahmen zu bearbeiten und in Dokumente einzufügen. Die Schulcomputer sind der zusätzlichen Belastung durch den Heimunterricht gewachsen. «Es ist ein Glück, dass die Schule im vergangenen Jahr die elektronische Datenverarbeitung aufrüstete», sagt Badraun.

Take-away-Stoff für alle ohne einen E-Mail-Zugang

Schwerer trifft es all jene, die noch keine Lehrstelle haben. Es herrsche Stillstand, denn niemand wolle jetzt einen Schnupperstift, sagt Badraun. Von zusätzlichen Ferien für die Schulleitung und Lehrpersonen kann keine Rede sein. Während der normalen Unterrichtsstunden sind Letztere für die Kinder stets erreichbar. Lehrpersonen vermitteln die Lektionen per E-Mail, auf dem gleichen Weg schicken die Kinder ihre Lösungen zurück. Franziska Benz, Leiterin der VSGDH-Administration sagt:

«Seit Tagen sind wir am Eintippen von E-Mail-Adressen.»

Familien, die kein E-Mail haben, dürfen den ausgedruckten Lernstoff in der Schule abholen. «Intensiv, aber positiv», beschreibt Benz den Ausnahmezustand. Die Reaktionen seien bis auf wenige Ausnahmen positiv. Besonders rühmt sie den Einsatz des Elternrates, unter anderem beim Weiterleiten von Nachrichten. «Sie haben sogar Infos der Schule übersetzt und auf Albanisch verbreitet», sagt Benz.

«Ich erlebe die Situation sehr nachdenklich, konzentriert und arbeitsintensiv», sagt Natalie Mokalis, Schulleiterin Schlatt und Schlattingen. Sie hätten geordnete Verhältnisse und keine Panik. Von allen Seiten erlebt sie viel Solidarität. Einzig fehlen ihr die direkten Begegnungen.

Schulschliessungen ohne Verabschiedungen

Noch hängige Elterngespräche mussten abgesagt werden. Und als der Bund die Schulschliessung bekanntgegeben hatte, war es zu spät, um noch rasch mit den Kindern zu reden. Mokalis sagt:

«Wir hatten nicht mehr die Möglichkeit, unseren Schülerinnen und Schülern Mut zu machen und zu erklären, was mit der Welt Verrücktes passiert.»

Privat sorgt sie sich um Angehörige. Mut macht ihr, wenn ältere Verwandte erzählen, wie sie vergangene Krisen damals gemeinsam angepackt und gemeistert hätten. Wie die meisten aller Coronabetroffenen vertraut auch Mokalis darauf, dass die angeordneten Massnahmen den erwarteten Effekt zeigen und der gewohnte Alltag schon bald wieder einkehrt.