Degustation
Scharf ist geil, meistens jedenfalls: An der Vorausscheidung für die Wahl zum besten Thurgauer Chutney am Frauenfelder Herbst- und Erntefest

Diesen Samstag können die Besucherinnen und Besucher am Herbst- und Erntefest die beste Gemüse-Frucht-Würzsauce des Kantons erküren. Die Vorauswahl für den Publikumswettbewerb hat am Dienstagabend eine Fachjury vorgenommen. Wichtig bei einem Chutney ist die Raffinesse. Das steht fest.

Mathias Frei
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Impression vom Tasting: 21 Chutneys gilt es zu verkosten.

Impression vom Tasting: 21 Chutneys gilt es zu verkosten.

Bild: Mathias Frei

Chutney ist eine Kunst, eine hohe. Und diese Fertigkeit will bewertet werden am zweiten Thurgauer Chutney-Casting. Nach den ersten drei süsssauer-pikanten Gewürzsaucen meint der Ermatinger Eventkoch Christian Kindl:

«Geflasht hat mich noch keine.»
Teil des Expertengremiums: Christian Kindl, Eventkoch und Maitre-Grilleur aus Ermatingen.

Teil des Expertengremiums: Christian Kindl, Eventkoch und Maitre-Grilleur aus Ermatingen.

Bild: Mathias Frei

Der Flash kommt aber erst später, zum Beispiel bei der Kategorie Nachgeschmack. Fünfmal führte Agro-Marketing Thurgau bislang die Wahl zur besten Thurgauer Konfitüre durch. Die Siegerin wird jeweils am Frauenfelder Herbst- und Erntefest mittels Publikumswertung erkürt. Vergangenes Jahr war beim Fest in der Altstadt erstmals das sogenannte Cheese-Festival zu Gast. Und was passt besser zu Käse als ein rassiges Chutney?

Herbst- und Erntefest diesen Samstag in der Altstadt

Die Frauenfelder Altstadt wird diesen Samstag, 11. September, zum Schauplatz des Herbst- und Erntefests. Von 9 bis 16 Uhr werden an Marktständen regionale Spezialitäten feilgeboten. Zum zweiten Mal ist das Cheese-Festival zu Gast. Bis um 15 Uhr können die zehn besten Chutneys bewertet werden. Um 16 Uhr ist die Preisverleihung. Der Verein Genussthur Thur-Seebachtal führt eine Weindegustation durch. Kinder können sich an der Armbrust versuchen. Und natürlich darf auch eine Festwirtschaft nicht fehlen. (ma)

Ein Muss: Aus Thurgauer Gemüse oder Früchten

Chutneys mit Aussicht auf den Untersee.

Chutneys mit Aussicht auf den Untersee.

Bild: Mathias Frei

Heuer sind 21 verschiedene Chutneys eingegangen – im Vergleich zu den 18 Eingaben vor einem Jahr. Eine Fachjury hat am Dienstagabend die zehn Würzsaucen für die Publikumswahl bestimmt. Eine Voraussetzung: Die Hauptbestandteile des Chutneys – ob Frucht oder Gemüse – müssen aus dem Thurgau stammen. Priska Held von Agro-Marketing Thurgau stellt denn auch fest:

«Wir haben zwei kritische Kandidaten.»
Bewertet die Chutneys: Roland Höhener, Leiter Verpflegung am BBZ Arenenberg.

Bewertet die Chutneys: Roland Höhener, Leiter Verpflegung am BBZ Arenenberg.

Bild: Mathias Frei

Sie meint das Apfel-Ananas-Chutney sowie die Variation mit Mango und Chili. Da gibt es aber auch die anderen, die unkritischen: von Zucchetti oder Kürbis über Red-Love mit roten Zwiebeln bis zu pikanten Beeren, Chili-Quitten oder Frühapfel mit Gurke. Kindl, Christoph Komarnicki vom Gasthof zum Goldenen Kreuz, Andrea Schwyn von der Thundorfer Kochlust, Brigitte Keller vom Klosterladen der Kartause Ittingen und Roland Höhener, Leiter Verpflegung am BBZ Arenenberg, bewerten die Saucen, die selten musartig, oft aber noch recht stückig sind.

Wieso nicht mal ein Senf-Casting?

Jurymitglied: Andrea Schwyn, Kochlehrerin und Geschäftsführerin «Kochlust», Thundorf.

Jurymitglied: Andrea Schwyn, Kochlehrerin und Geschäftsführerin «Kochlust», Thundorf.

Bild: Mathias Frei

Brombeere gehe nicht, sagt Brigitte Keller. Wegen der Kerne. Andrea Schwyn würde sich statt Brot, das den Geschmack dämpfe, zum Beispiel ein Stück Tafelspitz wünschen. Und:

«Das könnte ich mir auch gut zu Raclette oder Wild vorstellen.»

Roland Höhener und Christian Kindl diskutieren über das Fehlen der Inhaltsangaben. Senf zum Beispiel sei ein Allergen, das deklariert werden sollte. Apropos Senf: Wieso nicht in Zukunft mal ein Thurgauer Senf-Casting machen? In der Romandie werde fast zu allem Senf gereicht, erzählt Höhener. Kindl gibt zu Protokoll:

Jurorin: Brigitte Keller vom Klosterladen der Kartause Ittingen.

Jurorin: Brigitte Keller vom Klosterladen der Kartause Ittingen.

Bild: Mathias Frei
«Wenn das eine Blindverkostung wäre, hätte ich ab und zu an eine Konfi gedacht.»

Aber der Eventkoch aus Ermatingen hat auch Lob übrig. Konfitüre könne jeder. Hier seien jedoch durchaus ambitionierte Hobbyköche am Werke gewesen. Derweil verkostet Christoph Komarnicki konzentriert Probe um Probe.

Die ausgestellten Chutneys.

Die ausgestellten Chutneys.

Bild: Mathias Frei

Schärfe, Süsse und Säure müssen in Balance sein

Mitglied der Jury: Christoph Komarnicki, Wirt und Inhaber «Goldenes Kreuz», Frauenfeld.

Mitglied der Jury: Christoph Komarnicki, Wirt und Inhaber «Goldenes Kreuz», Frauenfeld.

Bild: Mathias Frei

Das Chutney stammt vom indischen Subkontinent. Der Begriff ist eine anglikanisierte Form von «Catni» aus der Hindi-Sprache. So oder so: Es braucht Schärfe, Süsse, aber auch Säure. Die Balance muss stimmen. Kräftig muss die Würzsauce sein. Die Geschmäcker sind aber auf jeden Fall verschieden. Mal sieht und riecht etwas besser, als dass es letztlich schmeckt. Die Gurken sind cheibe fad, die Aprikosen riechen ganz leicht faulig. Die Nummer 18 dagegen ist geschmacklich recht perfekt, aber zu pastös. In der anderen Jurygruppe kommt das Kürbis-Chutney gut an. Zu Recht. Am Schluss setzen sich die gutwürzigen Chutneys durch. Denn: Scharf ist geil, meistens jedenfalls.

Wasser hilft beim Verkosten.

Wasser hilft beim Verkosten.

Bild: Mathias Frei

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