Das Wort ist die Waffe der Diplomatie

Regierungsrätin Monika Knill referiert über die Alltagsdiplomatie in der Thurgauer Politik. Am 21. Kommunalforum der Thurgauer Kantonalbank illustriert sie diese am Beispiel des Frühfranzösisch.

Sebastian Keller
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Die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill erzählt, wie sie bei der Rettung des Frühfranzösisch vorgegangen ist. (Bild: Andrea Stalder)

Die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill erzählt, wie sie bei der Rettung des Frühfranzösisch vorgegangen ist. (Bild: Andrea Stalder)

Als Mundart-Vorgruppe: So versteht Monika Knill ihre Rolle am 21. Kommunalforum der Thurgauer Kantonalbank. Denn: Nach der Erziehungsdirektorin gehört die Bühne im Frauenfelder Casino Paul Widmer, ehemaliger Diplomat. Knill illustriert die Alltagsdiplomatie am Beispiel des Frühfranzösisch. Der Grosse Rat war drauf und dran, diese Fremdsprache von der Primar- auf die Oberstufenschule zu verschieben. 2014 hiess er eine Motion mit 71 zu 49 Stimmen gut.

«Plötzlich standen wir in einem medialen und politischen Hurrikan», sagt Knill. So lag es an ihr – obwohl sie dagegen war – diese Haltung «politisch zu rechtfertigen». Zum Beispiel gegenüber Bundesrat Alain Berset, der sie nach Bern zitierte. «Für mich kam eine Bundesintervention zu keiner Zeit in Frage.»

Gespräche mit Schlüsselpersonen führen

Am 3. Mai 2017 stand die erste Lesung über die Gesetzesänderung im Parlament an. «Ich habe mir überlegt, wie ich die Verbesserungsmassnahmen ins Feld führen kann.» Bei der ersten Lesung trug dies noch keine Früchte, ein Streichungsantrag fiel durch. Danach warf die SVP-Regierungsrätin ihr ganzes politisches und diplomatisches Geschick in die Waagschale. «Ich habe zahlreiche Gespräche mit Schlüsselpersonen geführt.» Bei jeder Gelegenheit: in der Kaffeepause, an Sitzungen und Veranstaltungen. Sie illustriert dies anhand eines fiktiven Gesprächs: «Peter, gibt dir einen Ruck und dem Frühfranzösisch eine zweite Chance.» Doch nicht jedes Gespräch sei locker und humorvoll verlaufen. «Das hängt mit dem richtigen Umgang von Nähe und Distanz zusammen.» Ein Tipp aus der Werkzeugkiste der Alltagsdiplomatie.

Als «Tag der Wahrheit» bezeichnet sie den 14. Juni 2017. «Alles oder nichts hiess es für mich», sagt sie zum Tag der zweiten Lesung. Mit 62 zu 60 Stimmen votierte der Grosse Rat doch noch für die Beibehaltung des Frühfranzösisch. «Ich war sehr stolz, aber nicht auf mich, sondern auf den Grossen Rat.» Wohl ein weiterer Tipp: Erfolge teilen. Der Hurrikan war nun ein wohlig-warmes Lüftchen. Nach Knills Referat stimmt die Sängerin Larissa Baumann den Queen-Song «The Show Must go On» an. Diese Haltung ist wohl auch Teil der Diplomatie.

Thurgauer hat Berufsdiplomatie begründet

Paul Widmer, ehemaliger Schweizer Diplomat. (Bild: Coralie Wenger)

Paul Widmer, ehemaliger Schweizer Diplomat. (Bild: Coralie Wenger)

Als Paul Widmer die Bühne betritt, ordnet er seine Notizen. Wartet. Es scheint, als wolle der ehemalige Diplomat die Spannung anheizen. Es gelingt: Die 110 Gäste sind ganz Ohr, was der ehemalige Botschafter in Washington über die internationale Diplomatie zu berichten weiss. Mit Verweis, dass er auch an der Thur, in Wattwil, aufgewachsen sei, schafft er Vertrautheit zum Publikum. Diese wird noch verstärkt, als er sagt, dass ein Thurgauer die Schweizer Berufsdiplomatie begründet hat: Johann Konrad Kern war ab 1857 Botschafter in Frankreich. «Er hat praktisch die Schweizer Aussenpolitik aus Paris geleitet.»

Widmer spricht weiter über die Werkzeuge der Diplomatie: «Der Diplomat hat nichts anders als das Wort.» Ein Diplomat müsse ehrlich sein. «Besonnenheit ist wichtig.» Von «Abfüllereien», wie sie zuweilen am 1. August in der Schweizer Botschaft in Berlin abgehalten wurden, hält er ebenso wenig wie von der «Event-Kultur». Ein weiterer Tipp: Bei Verhandlungen nie als Erster aufstehen. «Das würde ich auch bei der Verhandlung über das Rahmenabkommen so machen.» Weiter müsse ein Diplomat ein guter Zuhörer sein. Kompromissfähigkeit und gesunder Menschenverstand gehören weiter zum diplomatischen Repertoire.