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«Optisch eine Katastrophe»: Das Viadukt der BTS bei Weinfelden macht Bauchweh

An einer Infoveranstaltung hört sich der Kanton die Sorgen der Bevölkerung zur geplanten Bodensee-Thurtal-Strasse an. Die angedachte Durchquerung des Thurtals westlich von Weinfelden stösst auf Widerstand.
Silvan Meile
Ein Modell zeigt, wie das Viadukt dereinst aussehen könnte. (Bild: Donato Caspari)

Ein Modell zeigt, wie das Viadukt dereinst aussehen könnte. (Bild: Donato Caspari)

Das Verdikt des Weinfelders ist eindeutig: «Optisch eine Katastrophe», sagt der Mann, der sich für diese Einschätzung von seinem Stuhl erhoben hat, damit ihm das Mikrofon gereicht wird. «Das geplante Viadukt im Westen von Weinfelden macht Bauchweh.» Falls die Bodensee-Thurtal-Strasse (BTS) über diese Hochstrasse geführt wird, werde der Lärm in die Quartiere Weinfeldens getragen. Das Viadukt dürfe nicht sein.

Am Donnerstagabend stellte Regierungsrätin Carmen Haag zusammen mit Kantonsingenieur Andy Heller und Projektleiter Peter Imbach das Projekt der zweiten Etappe der BTS von Amriswil bis zur Autobahn in Bonau vor. Für ihre Arbeit und ihre offene Informationspolitik erhielten sie mehrfach Lob. «Bei dieser Strasse gibt es Gewinner und Verlierer», bilanzierte ein Besucher gegen Ende der Veranstaltung. Zu Wort meldeten sich zuvor einige, die sich als Verlierer dieses Bauvorhabens sehen.

Die Weinfelder sehen am Ende des Tunnels Ungemach

Die Gewinner der geplanten 33 Kilometer langen Nationalstrasse sind jene, die in den Dörfern leben, welche durch die neue Strasse vom Verkehr entlastet werden. Dazu gehören etwa die Bürgler. Die Autos und Lastwagen machen auf der BTS einen Bogen um das Dorf, zwängen sich nicht mehr wie heute durch den Kreisel im Zentrum. Auch die Weinfelder profitieren von der BTS. Auf der neuen Strasse soll der Durchgangsverkehr durch einen Tunnel unter dem Ottenberg fliessen, die Stadt somit entlastet werden. Dennoch sehen die Weinfelder am Ende des Tunnels Ungemach: das Viadukt.

Weil um Untergrund westlich von Weinfelden ein enormes Grundwasservorkommen beziehungsweise ein Trinkwasserspeicher für fast den halben Kanton liegt, weichen die Strassenplaner von ihrer ursprünglichen Idee ab, dort mit einer unterirdischen Strasse das Thurtal zu durchqueren und über die tiefergelegte Strasse auf die südliche Seite der Bahnlinie zu gelangen.

Grenzwerte knapp eingehalten

Wie ein Riegel würde die BTS den Fluss des Grundwassers stören, erklärt Regierungsrätin Haag. Ausserdem könnte sich dieses erwärmen. Eine Verkeimung wäre die Folge. Und Kies, das dort im Boden lagert und hilft, das versickernde Wasser zu reinigen, müsste abgetragen werden. «Wir könnten wohl die Grenzwerte knapp einhalten», erklärte Haag. Das hätten bisherige Untersuchungen ergeben.

Mehr als 300 Personen besuchten die BTS-Infoveranstaltung in der Mehrzweckhalle Bürglen. (Bild: Donato Caspari)

Mehr als 300 Personen besuchten die BTS-Infoveranstaltung in der Mehrzweckhalle Bürglen. (Bild: Donato Caspari)

Doch ein Eingriff in diesen wertvollen natürlichen Wasserspeicher sei einfach zu heikel. Es werden weitere Abklärungen getroffen, um die Risiken noch mehr minimieren zu können, damit die Strasse trotzdem unterirdisch geführt werden kann. Zeit dafür besteht genug. Den frühesten Spatenstichtermin der BTS schätzen die Strassenplaner auf 2027.

Ablehnung auch vom Weinfelder Gemeinderat

Nicht nur Besucher der Informationsveranstaltung betrachten die Idee der grossen Brücke über das ebene Land kritisch. Auch der Weinfelder Gemeinderat wehrt sich dagegen. «Das Viadukt würde sehr stark in Erscheinung treten und die Landschaft übermässig prägen. Diese Variante soll dann umgesetzt werden, wenn die weiteren Abklärungen zeigen, dass der Eingriff ins Grundwasser den gesetzlichen Bestimmungen widerspricht», schreibt der in einer Stellungnahme.

Hitzige Voten blieben in Bürglen aus. Das ist nicht immer so, wenn der Kanton ein Strassenprojekt vorstellt. Jenes der Oberland-Strasse (OLS) brachte ihm vor einem Jahr in der Turnhalle Lengwil grosse Schelte von Strassengegnern ein. Am Donnerstagabend melden sich hauptsächlich Bürger zu Wort, die sich um ihre persönliche Situation sorgten: «Dann fahren sie mit 100 statt 80 an meinem Haus vorbei», stellte ein Mann aus Bonau nüchtern fest.

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