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Das Thurgauer Integrationsprogramm erfüllt Mohamad Babai seinen Traum

Das kantonale Integrationsförderprogramm ermöglicht Migranten mit Bleiberecht ein unabhängiges Leben. Die berufliche Ausbildung ist ein wichtiges Ziel.
Judith Schuck
«Wer ein Ziel vor Augen hat, bewältigt auch grosse Herausforderungen», ist Lehrling Mohamad Ali Babai überzeugt. (Bild: Andrea Stalder)

«Wer ein Ziel vor Augen hat, bewältigt auch grosse Herausforderungen», ist Lehrling Mohamad Ali Babai überzeugt. (Bild: Andrea Stalder)

Vor vier Jahren kam Mohamad Ali Babai in die Schweiz. Der heute 29-Jährige floh mit seiner Familie aus Afghanistan. 2016 wurde er vorläufig aufgenommen. Noch im Dezember des gleichen Jahres lernte ihn Daniela Wild, Jobcoach bei der Thurgauer Fachstelle für Integration, erstmals kennen. Bald darauf unterzeichnete Babai eine Leistungsvereinbarung mit der kantonalen Migrationsförderung.

Der erste Schritt war ein Deutschkurs, darauf folgte die praktische berufliche Fähigkeitsabklärung. «Hier kristallisierte sich heraus, dass Ali Babai eine Lehre absolvieren möchte», erläutert Wild den Prozess. «Für Asylsuchende mit Bleiberecht ist eine Ausbildung ein wichtiges Ziel im Integrationsprogramm», unterstreicht Bettina Vincenz, Programmleiterin der Koordinationsstelle für vorläufig aufgenommene Personen beim Kanton. Sie stellte das Projekt am Montag gemeinsam mit Daniela Wild bei der Greag AG in Märstetten der Presse vor. Im Sommer 2020 wird Babai hier seine Lehre zum Automobilassistenten (EBA) abschliessen.

Gemeinsam die Bürokratie bewältigen

Beat Greutmann, Geschäftsführer der Greag AG, und seine Frau Andrina sind glücklich mit ihrem Lehrling: «Ali ist ein so wichtiges Teammitglied geworden, er ist nicht mehr wegzudenken», schwärmt Andrina Greutmann. Sie war von Anfang an überzeugt, dass dieses Projekt sinnvoll sei. Menschen wie Mohamad Ali Babai sollten möglichst bald ihr eigenes Einkommen in der Schweiz bestreiten können. Ihr Mann war zunächst noch zögerlich, liess sich aber umstimmen:

«Gute, motivierte Lehrlinge zu finden, ist schwierig. Und wir wollten Ali Babai eine Chance geben.»

Die bürokratischen Hürden, eine Person mit Bleiberecht auszubilden, seien allerdings hoch. Ohne die enge Zusammenarbeit mit Jobcoach und Migrationsamt hätten sie Babai nicht übernommen. Es müssten viele Zahnräder ineinandergreifen, damit alles funktioniere.

Greag AG

Die Greag AG Nutzfahrzeuge in Märstetten ist eine Handels- und Reparaturfirma für Nutz- und Lastfahrzeuge. Der Familienbetrieb wird von Beat Greutmann in zweiter Generation geführt. Sein Credo lautet: «Was wir verkaufen, reparieren wir auch.» Neben der Geschäftsleitung sind acht Mitarbeiter angestellt, darunter drei Auszubildende.

Seit Januar 2017 ist das Thurgauer Integrationsprogramm (KIP) zentralisiert. Leiterin Vincenz sagt: «Die Zentralisierung ermöglicht es, die Erkenntnisse, die wir durch die Integrationsförderung gewinnen, allen Anbietern qualifizierender Massnahmen zugänglich zumachen.» Vorher war die Fallführung auf die Sozialen Dienste der 80 Thurgauer Gemeinden verteilt.

Momentan absolvieren 26 von 197 Personen mit Bleiberecht im Thurgau eine Lehre. 51 weitere haben bereits eine Festanstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt, andere besuchen Deutschkurse, andere Integrationsmassnahmen oder sind auf Stellensuche.

Bettina Vincenz, Daniela Wild, Mohamad Babai sowie Andrina und Beat Greutmann präsentieren ihre erfolgreiche Zusammenarbeit vor der Presse. (Bild: Andrea Stalder)

Bettina Vincenz, Daniela Wild, Mohamad Babai sowie Andrina und Beat Greutmann präsentieren ihre erfolgreiche Zusammenarbeit vor der Presse. (Bild: Andrea Stalder)

Integrationsförderung ist kein Wohlfühlprogramm

Um erfolgreich am Programm teilzunehmen, braucht es eine hohe Leistungsbereitschaft bei den Auszubildenden: «Das KIP ist kein Wohlfühlprogramm», sagt Jobcoach Wild, «wir fördern, aber fordern auch.» Die Lehrlinge verpflichteten sich zu vollem Einsatz.

Babai gibt zu, dass die Lehre nicht ganz ohne ist. Die deutsche Sprache zu lernen, die mit seiner Muttersprache so gar nicht verwandt ist, war schwierig. Doch erlangte er schon nach einem halben Jahr das Deutschniveau B1. Im Kreuzlinger Flüchtlingscafé Agathu unterstützten ihn freiwillige Helfer bei mathematischen Fragen und beim Leseverständnis.

Die Arbeit bei der Greag AG gefällt dem Lehrling sehr. Seitdem sein erstes Auto einen Motorschaden hatte, interessiert sich Babai für Kraftfahrzeuge. Er will sie selbst reparieren können. Das Märstetter Familienunternehmen sei für ihn ein Traumort:

«Ich versuche, jeden Tag mein Bestes zu geben.»

Für die Zeit nach dem EBA-Abschluss hat er schon ein neues Ziel. «Er könnte die EFZ-Lehre bei uns anschliessen», ergänzt Andrina Greutmann. «Durch den Fachkräftemangel sind wir auf gute Leute wie Ali angewiesen.» Für den Kanton ist das KIP kostenneutral. Die Integrationspauschale zahlt der Bund.

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