Für die Frauenfelder Landverkauf-Abstimmung hat sich ein Pro-Komitee gebildet 

«Das richtige Projekt am richtigen Ort»: Mit dem in der Sonnmatt geplanten Bauprojekt des Reiseveranstalters Twerenbold würden nachhaltig Arbeitsplätze und Wohnraum geschaffen. Deshalb weibelt ein überparteiliches Komitee für ein Urnen-Ja zum Landverkauf am 10. Februar 2019.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Das überparteiliche Pro-Komitee «Wohnen und Arbeiten» mit den Gemeinderäten Christoph Tschanen (SVP), Andrea Ferraro (FDP), Sandro Erné (FDP), Samuel Kienast (EVP), Julia Bünter (CVP) und Christian Mader (EDU). (Bild: PD)

Das überparteiliche Pro-Komitee «Wohnen und Arbeiten» mit den Gemeinderäten Christoph Tschanen (SVP), Andrea Ferraro (FDP), Sandro Erné (FDP), Samuel Kienast (EVP), Julia Bünter (CVP) und Christian Mader (EDU). (Bild: PD)

Am kommenden 10. Februar ist in Frauenfeld politisch einiges los. Der Stadtratswahlkampf läuft bereits hochtourig. Und nun kommt auch der Abstimmungskampf betreffend Landverkauf in der Sonnmatt so langsam in Fahrt. So hat sich kürzlich ein überparteiliches Komitee «Wohnen und Arbeiten» gegründet, das sich für ein Ja an der Urne einsetzt.

Vertreter der FDP, CVP, EVP, SVP und EDU gehören der Gruppe an. Nicht vertreten ist die SP, obwohl sich ihre Fraktion an der Abstimmung im Gemeinderat auch für die Veräusserung eines 9500 Quadratmeter grossen Grundstücks in der Sonnmatt ausgesprochen hatte. Auf dem Land, das der Badener Reiseveranstalter Twerenbold kaufen will, sollen ein Betriebsgebäude mit Busterminal und Wohnungen entstehen (siehe Kasten).

32 Wohnungen und bis zu 100 Arbeitsplätze

Der Stadtrat will an der Ecke Schaffhauser-/Sonnenhofstrasse ein 9500 Quadratmeter grosses Grundstück (Wohnzone sowie Wohn- und Gewerbezone) dem Reiseveranstalter Twerenbold verkaufen. Preis: 5,7 Millionen Franken. Die Stadt würde an diesem Landgeschäft 2,9 Millionen verdienen. Das Carunternehmen aus Baden plant ein Betriebsgebäude mit Büros, eine Careinstellhalle mit Reiseterminal, Waschanlage, Tiefgarage sowie eine Wohnüberbauung mit 32 Wohnungen. Twerenbold würde bis zu 30 Millionen investieren, es würden bis zu 100 Arbeitsplätze geschaffen. Gegen das Projekt regte sich aber Widerstand. Anwohner lancierten eine Petition und sammelten 450 Unterschriften. Auch «Chrampfe & Hirne (CH)» opponierte. Ende September stimmte eine grosse Mehrheit des Gemeinderats dem Landgeschäft zu. CH und Anwohner ergriffen aber das fakultative Referendum. Dieses kam Anfang November mit 1074 gültigen Unterschriften zu Stande. Nun stimmt das Frauenfelder Stimmvolk am 10. Februar 2019 über den Landverkauf ab. (ma)

Komitee will Unwahrheiten richtigstellen

«Wir wollen bei dieser für Frauenfeld eminent wichtigen Abstimmung nicht tatenlos zuschauen», sagt FDP-Gemeinderat Sandro Erné als Sprecher des Komitees. Er spricht von einem zukunftsweisenden Projekt, «das Wohnen und Arbeiten nachhaltig unter einen Hut bringt und maximal Rücksicht nimmt auf das angrenzende Quartier». Das Vorhaben schütze sogar vor Immissionen seitens Schaffhauserstrasse. Doch leider hätten teils abstruse Behauptungen und Unwahrheiten zum Landverkauf die Runde gemacht. Diesen Behauptungen wolle man mit Fakten begegnen, sagt Erné. Das Komitee will entsprechend Aufklärungsarbeit leisten, unter anderem mit einem Flyer an alle Haushaltungen.

Betroffene Anwohner liessen sich schnell als Gegner eines solches Projekts gewinnen. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Frauenfelder Stimmbürger für die Weiterentwicklung der Stadt Frauenfeld, die Ansiedlung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie die Schaffung von qualitativ hochwertigem Wohnraum aussprechen könnten, hält Erné fest. In einer Medienmitteilung des Komitees spricht SVP-Fraktionspräsident Christoph Tschanen von einem idealen Standort. Komiteesprecher Erné erklärt:

«Das Vorhaben ist das richtige Projekt am richtigen Ort. Es ist sorgfältig ausgearbeitet und absolut zonenkonform.»

Ein Dienstleistungsbetrieb wie der Reiseveranstalter Twerenbold sei nun einmal kein Industriebetrieb und gehöre deshalb auch nicht in die Industriezone. So würden das auch andere Gemeinden mit solchen Dienstleistern handhaben.

Die Stadt will das Grundstück an der Ecke Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse, heute noch unbebaut als Wiese, an den Reiseveranstalter Twerenbold verkaufen, der dort einen grossen Busbahnhof plant. (Bild: Donato Caspari)

Die Stadt will das Grundstück an der Ecke Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse, heute noch unbebaut als Wiese, an den Reiseveranstalter Twerenbold verkaufen, der dort einen grossen Busbahnhof plant. (Bild: Donato Caspari)

Gewinn für das Quartier, weil durchdacht

Von EVP-Gemeinderat Samuel Kienast liest man in der Medienmitteilung: «Das Gesamtprojekt mit Wohnen und Arbeiten ist ein Gewinn für das Quartier, es ist durchdacht und weitsichtig.» Von EDU-Gemeinderat Christian Mader ist zu erfahren, er setze sich dafür ein, «dass sich Firmen wie Twerenbold – eine innovative, familiengeführte Traditionsfirma aus Baden, die sich für ökologisch sinnvolles Reisen engagiert – in Frauenfeld niederlassen können».

Für Erné ist klar:

«Ein weiteres wichtiges Argument für ein Ja zum Landverkauf sind auch die Stadtfinanzen. Das ist für die Bevölkerung vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich.»

Was er damit meint: Der festgelegte Verkaufspreis beträgt 5,7 Millionen Franken. Die Stadt würde einen Gewinn von 2,9 Millionen erzielen – und dieses Geld ist für 2019 bereits auf der Einnahmenseite budgetiert.

Widerstand gegen Twerenbold Reisen: Gegner des Frauenfelder Busbahnhofs sammeln Unterschriften

Obwohl der Frauenfelder Gemeinderat dem Grundstückverkauf an den Reiseveranstalter Twerenbold in Höhe von 5,7 Millionen Franken zugestimmt hat, gelangt das Geschäft womöglich doch noch vors Stimmvolk. Anwohner im Sonnmatt-Quartier sowie die Gruppierung Chrampfe & Hirne sammeln Unterschriften fürs fakultative Referendum und gegen den geplanten Busterminal im Westen der Stadt Frauenfeld.
Samuel Koch

Der Weg für den Frauenfelder Busterminal ist geebnet

Die Mehrheit des Frauenfelder Stadtparlaments hat am Mittwochabend dem Grundstückverkauf für 5,7 Millionen Franken an den Reiseveranstalter Twerenbold zugestimmt. Somit entsteht im Quartier Sonnmatt ein Busbahnhof trotz Gegenwehr von Anwohnern und Tadel im Gemeinderat.
Samuel Koch

Frauenfelder Busterminal gerät ins Schlingern

Die Stadt Frauenfeld will ihr Grundstück im Westen der Stadt für 5,7 Millionen Franken an den Reiseveranstalter Twerenbold veräussern. Die Gruppierung «Chrampfe & Hirne» und Anwohner opponieren nun dagegen. An der Gemeinderatssitzung am 19. September fällt der Vorhang.
Samuel Koch