Das Regenwasser aus dem Eschliker Riet fliesst nun dorthin, wo es soll

Die Gemeinde Eschlikon hat das Grossprojekt zur Entwässerung des Industriegebiets Riet abgeschlossen. Es bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. Einen grossen Teil der Kosten mussten die im Riet ansässigen Unternehmen bezahlen.

Roman Scherrer
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Das Regenwasser aus dem Eschliker Riet fliesst nun via Kwattbach in den Ziegeleiweiher. (Bild: Roman Scherrer)

Das Regenwasser aus dem Eschliker Riet fliesst nun via Kwattbach in den Ziegeleiweiher. (Bild: Roman Scherrer)

Die Bauabrechnung ist erledigt, alle Rechnungen verschickt. Die Gemeinde Eschlikon konnte ihr Grossprojekt zur Entwässerung des Industriegebiets Riet abschliessen. Dieses beinhaltete unter anderem den Bau zweier Rohrleitungen – je eine unter der Hörnlistrasse und dem Bahndamm – sowie die Offenlegung eines neuen Bachs, des Kwattbachs, der von unterhalb der Firma InnoPlastics in den Ziegeleiweiher führt. Der Grossteil der Arbeiten konnte bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen werden.

Mit dem Projekt wurde nun das Ziel erreicht, das Regenwasser aus dem Industriegebiet Riet in Richtung der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Münchwilen abzuführen, wie es die Generelle Entwässerungsplanung vorsieht. Bisher ist das Regenwasser aus dem Gebiet nur bis unter den Kiesparkplatz geführt worden, bei starken Niederschlägen floss es in die Kanalisationsleitung, welche zur ARA Aadorf führt.

Neuer Bach ist nie trocken

Seitdem das neue Entwässerungssystem in Betrieb ist, gab es schon einige stärkere Regenfälle. «Es hat sich sicher bewährt», sagt Eschlikons Gemeindepräsident Hans Mäder. Vor allem führe der neue Kwattbach ständig Wasser. «Das ist ein gutes Zeichen.» In Eschlikon habe man schliesslich nicht viele Bäche. «Und diejenigen, die wir haben, sind schnell einmal trocken», sagt Mäder.

Nebst der ARA-Entlastung und dem Hochwasserschutz brachte das Projekt auch eine ökologische Aufwertung im Bereich des Ziegeleiweihers.

Diese Vorteile hatten aber auch ihren Preis. Rund eine Million Franken kostete der Tunnel unterhalb der Hörnlistrasse.
Schliesslich stehen 60'000 Franken mehr zu Buche als geplant. Die Kostenüberschreitung rührt aus unvorhersehbaren Ereignissen, wie Hans Mäder erklärt:

«Für 25'000 Franken mussten wir Inertstoff-Altlasten entsorgen.»

Bei der Offenlegung des Kwattbachs sind die Arbeiter nämlich auf eine rund 30 Zentimeter dicke Schicht Ziegel gestossen, welche offensichtlich noch von der ehemaligen Ziegeleifabrik stammten. «Beim Tunnelbau unter der Hörnlistrasse sind wir zudem auf Felsen gestossen. Das verursachte Kosten von rund 30'000 Franken», sagt Mäder. Abgesehen davon sei der Bau aber reibungslos verlaufen.

Grundbesitzer bezahlten den Grossteil

Kaum Freudensprünge ob des Projekts dürfte man bei den Unternehmen im Industriegebiet Riet gemacht haben. Als Grundeigentümer haben sie rund sechs Franken pro Quadratmeter Land dafür bezahlt. Die Unternehmen im Riet sind auf Grundstücken von 1500 bis über 20'000 Quadratmeter angesiedelt. Mäder relativiert aber:

«Der Beitrag war für die Grundeigentümer keinesfalls eine Überraschung.»
Hans MäderGemeindepräsident Eschlikon

Hans Mäder
Gemeindepräsident Eschlikon

Die Gemeinde habe in dieser Angelegenheit stets offen kommuniziert. Deshalb hätten auch die Unternehmen, welche sich in den vergangenen zehn Jahren im Riet niedergelassen haben, gewusst, was auf sie zukommt. Überdies bestand die Idee der Entwässerung bereits, bevor 1997 die Politische Gemeinde Eschlikon gegründet wurde.

Zusammen haben die Grundbesitzer im Riet 940'000 Franken für das neue Entwässerungssystem bezahlt. «Ein erheblicher Teil», sagt Hans Mäder. 90'000 Franken hat dabei die Gemeinde beigesteuert, weil sie ebenfalls Grundeigentümerin ist. Zudem hat sie sich mit 15 Prozent an den Gesamtkosten beteiligt.

Für die Arbeiten rund um den Ziegeleiweiher wurden die Grundeigentümer nicht zur Kasse gebeten. Weil diese Massnahmen als ökologische Aufwertung betrachtet und vor allem als Massnahmen für den Hochwasserschutz eingestuft wurden, erhielt die Gemeinde bedeutende Beiträge von Bund und Kanton. Und auch von den SBB, wie Hans Mäder erklärt: «Sie hätten den Durchlass unter dem Bahndamm nämlich ohnehin sanieren müssen.»

Ein grünes Bijou

50 Interessierte nahmen am Donnerstagabend an der Begehung des offengelegten Kwattbachs teil. Das Gebiet rund um den südlichen Ziegeleiweiher gefällt und kommt gut an – und dies nicht nur bei den Grünen.

«Das sieht doch schon richtig vielversprechend aus. Wenn dann die Ahornbäume und Eichen gross und voluminös am Bachrand thronen, dann ist es perfekt.» Es ist die Meinung eines Eschliker Bürgers, der sich vorgestern von Gemeindepräsident Hans Mäder und Kaspar Fröhlich, diplomierter Kulturingenieur und Projektleiter, zum neu gestalteten Naherholungsgebiet informierte. Dazu eingeladen hatte die Grüne Partei des Bezirks Münchwilen mit ihrem Präsidenten Beat Imhof.

Kostendach von 700'000 Franken

In zwei Etappen und unter dem Kostendach von 700'000 Franken wurde unter anderem der Kwattbach offengelegt. Dadurch besticht das Areal rund um den Ziegeleiweiher auch durch eine ökologische Aufwertung.
Für Hans Mäder sind solche Informationsanlässe wichtig, wie er betonte. «Wir sind froh, dass wir die Einwohnerschaft und andere Interessierte in diesem Rahmen aufklären und vor Ort informieren können», sagte er. «Wir haben hier einen wunderbaren Ort, einen Platz, der gebraucht wird und ein kleines Gemeindegebiet, welches unser Dorf aufwertet.»

Auf einer Länge von rund 200 Metern wurde der Kwattbach, der von Westen her in den südlichen Ziegeleiweiher einfliesst, offengelegt.
«Der Weiher selbst hat eine Fläche von zwei Hektaren, beinhaltet rund 40'000 Kubikmeter Wasser (40'000 Liter) und ist am tiefsten Ort etwa vier Meter tief. Zudem wird der Weiher, nebst dem Kwattbach – der das Industriegebiet Riedt entwässert – von weiteren Zuflüssen gespiesen», erklärte Kaspar Fröhlich.

Der Gemeinde Eschlikon ist mit diesem zweifachen Schritt der Renaturierung, welche rund zwei Jahre lang andauerte, ein grosser Wurf gelungen; darüber sind sich die Teilnehmer des Informationsanlasses – es waren nicht nur Grüne anwesend – einig. Bei Grilladen und Getränken wurde bis in die Nacht hinein sinniert und das neue grüne Bijou genossen. (che)