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Von der Müllhalde zum Badeparadies: Das Parkbad an der Murg ist in Münchwilen eine geschätzte Oase

Entlang der Murg: Die Murg ist Namensgeberin des Münchwiler Parkbades. Dessen Wasserlieferant ist der Fluss hingegen nicht.

Christoph Heer
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Hanspeter Wehrle ist ein Münchwiler Urgestein. Als kleiner Junge spielte er in der Murg, später präsidierte er die Genossenschaft Parkbad an der Murg. Die Einrichtung feiert heuer ihr 60-jähriges Bestehen. (Bild: Christoph Heer)

Hanspeter Wehrle ist ein Münchwiler Urgestein. Als kleiner Junge spielte er in der Murg, später präsidierte er die Genossenschaft Parkbad an der Murg. Die Einrichtung feiert heuer ihr 60-jähriges Bestehen. (Bild: Christoph Heer)

Von Sirnach her durchquert die Murg die Gemeinde Münchwilen und fliesst danach in Richtung Rosental und Wängi. Die Münchwiler Industrie war vor vielen Jahrzehnten vom fliessenden Wasser abhängig – so, wie es auch in Fischingen, Sirnach und weiteren Hinterthurgauer Gemeinden der Fall war. Schon früh wurde die Murg auf Münchwiler Gemeindegebiet kanalisiert, heisst, nur an wenigen Stellen kommt man ebenerdig zum kühlen Nass.

Einen ganz besonderen Ort, mit einer noch spezielleren Historie, stellt das Quartier «Im Bad» dar. Darüber weiss Hanspeter Wehrle einiges zu berichten. Der Ur-Münchwiler, ehemaliger Schulpräsident, Kantonsrat und Inhaber zahlreicher weiterer Engagements in und für die Gemeinde, erinnert sich an seine Kindheit: «Als ich noch in der Primarschule war und das Parkbad noch nicht existierte, haben wir uns hin und wieder ‹Im Bad› abgekühlt.»

«Noch früher haben die Frauen an diesem Ort auch die Kleider gewaschen. Ja, früher hat man das so gemacht.»

Da man an dieser Stelle sehr gut ins seichte Wasser der Murg einsteigen konnte, war dieser Platz natürlich dafür prädestiniert. «Noch früher haben die Frauen an diesem Ort auch die Kleider gewaschen. Ja, früher hat man das so gemacht», sagt der 70-jährige Wehrle.

Das ganze Farbenspektrum im Wasser

Da die Textil- und andere Industriebetriebe weiter oben, gen Süden, so quasi mit der Murg zusammenarbeiteten, färbte sich die Murg jeweils zum bunten Gewässer. «Auf einmal kam es ganz gelb daher. Dann mal rot und später violett, also die Murg hat hierbei keine einzige Farbe ausgelassen. Nicht mehr ins Wasser stiegen wir, wenn es zum farblichen Aspekt hin auch noch angefangen hat zu schäumen, das war dann einfach zu gruusig.»

Wehrle erinnert sich auch daran, dass damals die Murg in St. Margarethen zudem noch vom Chräbsbach und dem Trungerbach verunreinigt wurde. «Heute ist die Murg Gott seiDank wieder ein wunderbarer Fluss der einfach zu Münchwilen gehört.»

So gestaltete man zum Beispiel auch den Kreisel im Dorfzentrum mit einem Wasserspiel. Aber früher war das anders! Früher, vor dem Bau der Kläranlage, also in den 60er- und 70er-Jahren war die Murg eine reine Kloake.»

Täglich über 
1000 Badegäste

Wo sich heute bei schönem Sommerwetter täglich weit über 1000 Badegäste auf ihren Badetüchern räkeln, sah es früher anders aus: Ehe das Parkbad 1959 eröffnet wurde, war hier eine Müllhalde. «Davon ist heute natürlich weiss Gott nichts mehr zu sehen, ganz im Gegenteil.»

«Nach einem gut besuchten Badetag gleicht unsere Badi manchmal auch einer Müllhalde. »

Doch kaum hat dies Wehrle zur Sprache gebracht, bringt die neue Kioskpächterin ihr Veto in das Gespräch. «Nach einem gut besuchten Badetag gleicht unsere Badi manchmal auch einer Müllhalde. Mit Littering haben wir schon zu kämpfen und das ist enorm schade, weil es für uns einen unnötigen Mehraufwand mit sich bringt», sagt Manuela Müller.

Vor zehn Jahren: 2009 weihte Hanspeter Wehrle als damaliger Genossenschaftspräsident die neue Rutsche ein. (Archivbild: Nana Do Carmo)

Vor zehn Jahren: 2009 weihte Hanspeter Wehrle als damaliger Genossenschaftspräsident die neue Rutsche ein. (Archivbild: Nana Do Carmo)

Das Parkbad an der Murg (die Murg verläuft parallel und nur wenige Meter neben dem Badiareal), umfasst ein Fläche von 10000 Quadratmetern und ist wie der Name verrät, ein Park. Wehrle bekräftigt, dass keine Häuser oder Fabriken zu sehen sind und die Anlage total von Grün umgeben ist. Darum gilt die Badi erst recht als Naherholungsgebiet und für die Daheimgebliebenen als Ferienoase.

Das Wasser der Murg wurde und wird nicht verwendet für das Bassin mit einem Volumen von 2500 Kubikmetern (2,5 Millionen Liter Wasser). «Unsere Badi verwendet Trinkwasser, kann aber auch auf das Grundwasser zurückgreifen, während das Wasser der Murg zu belastet und zu sauer ist. Da wäre die Aufbereitung viel zu teuer.»