«Das öffentliche Recht ist eingehalten»: Beim Frauenfelder Hallenbad sind zwei Wohnblocks mit zwei Tiefgaragen geplant, aber nur für den privaten Gebrauch

Rund um die Schlossmühlestrasse stehen grosse bauliche Veränderungen bevor. Im selben Atemzug wie der Hallenbadneubau der Stadt planen Private zwei mehrgeschossige Blocks mit über 50 Wohnungen. Zudem sind zwei Tiefgaragen vorgesehen. Der Stadtrat kündigt derweil eine erneute Antwort auf die zurückgewiesene Badi-Motion an.

Samuel Koch
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Die Visiere sind gestellt: Bis auf den vordersten Hausteil der Gebäude östlich der Schlossmühlestrasse (im Bild links) sowie der Garage westlich der Strasse (im Bild rechts) sollen alle Gebäude ersetzt werden. Hinten das Hallen-, Frei- und Sprudelbad.

Die Visiere sind gestellt: Bis auf den vordersten Hausteil der Gebäude östlich der Schlossmühlestrasse (im Bild links) sowie der Garage westlich der Strasse (im Bild rechts) sollen alle Gebäude ersetzt werden. Hinten das Hallen-, Frei- und Sprudelbad.

Reto Martin
  • Am 29. November befinden die Stimmberechtigten in Frauenfeld über den Hallenbadneubau in Höhe von knapp 40 Millionen Franken
  • Nebenan plant eine private Immobilienfirma im selben Atemzug den Abriss mehrerer altehrwürdiger Liegenschaften
  • Als Ersatz sollen zwei mehrgeschossige Wohnblocks mit über 50 Wohnungen errichtet werden
  • Der Hausteil von Dora Himmelberger bleibt bestehen, weil ihn die 88-jährige Witwe der Immobilienfirma nicht verkaufen wollte
  • Zwei Tiefgaragen mit über 40 Parkfeldern sind ebenso vorgesehen, jedoch nicht für die Öffentlichkeit
  • Nachdem der Gemeinderat die Motion mit der Forderung für den Bau eines öffentlichen Parkhauses bei der Badi zurückgewiesen hat, will der Stadtrat bald eine Antwort darauf geben

Kein Stein bleibt auf dem anderen, wenn es nach den vorliegenden Bauplänen geht. Am Ende der Sackgasse Schlossmühlestrasse steht einerseits der Neubau des Hallenbads bevor, sofern das Stimmvolk am 29.November dem Baukredit von 39,34 Millionen Franken zustimmt. Andererseits liegen derzeit die Baupläne der Tobler Verwaltungs AG noch bis Montag beim Amt für Hochbau und Stadtplanung öffentlich auf. Die Immobilienfirma aus Sulgen besitzt viele Liegenschaften in der Kernzone rund um die Badi.

Die Verantwortlichen der Tobler Verwaltungs AG reagieren nicht mehr auf Anfragen dieses Mediums, nachdem sich Dora Himmelberger als unmittelbare Nachbarin gegen die Baupläne zur Wehr setzte und beschloss, ihr Eigenheim nicht zu verkaufen. Deshalb war die Immobilienfirma gezwungen, die Pläne für die zwei geplanten Wohnblocks links und rechts der Strasse für insgesamt 15,25 Millionen Franken zu justieren.

53 neue Wohnungen in mehrgeschossigen Bauten

Um die fünf- und sechsgeschossigen Wohnblocks im selben Atemzug wie den Badineubau realisieren zu können, bedarf es zunächst des Abbruchs mehrerer Gebäude. Deshalb ist den vielen Mietern bereits frühzeitig gekündigt worden. Seit kurzem zeigen die Visiere die Dimensionen der Blocks, projektiert von Rothen Architektur GmbH Winterthur.

In den Bauten mit bronzefarbenen Holzmetallfenstern und weinroten Stoffstoren sowie mit begrüntem Flachdach und Fotovoltaikanlage sollen neu 53 Wohnungen entstehen, wie in den umfassenden Plänen steht. «Das Projekt enthält grossformatige Baukörper, die ein Ensemble darstellen und dem ehemaligen Industrieareal standhalten sollen», steht im Auszug vom Protokoll der Fachkommission Hochbau von Anfang Mai.

Die überwiegende Mehrheit der Wohnungen besteht aus 2,5 und 3,5 Zimmern. Kritisch steht die Kommission den Eingängen von hinten sowie den Balkons gegenüber. Und die Sichtbarkeit des Klösterlis sei durch das oberste Geschoss beeinträchtigt. Im Protokoll heisst es:

«Der Meinung der Architekten, die Attikawohnung mit grosser Terrasse bilde das Pendant zum Hallenbad mit dem Rutschenturm, wird nicht zugestimmt.»

Wieder mussten die Architekten über die Bücher, weshalb der Block an der Murg in den Plänen neu sechs Etagen aufweist, und der andere fünf.

Zwei Garagen mit 47 Plätzen für Private

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld.

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Die Überbauung soll eine Überleitung sowohl zur Badi als auch zur Stadt hin schaffen. Zu Himmelbergers Eigenheim sei genügend Abstand genommen. Das bestätigt Stadtbaumeister Christof Helbling: «Das öffentliche Recht ist eingehalten.» Zudem bestünde für das sogenannte Flarzhaus aus den 1860er-Jahren keine Gefahr, wenn rundherum alles abgebrochen würde.

Unterirdisch plant die Tobler Verwaltungs AG den Bau zweier separater Tiefgaragen mit 21 respektive 26 Parkplätzen. Sie stehen bloss Privaten zur Verfügung, nicht aber der Öffentlichkeit, nachdem sich die Stadt und die Immobilienfirma nicht gefunden haben.

Baldige Antwort auf Badi-Motion

Als «billigen Weg» und als «quasi nebenbei» bezeichneten Gemeinderäte an der Sitzung vom 16. September die erste Beantwortung des Stadtrates zur Motion «Bau einer Parkierungsanlage im Rahmen der Erneuerung des Hallenbades». Die Antwort auf den Vorstoss von fünf Gemeinderäten im Umfang einer knappen A4-Seite packte der Stadtrat in die ausführliche Botschaft zum Hallenbadneubau, die 86 Seiten lang ist.

Nebst einigen kritischen Voten erlitt der stadträtliche Antrag Schiffbruch, die Motion als gegenstandslos zu betrachten (bei 2 Ja-, 26 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen).

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Bild: Andrea Stalder

Was geschieht jetzt mit der zurückgewiesenen Motion? Für die Gemeinderatssitzung vom 28.Oktober ist sie jedenfalls nicht traktandiert. Der Stadtrat habe die Motion jedoch auf seinem Plan. Fabrizio Hugentobler sagt:

«Die Antwort kommt noch, wenn möglich vor der Abstimmung Ende November.»

Der Departementsvorsteher für Werke, Freizeitanlagen und Sport hat die Ermahnung durch die Rückweisung des Gemeinderates verstanden. «Die kurze Form der Beantwortung wurde nicht goutiert», sagt er und will betonen, dass es in der Botschaft in erster Linie ums Hallenbad und nicht ums Thema Verkehr geht. Hugentobler sagt:

«Das heisst nicht, dass mit dem Hallenbadneubau nicht ein Parkleitsystem oder eine Verbesserung der Parkplatzsituation angestrebt wird.»

Es sei müssig, rückwirkend auf die Frage zu antworten, ob der Stadtrat die Motion hätte ausführlicher beantworten sollen. Am jetzigen Standort des Bades sei der Bau eines Parkhauses kein Thema. «Das hat die Fachjury schon früh gesehen, weshalb ein Parkhaus nicht im Wettbewerb enthalten war», sagt er.

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