Absehbares Minus für die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein

Hitze und Trockenheit setzten auch der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) zu. Weil deren Flotte weniger Fahrgäste transportierte, resultieren weniger Einnahmen und womöglich rote Zahlen. URh-Geschäftsführer Remo Rey sieht aber auch Positives.

Interview: Samuel Koch
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Die MS Schaffhausen der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein bei Schlatt. (Reto Martin)

Die MS Schaffhausen der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein bei Schlatt. (Reto Martin)

Herr Rey, wie lautet Ihr Fazit zur abgelaufenen Saison?

Verhalten positiv.

Trüben die Fahrgastzahlen Ihre Stimmung nicht?

Die definitiven Zahlen liegen noch nicht vor. Im Vergleich zum Vorjahr liegen wir bis Ende September aber rund acht Prozent im Minus.

So verpasst die URh doch ihr Ziel von jährlich 350'000 beförderten Passagieren?

Vermutlich liegt die Zahl schliesslich bei zirka 320'000 Fahrgästen. Bei einem Unternehmen, das fast gänzlich von den Einnahmen der Fahrgäste lebt, könnte das rote Zahlen zur Folge haben. Auf der Einnahmenseite fehlt rund eine Viertelmillion Franken, was leider absehbar war.

URh-Geschäftsführer Remo Rey. (Bild: Andrea Stalder)

URh-Geschäftsführer Remo Rey. (Bild: Andrea Stalder)

Mit einem Verlust kann man nicht zufrieden sein.

Nein. Wir betrachten aber die ganze Saison. Die erste Hälfte bis zur Streckensperrung auf dem Rhein am 23. Juli wegen des tiefen Pegels war gut. Dass die URh vom Wetter als Klumpenrisiko abhängig ist, ist nichts Neues.

Das heisst, dass Sie ab Mitte Juli ohnmächtig haben zuschauen müssen?

Nicht ganz. Das ist auch der Grund für den verhaltenen Optimismus. Im Gegensatz etwa zum meteorologisch ähnlichen Sommer 2015 haben wir dieses Jahr die Kosten viel besser im Griff.

Inwiefern?

Wir konnten während der Saison einzelne Massnahmen ergreifen, um trotz des Wetterpechs finanziell gut dazustehen.

Was meinen Sie damit?

Trotz der Streckensperrung haben wir etwa Rundkursfahrten von Schaffhausen nach Diessenhofen anbieten können, die beliebt waren. Dafür reduzierten wir etwa die nautische Mannschaft von vier auf drei Personen, um die zeitliche Belastung zu reduzieren. Zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein setzten wir erstmals keinen Bus-Ersatz ein, denn der war einerseits bei den Fahrgästen nicht sehr beliebt sowie nachgefragt und kostete andererseits täglich rund tausend Franken. Bei 80 Tagen mit Streckensperrung helfen uns solche Massnahmen, doch beachtlich Geld zu sparen.

Wie kommen solche Entscheide zustande?

Die Geschäftsleitung schlägt die Massnahmen vor. Der Verwaltungsrat war immer informiert, und auch sämtliche Mitarbeitenden setzten wir jeweils über die einzelnen Schritte in Kenntnis. Das trug schliesslich auch intern zu mehr Verständnis bei.

Im Vergleich zum Vorjahr steht den Mitarbeitenden ein eher ruhiger Winter bevor.

Wir fahren weiterhin unsere Spezialkurse wie etwa die Bratenfahrt jeden zweiten Sonntag im Monat. Auf technischer Seite stehen im Gegensatz zum Vorjahr mit der Neumotorisierung der MS Schaffhausen nur kleinere Revisionen an.

Die Mitarbeiter stehen also in der Werft im Einsatz.

Nur bedingt. Wegen der anhaltenden Trockenheit und des weiterhin tiefen Wasserstandes ist es dieses Jahr unmöglich, unsere Schiffe in die Werft zu fahren. Deshalb müssen wir sie allenfalls an verschiedenen Standorten wie etwa in Kreuzlingen, Mannenbach oder Stein am Rhein revidieren. Derzeit sinkt der Pegel noch weiter. Wir hoffen aber auf baldige Besserung, um die Flotte dann doch noch in der Werft in Langwiesen auf die nächste Saison vorzubereiten.

Die zweite Neumotorisierung dank der zinslosen Darlehen der Trägerkantone Thurgau und Schaffhausen ist schon geplant.

Ja. Wir arbeiten derzeit am Vorprojekt und setzen die zweite Neumotorisierung der MS Arenenberg im Winter 2019/20 wieder in der eigenen Werft und mit dem eigenen Personal um.

Danach ist die Flotte grunderneuert und für die Zukunft auf Vordermann?

Grundsätzlich ja, wir haben vor allem auch im Vergleich mit anderen Schweizer Schifffahrtsgesellschaften regelmässig in unsere Flotte investiert. Bis 2023 muss die MS Stein am Rhein als letztes Schiff unserer Flotte noch behindertengerecht umgebaut werden. Ansonsten sind wir à jour. Die ältesten Motoren laufen in der MS Konstanz mit Baujahr 1925.

In Jahren ohne Wetterkapriolen dürften finanziell schwarze Zahlen möglich sein.

Das ist richtig. Wenn wir jährlich 350'000 Fahrgäste transportieren können und nicht wegen Hoch- oder Niedrigwasser unsere Fahrpläne kurzfristig anpassen müssen, liegen Gewinne absolut im Bereich des Machbaren.

So steht einer Rückzahlung der zinslosen Darlehen bis 2030 nichts im Wege?

Definitiv nicht. Das wurde so in der Kalkulation für die Bewilligungen berücksichtigt.

Vergangene Saison legten die Schiffe erstmals an der neuen Haltestelle Bodenseeforum Konstanz an. Mit Erfolg?

Jeden Tag stiegen dort Fahrgäste zu, welche die neue Haltestelle begrüssten. Deshalb können wir damit zufrieden sein.

Gibt es fahrplantechnische Neuerungen hinsichtlich der nächsten Saison?

Nein. Es ist aber kein Geheimnis, dass wir derzeit an einem neuen Fahrplan arbeiten, der aber frühestens auf die Saison 2020 eingeführt wird. Einerseits wollen wir damit zukünftig möglichen Wetterkapriolen entgegenwirken und das Klumpenrisiko minimieren. Andererseits liegt am nördlichen Ufer des Untersees noch einiges Potenzial brach. Mehr kann zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht gesagt werden.

Weitere Infos im Internet unter: www.urh.ch

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