«Das letzte Wort hat das Stimmvolk»: Diessenhofen will mit Liegenschaftskonzept seine geschichtsträchtigen Gebäude unterhalten – oder sie verkaufen

Siegelturm hopp, Rottmühle flopp: Für knapp eine Million Franken unterhält die Stadt Diessenhofen bis ins Jahr 2026 ihre Liegenschaften. Einzelne will sie veräussern.

Samuel Koch
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Die über 200 Jahre alte Holzbrücke über den Rhein bei Diessenhofen.

Die über 200 Jahre alte Holzbrücke über den Rhein bei Diessenhofen.

Bild: Imago Stock&people

Das Obere Amtshaus ist längst in Watte gepackt. Baugerüste umhüllen das städtische Gebäude an der Museumsgasse 11 in Diessenhofen, wo das Ortsmuseum Kunst+Wissen, der Guggenmusikverein und zwei Mietparteien ein- und ausgehen. Das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, das hoch über dem Rhein thront, ist eine von insgesamt 24 städtischen Liegenschaften, die der Diessenhofer Stadtrat in den nächsten sechs Jahren für Gesamtkosten von 936'000 Franken sanieren will.

Enger Austausch mit der Denkmalpflege

Knapp die Hälfte des Geldes hat die Stadt bereits auf einem Liegenschaftskonto geäufnet, wie Stadtpräsident Markus Birk an einem Medientermin am Mittwochvormittag im Rathaussaal erklärt. Er sagt:

Markus Birk, Stadtpräsident Diessenhofen.

Markus Birk, Stadtpräsident Diessenhofen.

Bild: Andrea Stalder
«Die restlichen Kosten verbuchen wir in den Investitionsrechnungen verteilt über die kommenden Jahre.»

Überhaupt erst ins Rollen gebracht hat das jetzige Liegenschaftskonzept die Umstellung aufs Rechnungslegungsmodell HRM2, womit städtische Liegenschaften bewertet und je nach Zweck dem Finanz- oder Verwaltungsvermögen zugeteilt worden sind. Der Stadtrat kümmerte sich in einem fünfköpfigen, breit abgestützten Ausschuss um die Aufnahme und die Begehung der Liegenschaften und beauftragte den Diessenhofer Architekten Erwin Meier mit einer neutralen Beurteilung und einem Kostenvoranschlag für jedes einzelne Objekt. Von einem Nachholbedarf will Birk nicht sprechen.

«Aber wir wollten feststellen, welche Gebäude wie sanierungsbedürftig sind.»

Seither stets in engem Kontakt steht Diessenhofen mit Frauenfeld, mit der dortigen Denkmalpflege. «Der Kanton beteiligt sich teilweise auch finanziell an den Sanierungen», sagt Birk, obschon die exakten Summen noch nicht feststehen.

Markus Birk vor dem eingerüsteten Oberen Amtshaus.

Markus Birk vor dem eingerüsteten Oberen Amtshaus.

Bild: Samuel Koch

Ebenso wenig beziffern kann Birk den Neu- respektive Versicherungswert der einzelnen Liegenschaften. «Das ist für uns nicht relevant», meint er. Der historische Siegelturm als Wahrzeichen inmitten der Altstadt sei möglicherweise zwei Millionen Franken wert. «Aber für Diessenhofen liegt sein Wert viel höher», sagt Birk. Beim Siegelturm etwa stehen Aussen-, Sandstein- und Dachsanierungen an, beim Rathaus die Fassade, beim Rheinbad Rodenbrunnen die Garderoben, die WC und die Duschen.

Geplante Zusammenlegung spielt Objekte frei

Nebst Sanierungen stehen bis 2026 Verkäufe einzelner Objekte zur Diskussion. «Konkrete Summen haben wir noch nicht im Kopf», sagt Birk. Beim Feuerwehrdepot und beim Werkhof steht ein zusammengelegter Neubau schon länger auf dem Plan. Birk sagt:

«Dann müssen wir wissen, was wir mit den alten Gebäuden machen.»

Zwei andere zum Verkauf stehende Liegenschaften sind das Wohnhaus an der Franzosenstrasse oder die Rottmühle in Willisdorf. Die Preisschilder dafür sind ebenso noch unbekannt. Von Millionensegen will Birk nichts wissen, dafür sei es noch zu früh. Und sowieso hat das Stimmvolk das letzte Wort. Birk betont: «Über Verkäufe entscheidet die Gemeindeversammlung.»

Die Rottmühle bei Willisdorf.

Die Rottmühle bei Willisdorf.

Bild: Samuel Koch
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