Das Konstanzer Rosgartenmuseum zeigt «Schätze des Südens»

Das Rosgartenmuseum Konstanz feiert 150 Jahre mit einer Sonderausstellung, ein Buch erzählt seine Entwicklung.

Dieter Langhart
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Die Sonderausstellung «Schätze des Südens» im Konstanzer Rosgartenmuseum zeigt viele sehenswerte Exponate.

Die Sonderausstellung «Schätze des Südens» im Konstanzer Rosgartenmuseum zeigt viele sehenswerte Exponate.

Bild: PD/Rosengartenmuseum

«Schätze des Südens» – die Ausstellung könnte nicht treffender heissen. Raubkunst aus Rom oder Ägypten? Nicht doch, gemeint ist der tiefe Süden Deutschlands, also der Bodenseeraum ennet Kreuzlingen. Und kaum eines seiner Museen hat eine derart umfangreiche Sammlung wie das Rosgartenmuseum: Gemälde und Skulpturen bedeutender süddeutscher Meister, frühe Buchkunst, Arbeiten aus Glas, Gold und Silber, Zeugnisse aus tausend Jahren Geschichte des Bodenseeraums. Zu dem auch wir Thurgauer gehören, wie vergangenen Herbst die Ausstellung «Der gefährliche See» eindrücklich zeigte.

Jetzt also eine Nabelschau im Rosgarten, in diesem originalgetreu erhaltenen Zunfthaus aus dem Spätmittelalter? Mitnichten. Tobias Engelsing wird grundsätzlich: «Wir setzen unseren Bildungsauftrag gegen die Eventkultur», sagt der Direktor der vier städtischen Museen in Konstanz. «Hier ist alles alt. Wir wollen die dingliche Überlieferung bewahren und vermitteln.» Sein Auftrag sei schön, aber auch schwierig.

Ohne Leiner gäbe es das Museum nicht

Natürlich steht die Sammlung im Vordergrund, doch was gezeigt wird, zeichnet ebenso die Geschichte einer Kleinstadt nach am Beispiel des Apothekers Ludwig Leiner – ohne den Spross einer alten, aus dem Sanktgallischen stammenden Patrizierfamilie gäbe es das Museum nicht.

Marmorbüste von Ludwig Leiner.

Marmorbüste von Ludwig Leiner.

Bild: PD/Rosengartenmuseum

Die Städte wollten sich von der Enge des Mittelalters befreien, schleiften Tore, Türme, Schanzen. Sie brachen die Erdgeschosse mit Schaufenstern auf, damit die Waren der beginnenden Konsumgesellschaft sichtbar wurden. Spaziergänger kamen, der Verkehr kam, und die Museen zeigten, wie das alles gekommen war.

Ludwig Leiner war ein Liberaler, ein kämpferischer Fortschrittsgeist. Er lehnte die Revolution ab und stemmte sich gegen die Zerstörung des historischen Stadtbildes. Und sammelte deren Hinterlassenschaften.

Hochzeitsschränkchen 1580 bis 1600.

Hochzeitsschränkchen 1580 bis 1600.

Bild: PD/Rosengartenmuseum

Leiner zog mit dem Leiterwagen los und rettete gotische Skulpturen, Chroniken, Waffen, Mobiliar vor dem Untergang. Darunter auch der Sessel, auf dem König Sigismund während des Konzils in Konstanz gesessen haben soll.

Leinersaal um 1900.

Leinersaal um 1900.

Bild: PD/Rosengartenmuseum
Leinersaal heute.

Leinersaal heute.

Bild: PD/Rosengartenmuseum

Leiner zog los und sammelte, vom Pfahlbaufieber der Zeit angesteckt, Ausstellungsgut, darunter die inzwischen weltbekannten Rentier-Ritzzeichnungen aus dem Kesslerloch im Schaffhausischen. Der Liberale Leiner hatte zwei Seelen: Er gehörte zum Kreis der Initianten zur Gründung eines Kunstvereins, aber auch zur Bewegung, die nach dem Konzil 1870 eine alt-katholische Gemeinde gründete, die in Konstanz bis heute besteht. Im gleichen Jahre gründete er seine «Altertumshalle», bald kamen gekrönte Häupter nach Konstanz und die besten Forscher der Zeit und bestaunten die Funde; 1872 stiftete er seine Sammlungen dem zwei Jahre davor gegründeten Museum.

Museum wurde zum familiären Erbfall

1901 starb Ludwig, das Rosgartenmuseum wurde zum familiären Erbfall. Und nach den Goldenen Zwanzigern kamen die Nazis. Enkel Bruno lehnte zwar den Nationalsozialismus ab, beging aber laut Engelsing «Unterwürfigkeiten». Die Letzte in der Erbfolge der Familie war zugleich die erste Frau an der Spitze des Rosgartenmuseums: Sigrid von Blanckenhagen, Bruno Leiners Tochter. Sie war zäh, sie stritt gegen «eine Frau kann das nicht», sie wurde erstmals bezahlt, sie machte aus dem Rosgarten ein Mehrspartenhaus.

Und dank der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Rosgartenmuseums können ramponierte Exponate restauriert werden – auch für diese Ausstellung, die eben nicht nur die Museumsgeschichte nacherzählt, sondern mit ausgewählten Exponaten einen Haufen Geschichten erzählt.

Schätze des Südens: Rosgartenmuseum Konstanz, bis 11.4.2021; Tobias Engelsing: «Leiners Erben. Biografie eines Lebens», Südverlag Konstanz 2020

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