Das Kloster Fischingen saniert die Bibliothek. Zwei Wochen dauerte es, die Bücher auszuräumen.

Die Gesamterneuerung der Bibliothek des Hinterthurgauer Klosters kostet rund 1,4 Millionen Franken.

Christoph Heer
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Unter der barocken Decke: Klosterdirektor Werner Ibig zeigt Interessierten die Baustelle in der Klosterbibliothek.

Unter der barocken Decke: Klosterdirektor Werner Ibig zeigt Interessierten die Baustelle in der Klosterbibliothek.

(Bild: Chrstoph Heer)

Die Möglichkeit, die Fischinger Klosterbibliothek als Baustelle zu erleben, dürfte für zwei Generationen einmalig sein. Beeindruckende Stuckaturen an der Decke gibt es zu bewundern – in acht Metern Höhe. Gross ist das Interesse an der ersten öffentlichen Führung mit Klosterdirektor Werner Ibig. Am Silvestermorgen sind es über 20 Teilnehmer, die sich für das Bauwerk und deren Sanierung interessieren. Zweimal noch stehen die Türen der Bibliothek diese Woche für Führungen offen.

Die Baukosten in Höhe von rund 1,4 Millionen Franken werden von privaten Spenden, Beiträgen von Stiftungen und einem Zustupf für die denkmalpflegerischen Massnahmen finanziert. Die Deckung der Restkosten erfolgt via Baufonds des Vereins Kloster Fischingen.

Die Decke muss gesichert werden

Werner Ibig erklärt: «Natürlich erfolgt die ganze Restaurierung nach denkmalpflegerischen Grundsätzen, die sich an restauratorischen Analysen und an den Vorbildern in anderen Räumen des Klosters orientieren. Das Hauptaugenmerk liegt dabei ganz klar auf der Sicherung der Decke.»

Die farbliche Integration des Galeriegeländers, eine zurückhaltende Auffrischung des Holzwerks, die Neumöblierung, Optimierung der Beleuchtung und das Erstellen eines Notausgangs seien weitere Herausforderungen. Ehe die Fachleute loslegen konnten, mussten zwei Wochen lang Bücher ausgeräumt und acht Tonnen Gerüst aufgebaut werden. Ibig sagt:

«Die Bibliothek ist wohl der wichtigste Raum eines Klosters.»

Die Gesamterneuerung bildet den Unterhalt, welcher alle 30 bis 50 Jahre nötig ist. Ibig betont, dass man die Spuren des Lebens weiterhin sehen darf. «So wird etwa das Holz niemals abgeschliffen, lediglich gewaschen und eingeölt.»

Schönheit vor Stabilität

In barocken Bauten wurde – und wird – der Fokus vor allem auf die Ästhetik gelegt. «Die gewölbte Deckenschale ist ein kühnes barockes Kunstwerk, welches den Dachstuhl schwächt. Ganz nach dem barocken Motto: ‹Schönheit vor Stabilität›. Und trotzdem weist das ganze System bis heute eine beeindruckende Stabilität auf», sagt Ibig.

Es sind an diesem Morgen Interessierte aus der ganzen Schweiz, die sich vom Klosterdirektor informieren lassen. Aus dem Kanton Waadt, aus Zofingen oder Affeltrangen, sind sie angereist. Einige sind vom Fach und wissen, wie sorgfältig hier gearbeitet werden muss.

Hinweis:
Weitere Führungen durch die Klosterbibliothek: Dienstag,
7. Januar, 19 Uhr, und am Samstag, 11. Januar, 10 Uhr.

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