Das Jahr machte sie zur richtigen Frauenfelderin: Barbara Dätwyler tritt als Gemeinderatspräsidentin ab

Barbara Dätwyler ist scheidende Gemeinderatspräsidentin. Eindrückliche Begegnungen sind der SP-Politikerin in Erinnerung geblieben. Das höchste politische Ehrenamt der Stadt war gut vereinbar mit ihrer Familie. Einzig ihr Job in der Pflege hat darunter gelitten.

Mathias Frei
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Die abtretende Gemeinderatspräsidentin Barbara Dätwyler. (Bild: Donato Caspari)

Die abtretende Gemeinderatspräsidentin Barbara Dätwyler. (Bild: Donato Caspari)

Folgenschwere zwölf Monate hat Barbara Dätwyler hinter sich – aber folgenschwer im Positiven. Zuerst das Amt der höchsten Frauenfelderin, kurz darauf das Nachrücken in den Grossen Rat und vergangenen Februar dann die Wahl in den Stadtrat. Das Präsidiumsjahr im Stadtparlament geht für die SP-Politikerin nun zu Ende.

«Ich habe Frauenfeld noch besser und von einer anderen Seite kennen gelernt.»

Das sagt Dätwyler. Die besuchten Anlässe habe sie nicht gezählt. Aber es waren einige. Grad an Wochenenden sah man die Gemeinderatspräsidentin oft in Begleitung ihres Ehemanns und der beiden schulpflichtigen Söhnen. «Wenn man Familie hat, muss man sich arrangieren.» Das habe sehr gut funktioniert, zieht sie Bilanz.

Stadtrats-Wahlplakate fanden Söhne peinlich

Ihre Söhne hätten den Plausch gehabt. Die beiden hätten sie auch immer wieder zu Politik befragt, das habe sie offenbar interessiert.

«Zum Open Air konnten Sämi und Max sogar noch Freunde mitnehmen.»

Nur die von anderen Besuchern konsumierten, etwas speziellen Raucherwaren auf der VIP-Tribüne hätten den Buben gestunken. Und als ihre Mutter dann im Stadtratswahlkampf an allen Ecken auf den Plakaten zu sehen war, fanden es die beiden Dätwyler-Söhne schon ein wenig peinlich.

Für die 44-Jährige werden die vielen Begegnungen in Erinnerung bleiben. «Eindrücklich war, wie viele Vereine es in der Stadt Frauenfeld, zum Beispiel in Sachen Musik, schaffen.» Auch viele Sportveranstaltungen standen in ihrem Terminkalender.

«Faszinierend waren die militärischen Anlässe. Eine mir zuvor unbekannte Welt. Das hat mir gezeigt, dass die Armee für Frauenfeld wichtig ist.»

Es sei ein Jahr der Apéros gewesen, zum Geniessen, sagt sie. Sie bereue es in keinster Weise.

Oft sei dabei ihr Berner Dialekt Türöffner gewesen. «So hatte man gleich ein Gesprächsthema. Eine gebürtige Burgdorferin, die stolz ist, die Stadt Frauenfeld zu repräsentieren.» Dabei machte sich Dätwyler auch den Ruf der Biergeniesserin. So bekam sie zum Legislaturabschluss im Gemeinderat von SP-Fraktionspräsident Pascal Frey eine Dose Bier geschenkt.

«Bei einem Anlass hatte ich gefragt, ob ich statt Wein auch ein Bier bekommen könnte. Danach machte das wohl die Runde.»

Das Drohen mit der Peitsche hat gereicht

Die viel zitierte Peitsche habe sie nie ausgepackt. «Aber ab und zu musste ich damit drohen.» Laut wurde Dätwyler nur einmal: Als ihr der Stadtrat in eine Gemeinderats-Traktandenliste gefunkt hatte. Das Festsetzen der Traktanden obliegt nämlich dem Ratspräsidium. Aber das war nur einmal. Was nachhaltig nicht funktionierte, war die Vereinbarkeit mit ihrer Arbeit in der Pflege, vor allem mit Schichtbetrieb. Anfang 2019 hat sie ihre Stelle am Kantonsspital Münsterlingen gekündigt.

«Die Arbeit in der Pflege bleibt eine Herzensangelegenheit. Aber ich bin halt auch eine Vollblutpolitikerin.»

Als Stadträtin, im Grossen Rat und als Präsidentin des Berufsverbandes Pflege Ostschweiz wird es ihr definitiv nicht langweilig.

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