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Interview

Das «italienische Tüfeli» : Antonio Mente aus Weinfelden im Interview

Seine Mutter würde ihn als Dickkopf bezeichnen. Der Halbvegetarier liebt Tiere und würde gerne armen Menschen helfen. Er träumt von einer Reise nach New York. Nur fehlt ihm dafür bislang die Zeit.
Janine Bollhalder
Antonio Mente in seiner Werkstatt: Er ist ein Familienmensch und liebt Tiere, das Gärtnern und italienischen Rotwein. (Bilder: Donato Caspari)

Antonio Mente in seiner Werkstatt: Er ist ein Familienmensch und liebt Tiere, das Gärtnern und italienischen Rotwein. (Bilder: Donato Caspari)

Was hat Sie in der letzten Woche besonders beschäftigt?

Die Arbeit. Es ist inzwischen eine tägliche Routine.

Warum wohnen Sie in ­Weinfelden?

Vor 52 Jahren bin ich in die Schweiz gekommen. Ich war damals 16 Jahre alt. Sieben Jahre später habe ich meine Frau kennen gelernt. Und für sie bin ich noch da. Es ist zwar sehr schön hier, aber trotzdem habe ich immer Heimweh.

Haben Sie einen Lieblingsort im Thurgau?

Weinfelden ist für mich ideal. Mein Schuhladen ist hier und die Kundschaft vertraut mir. Alles stimmt natürlich nie. Aber in Weinfelden stimmt fast alles für mich. Sonst wäre ich nicht mehr hier.

Was lieben Sie am Frühling?

Ich kann wieder meinem Hobby nachgehen: gärtnern. Abends, nachdem ich unzählige Schuhe und auch Taschen repariert und verkauft habe, gehe ich in den Garten. Dort pflanze ich Gemüse an.

Was machen Sie, um gesund zu bleiben?

Ich esse viel Gemüse – am liebsten Tomaten und Pepperoni. Ich esse sehr wenig Fleisch. Ich bin fast Vegetarier. Es tut mir leid, wenn Tiere sterben müssen, nur damit ich sie essen kann. Ich habe ja selbst Tiere. Und mit der Hündin Tanja gehe ich viel spazieren.

Können Sie kochen?

Ja, ich koche viel. Ganz spontane Rezepte. Aber vor allem Teigwaren. Sonntags oft für die ganze Familie. Das sind zehn Personen! Meine Frau hilft mir dann aber.

Welches ist ihre liebste Glace-Sorte?

Ich esse nicht oft Glace. In Italien mag ich aber Zitrone. Immer im Glas und ohne Schlagrahm. Italienische Glace ist die Beste. Aber grundsätzlich esse ich sehr wenig Süsswaren. Wenn, dann Erdbeertörtli. Sonst bevorzuge ich Pasta – ich liebe Tomatensauce.

Was haben Sie als Kind am liebsten gegessen?

Das kann ich nicht sagen. Wir hatten sehr wenig zu essen in meiner Kindheit. Fast Nichts. Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen. Ohne Vater, aber zusammen mit meinen vier Brüdern. Es gab dann halt das, was auf den Tisch kam. Wir hatten keine Auswahl.

Was haben Sie zuletzt in ­Konstanz gekauft?

Ich kaufe nicht in Konstanz ein. Die Bewohner von Weinfeldern unterstützen mich und daher unterstütze ich die Weinfelder auch. In Konstanz flaniere ich nur.

Die beste App auf Ihrem Handy?

Mein Handy hat keine Apps. Ich habe ein Samsung mit Tasten. Ich verstehe diese elektronischen Geräte nicht.

Zur Person

Antonio Mente ist in Italien aufgewachsen. Er ist als 16-jähriger in die Schweiz gekommen und führt heute eine Schuhmacherei in Weinfelden. Er liebt seine Arbeit, obwohl sie fast seine ganze Zeit einnimmt. Die besten Schuhe sind in seinen Augen natürlich italienische. Mit seiner Gattin ist er seit 42 Jahren verheiratet und er hat sechs Kinder.

Was ist Ihr gefühltes Alter?

So alt wie ich bin: 68. Ich bin fit und gesund, warum sollte ich ein anderes Alter fühlen?

Erzählen Sie uns von Ihrem Haustier.

Ich habe zwei Kanarienvögel. Meine Enkel haben sie Bubi und Bobi getauft. Und wir haben eine neunjährige Hündin namens Tanja. Zu Hause haben wir ausserdem noch zwei Fische in einem kleinen Teich.

Haben Sie ein Lieblingstier?

Ich mag alle Tiere. Darum esse ich kein Fleisch – sie tun mir leid. Aber natürlich mag ich Hunde lieber als Spinnen. Und ich bin eher Hunde- als Katzenmensch.

Was nehmen Sie immer mit, wenn Sie aus dem Haus gehen?

Seit fünf Jahren keine Zigaretten mehr!

Wonach schmeckt Glück?

Ich kann nicht sagen, wonach Glück schmeckt. Für mich ist Glück, gesund zu sein. Vor fünf Jahren hatte ich eine Operation, weil ich Darmkrebs hatte. Es ist alles gut gegangen und ich hatte einen tollen Arzt. Darum hat Glück für mich auch keinen Geschmack. Glück ist, zu leben und gesund zu sein.

Ihr erster Traumberuf war ...?

Schuhmacher. Und das ist er auch noch heute.

Haben Sie ein Vorbild?

Meine Mutter. Sie hat fünf Kinder alleine grossgezogen. Das bewundere ich sehr und möchte es ihr gleichtun. Sie hat es sehr gut gemacht.

Was schätzen Sie an Ihrer Partnerin?

Alles. Seit 42 Jahren sind wir verheiratet und haben zusammen sechs tolle Kinder grossgezogen. Und sie unterstützt mich immer bei der Arbeit.

Mit wem würden Sie gerne einmal eine Flasche Wein trinken?

Mit all jenen, die mich nicht mögen.

Der Schumacher Antonio Mentes übt seinen Traumjob aus.

Der Schumacher Antonio Mentes übt seinen Traumjob aus.

Was möchten Sie unter allen Umständen in diesem Leben noch machen?

Eigentlich habe ich alles, was ich je machen wollte, schon erlebt. Aber etwas gibt es da doch noch: Ich würde liebend gerne nach New York reisen und einen Freund besuchen. Aber ich habe nie Zeit ...

Was finden Sie gut an sich?

Dass ich gesund bin. Das ist unheimlich wichtig für mich.

Wenn Geld kein Problem wäre, welches Auto würden Sie sich kaufen?

Ich würde mir kein Auto oder sonst etwas kaufen. Ich würde mit dem vielen Geld den armen Leuten helfen – und den Tieren sowieso. Aber wenn ich etwas kaufen würde, dann ein Ticket für ein Spiel der AS Roma.

Was würde Ihre Mutter über Sie sagen?

Dass ich ein Dickkopf bin. Sie hätte wahrscheinlich nie gedacht, dass ich es soweit schaffe und eines Tages einen eigenen Schuhladen in der Schweiz führe.

Wann können Sie ruhig ­einschlafen?

Ruhig einschlafen kann ich nach dem Brand kaum – mein Haus hat das Feuer kurz vor Weihnachten 2016 total zerstört. Das ist der Schock meines Lebens gewesen. Zum Entspannen schaue ich die Tagesschau und verbringe Zeit mit meiner Familie.

Was ist Ihr heimliches Hobby?

Gärtnern und Wein degustieren. Am liebsten mag ich italienischen Rotwein.

Unter welchem Spitznamen kennen Ihre Freunde Sie?

Früher nannte man mich «Tüfeli», weil ich lange schwarze Haare und einen schwarzen Schnauzer hatte. Heute habe ich keinen Spitznamen mehr.

Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?

Nur mein Name. Das genügt.

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