«Das ist keine Salamitaktik»: Der Frauenfelder Stadtrat plant die zweite grössere Stellenaufstockung in der Verwaltung innert Jahresfrist

Der Stadtrat will kommendes Jahr 4,6 neue Vollzeitstellen schaffen. Schon im Budget 2020 sind 5,8 neue Stellen enthalten. Die Anpassungen im Stellenplan seien notwendig, die Gründe dafür nachvollziehbar, sagt Stadtpräsident Anders Stokholm.

Mathias Frei
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Das Rathaus Frauenfeld.

Das Rathaus Frauenfeld.

(Bild: Donato Caspari)

5,8 und 4,6: Das ist keine missglückte Lottozahlenziehung, sondern der Nettozuwachs an städtischen Vollzeitstellen in den Budgets 2020 und 2021. Also 580 Stellenprozente mehr im laufenden Jahr sowie 460 Stellenprozente im Budget 2021. Das ist die zweite grössere Aufstockung im Stellenplan innert Jahresfrist. Der Stellenplan der Stadtverwaltung (also ohne Alterszentrum und Thurplus) steigt von 207,85 auf 212,45 Stellen an.

«Ich bin mir im Klaren, dass diese Entwicklung kritisch beobachtet wird.»
Stadtpräsident Anders Stokholm kürzlich an der Budgetpräsentation.

Stadtpräsident Anders Stokholm kürzlich an der Budgetpräsentation.

(Bild: Andrea Stalder)

Das sagt Stadtpräsident Anders Stokholm zu diesem Umstand. Aber bereits im Stadtrat finde diese kritische Betrachtung von Stellenplananpassungen statt, versichert er. «Dem Stadtrat ist es wichtig, die Verwaltung nicht aufzublähen. Wir wollen keinen Wasserkopf bilden.» Die Aufstockung im Budget 2020 jedenfalls ist im Gemeinderat ziemlich glatt durchgegangen. Kleine Erhöhungen in den Vorjahren hatten auch nie Probleme im Stadtparlament.

In der Budgetbotschaft heisst es: «Die Arbeitssituation in einigen Bereichen ist stark angespannt, sodass zur Bewältigung der Aufgaben punktuelle Anpassungen des Stellenplans erforderlich sind.» Weshalb es diese Aufstockung brauche, sei in jedem einzelnen Fall klar und nachvollziehbar begründet, sagt der Stadtpräsident.

«Die Anpassungen sind notwendig.»

Dies sei einerseits im stetigen Bevölkerungswachstum begründet. Andererseits würden auch die Ansprüche an die Aufgabenerfüllung zunehmen, was zu einer steigenden Komplexität führe, erklärt Stokholm.

«Für 2022 keine Anpassungen bekannt»

Der Stadtpräsident verwehrt sich gegen einen Vorwurf, der aus dem Gemeinderat kommen könnte: «Wir wenden keine Salamitaktik an.» Es sei nicht so, dass sich der Stadtrat beim Stellenplan im Budget 2020 zurückgehalten habe. Eine Aufstockung werde erst dann budgetiert, wenn sie dringlich sei.

«Für das Jahr 2022 sind mir jedenfalls keine grösseren Anpassungen bekannt.»

Dass der Personalaufwand der Stadtverwaltung von 22,9 (Budget 20) auf 23,95 Millionen Franken (Budget 21) steigt, habe damit zu tun, dass die neuen Stellen erst auf Mitte 2020 geplant waren. Die vollen Lohnkosten fallen also 2021 erstmals an.

Keine individuellen Lohnanpassungen

Für 2021 setzt der Stadtrat die Anpassung des Leistungslohnes aus. «Es wäre der falsche Zeitpunkt, zu agieren, als wäre nichts gewesen», erklärte Stadtpräsident Anders Stokholm an der Budgetpräsentation. Auch beim Kanton und in Städten wie Schaffhausen oder St. Gallen ist laut Stokholm eine Nullrunde angesagt. Die individuellen Lohnanpassungen seien aber lediglich ausgesetzt. Üblicherweise budgetiert der Stadtrat dafür jeweils 0,65 Prozent der gesamten Lohnsumme. Das wären 2021 rund 120'000 Franken. Der Erfahrungszuschlag und die Leistungsprämie werden aber ausgezahlt. (ma)

Die Aufstockungen betreffen mehrere Verwaltungsbereiche. Im Personalamt musste bereits temporär um 80 Prozent erhöht werden. Nun soll die neue Stelle definitiv werden. Wie Stokholm sagt, war die Aufstockung schon vor einem Jahr im Stadtrat bekannt, ins Budget 2020 hat sie es aber knapp nicht mehr geschafft. Bei den Einwohnerdiensten ist eine 100-Prozent-­Stelle mehr geplant. Weiter soll es im Amt für Kommunikation und Wirtschaftsförderung 40 Stellenprozente mehr geben.

Eine Aufstockung von 20 Prozent ist in der Lohnbuchhaltung des Finanzamtes vorgesehen. Das Amt für Hochbau und Stadtplanung soll anderthalb Vollzeitstellen mehr zugesprochen bekommen. Zudem sind bei den Sozialen Diensten zwei Aufstockungen geplant: plus 50 Prozent für Sozialhilfe und Beratung sowie plus 20 Prozent für das Alimenteninkasso. Dazu heisst es in der Botschaft, dank dem intensivierten Inkasso könnten diese Mehrausgaben refinanziert werden.

«Es wird sogar ein Mehrertrag erwartet.»