Das Gemeinsam-Glücklich-Lesen vor dem Frauenfelder Bücherfest

Bei «Frauenfeld liest ein Buch» gibt es neu «Shared Reading»-Runden. Niederschwelliger geht Leselust nicht.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
So könnte ein Shared-Reading-Anlass aussehen: Mitarbeiter der Kantonsbibliothek lesen fürs Bild.

So könnte ein Shared-Reading-Anlass aussehen: Mitarbeiter der Kantonsbibliothek lesen fürs Bild.

(Bild: Reto Martin)

Die Idee dahinter ist einfach, aber bestechend. Gemeinsames Lesen wirkt Wunder. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Das soll auch den Frauenfelder Bücherwürmern im Rahmen von «Frauenfeld liest ein Buch» zugutekommen. Laut dem «Centre for research into Reading, Literature and Society» an der Universität Liverpool wirkt sich «Shared Reading» positiv aus auf das persönliche Wohlbefinden, macht zufrieden und kommunikativ.

Die Frauenfeld-liest-ein-Buch-Autorin Simone Lappert.

Die Frauenfeld-liest-ein-Buch-Autorin Simone Lappert.

(Bild: Ayse Yavas)

Niederschwelliger könnte der Zugang zu einem Text nicht sein, in diesem Fall eben zu Simone Lapperts «Der Sprung». Bei Bibliosuisse, dem nationalen Verband der Bibliotheken, heisst es, «Shared Reading» sei «weder Therapie oder Medizin noch Buchclub oder ambitionierter Literaturkreis». Vielmehr sei es eine Methode, unangestrengt «die wohltuende Wirkung von Literatur» zu fördern.

Gewissermassen ein literarisches Anfixen

Lukas Hefti, seitens Kantonsbibliothek im Bücherfest-OK, sagt: «Wer zuhört, gehört dazu.» In einem strukturierten, moderierten Rahmen über 90 Minuten und mit maximal 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hört man zu, wie eine Textpassage vorgelesen wird, oder liest selber vor.

«Man braucht kein Vorwissen, nicht einmal den Text. Den geben wir ab.»

Das sagt Hefti. «Shared Reading» ist deshalb ideal für Leute, die mit Lapperts Roman noch nicht angefangen haben und sich so Lust machen wollen für die Lektüre, in der Werbesprache würde man von einem Teaser sprechen. Oder auch: Anfixen.

Drittes Bücherfest vom 5. bis 7. Juni

Auch für die dritte Ausgabe des Frauenfelder Bücherfests, das von Freitag bis Sonntag, 5. bis 7. Juni, über die Bühne geht, gibt es wieder ein kollektives Aufwärmprogramm. Im Zentrum der diesjährigen Aktion «Frauenfeld liest ein Buch» steht Simone Lapperts zweiter Roman «Der Sprung». Erste Autoren aus dem Festivalprogramm sind bereits bekannt. So sind unter anderem Pascale Kramer, Michael Kumpfmüller und Uwe Timm zu sehen. Zudem feiert die erste Publikation des Saatgut-Verlags, ein Kinder-Kunstbuch von Willi Tobler, Vernissage. (ma)

Hefti, der selber bereits zweimal an «Shared Reading»-Anlässen teilgenommen hat, sagt:

«Es bedingt lediglich die Bereitschaft, sich auf das Erlebnis einzulassen.»
Lukas Hefti, seitens Kantonsbibliothek Bücherfest-OK-Mitglied.

Lukas Hefti, seitens Kantonsbibliothek Bücherfest-OK-Mitglied.

(Bild: Reto Martin)

In einer Wohlfühlatmosphäre mit Guetzli und Getränken wird explizit über das gesprochen, was zuvor gemeinsam gelesen respektive gehört worden ist. Literaturwissenschaftlich ist es also eine textimmanente Diskussion, man bleibt im Text. Es geht nicht um Textinterpretation, Einordnung in eine literarische Gattung oder um den Kontext der Autorenschaft. Die Moderation – in Frauenfeld Barbara Gerber, eine von 15 Schweizer «Shared Reading»-Moderatoren – ist Türöffner zum Text, hat zu lesende Textpassagen ausgewählt und gibt unterschiedliche Inputs als Zugang zum Text. In den letzten zehn Minuten eines solchen Anlasses befasst man sich mit einem Gedicht, das in einem Zusammenhang mit dem zuvor behandelten Text steht.

«Das Gedicht ist gewissermassen der Käse, der den Magen schliesst.»

Abrundung und Abschluss in einem Moment, in dem die Teilnehmer wach und offen sind, wie es Hefti erklärt. «Die Bibliothek ist einer der letzten Orte, wo man nichts muss, aber alles kann. Bei ‹Shared Reading› ist es nämlich genauso.»

«Shared Reading»: Sa, 7.März, 18.April und 16.Mai, 10.30 bis 12 Uhr, Kantonsbibliothek. Anmeldung: kantonsbibliothek@tg.ch oder 058'345'69'00.

Weitere Informationen: www.buecherfest.ch

Mehr zum Thema:

Frauenfelder Bücherfest: Er kann sich nicht beklagen

Der literarische Tausendsassa Michael Stauffer stellt am Freitag am Bücherfest 499 Lebensweisheiten vor. Er ist in der Thurgauer Kantonshauptstadt aufgewachsen, als noch alles anders war. Heute lebt er in Biel.
Mathias Frei