Glosse
Das Frauenfelder Rathaus lassen wir uns nicht nehmen

Warum der alte Kantonsspital und das neue Hallenbad keine Alternative als Sitz der Frauenfelder Stadtverwaltung sind.

Stefan Hilzinger
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Das Rathaus Frauenfeld gehört der Bürgergemeinde. Die Stadt mietet das historische Gebäude als ihren Regierungs- und Verwaltungssitz.

Das Rathaus Frauenfeld gehört der Bürgergemeinde. Die Stadt mietet das historische Gebäude als ihren Regierungs- und Verwaltungssitz.

(Bild: Donato Caspari)

Das wäre ja noch schöner! Jetzt hat der Frauenfelder Stadtrat sich doch tatsächlich überlegt, den Mietvertrag mit der Bürgergemeinde zu kündigen und aus dem Rathaus auszuziehen. «Balance» heisst das langfristige Projekt der Stadtobern, um die Stadtkasse zu gesunden, und zwar entweder a) durch Mehreinnahmen oder b) durch Minderausgaben.

Redaktor Stefan Hilzinger.

Redaktor Stefan Hilzinger.

Reto Martin

Ein Auszug der Stadtverwaltung aus dem Rathaus hätte vielleicht den Stadthaushalt ein Spürchen mehr ins Gleichgewicht gebracht. Schliesslich bezahlt der Kanton rund 100 Franken weniger Miete pro Quadratmeter Bürofläche als die Stadt im Rathaus. Doch die Seele der Stadt wäre durch diesen Exodus garantiert aus der Balance geraten. Eine Stadt wie Frauenfeld ohne ein halbwegs repräsentatives «Hôtel de ville»? Undenkbar.

Wohin hätten Stokholm und Konsorten denn umziehen sollen? Gut, man hätte den alten Spitalturm stehenlassen und umnutzen können, statt ihn nun im Herbst abzureissen. Dann wäre die Stadtregierung sogar zu einem eigenen Helikopterlandeplatz gekommen. Oder der Stadtrat hätte das Projekt für ein neues Hallenbad umfunktionieren und daraus ein neues Rathaus mit eigenem Swimmingpool machen können. Das wäre sicher gut für die langfristige Work-Life-Balance von Stadtrat und städtischem Personal.

Doch zum guten Glück hat der Stadtrat bei Rieser & Vetter noch keine Zügelschachteln bestellt, sondern gemerkt, dass das Rathaus nicht nur einen Preis, sondern auch einen Wert hat. Repräsentativität sei doch wichtiger als ein allfälliger Effizienzgewinn. Und so ist die Stadt jetzt auch bereit für den nächsten Schritt: Denn sollte das Historische Museum in einen Neubau auf dem Oberen Mätteli ziehen (oder meinetwegen halt in den Oberthurgau), so kann die Stadt sich für die verstreuten Teile der Verwaltung im Schloss einmieten.