Das Frauenfelder Rathaus bleibt im Rathaus

Die Idee der Stadt Frauenfelder, den Rathaus-Mietvertrag mit der Bürgergemeinde zu künden, ist zwar vom Tisch. Doch das Thema einer räumlichen Reorganisation der Verwaltung bleibt.

Mathias Frei
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Das Frauenfelder Rathaus befindet sich im Besitz der Bürgergemeinde. Die Stadt ist eingemietet.

Das Frauenfelder Rathaus befindet sich im Besitz der Bürgergemeinde. Die Stadt ist eingemietet.

Bild: Donato Caspari

Das wäre irgendwie närrisch: wenn die Stadtverwaltung nicht mehr im Rathaus wäre. Da fragt man sich doch: Was soll im Rathaus sein, wenn nicht mehr das Rathaus dort ist? So realitätsfremd einem diese Idee erscheinen mag: Im Rahmen des Haushaltgleichgewicht-Projektes Balance hat sich der Stadtrat damit befasst, den aktuell bis 2025 laufenden Rathaus-Mietvertrag mit der Bürgergemeinde aufzukünden.

Bis zu 150'000 Franken sparen?

Konkret handelt es sich um Balance-Massnahme Nummer 6, wie der Beantwortung der Interpellation «Projekt Balance» der CH-Gemeinderäte Peter Hausammann und Heinrich Christ zu entnehmen ist. 

Demnach hätte eine Kündigung Sparpotenzial von 150'000 Franken pro Jahr. Zusätzlich würde der Unterhalt von 80'000 Franken wegfallen. Unter «Bemerkungen» ist zu lesen: «Als nicht realistisch abgeschrieben.» Stadtpräsident Anders Stokholm sagt:

«Ja, wir haben diese Massnahme evaluiert, sind aber schnell zum Schluss gekommen, dass wir davon absehen.»

Die städtischen Amtsstellen konzentrieren sich mit Ausnahme des Alterszentrums Park und der Werkbetriebe sowie des Werkhofs auf die Innenstadt zwischen Casino und Feuerwehrdepot. Mehrheitlich ist die Verwaltung in stadteigenen Liegenschaften untergebracht. Das Rathaus ist beispielsweise ein Mietobjekt, es gehört der Frauenfelder Bürgergemeinde.

Stadtpräsident Ander Stokholm.

Stadtpräsident Ander Stokholm.

(Bild: PD)

Höhere Miete pro Fläche als beim Kanton

Im Rahmen einer allgemeinen Überprüfung der Mietverhältnisse habe man festgestellt, dass die Miete pro Quadratmeter «verhältnismässig hoch» sei, sagt Stokholm. «Vom Keller bis zum Estrich sind es durchschnittlich 300 Franken.» Bei der kantonalen Verwaltung betrage der Quadratmeterpreis bei Mietobjekten 200 Franken. Der höhere Quadratmeter hänge natürlich auch mit dem Raumprogramm des Rathauses zusammen, sagt Stokholm. Sprich: viele Gänge und Raumgrössen, die für eine Büronutzung nicht ganz optimal sind.

«Wir haben deshalb den Aspekt der Repräsentativität der Effizienz, auch in finanzieller Hinsicht, gegenübergestellt – und ersteres höher bewertet.» Der Stadtrat sei der Meinung, dass gerade in der Kantonshauptstadt die Stadtverwaltung in einem repräsentativen Gebäude beheimatet sein dürfe, das zentral und deshalb bürgerfreundlich gelegen sein müsse.

Konzentration der Verwaltung brächte Vorteile

Langfristig könnte aber eine räumliche Reorganisation der Stadtverwaltung ein Thema bleiben. Stokholm sagt: «Es kann sinnvoll sein, einen Grossteil der Verwaltung auf einen Standort zu konzentrieren.» In diese Richtung ging 2016 eine Interpellation der CVP-Gemeinderäte Stefan Geiges und Susanna Dreyer sowie von alt Gemeinderat Andreas Elliker (SVP) betreffend Stadtkaserne als Verwaltungsgebäude. So konkret will Stokholm nicht werden.

Wenn es aber darum gehe, die ämter- und departementsübergreifende Zusammenarbeiten ins Zentrum zu rücken, und die Effizienz zu steigern, sei es wert, sich darüber Gedanken zu machen. «Heute gilt das Silodenken als überholt.» Auf jeden Fall wäre eine Überprüfung und Entwicklung der räumlichen Anordnung der Stadtverwaltung ein Thema im Nachgang der städtischen Liegenschaftsstrategie. 

Ob ein solches Projekt angegangen werden soll, werde sich bis Ende der laufenden Legislatur klären. «Konkret werden würde es erst in der kommenden Legislatur», sagt Stadtpräsident Stokholm.

Titus Moser, Bürgerpräsident

Titus Moser, Bürgerpräsident

(Bild. Stefan Hilzinger)

Für Titus Moser, Präsident der Bürgergemeinde Frauenfeld und damit Vermieter des Rathauses, ist es legitim, dass sich der Stadtrat im Rahmen von «Balance» Gedanken über Sparpotenzial und Effizienzsteigerung macht. Die Stadt sei sich bewusst, was sie am Standort Rathaus habe:

«Und für die Bürgergemeinde ist und bleibt die Stadt eine sehr gute Mieterin.»

Moser spricht von einer befruchtenden Zusammenarbeit zwischen Stadt und Bürgergemeinde. «Wir unterstützen die Stadt gerne, wo wir können.»

Frauenfelder Stadtrat bringt erstmals Details zum Sparprogramm Balance ans Licht

Der Stadtrat veröffentlicht dank einer Interpellation erstmals detaillierte Angaben zu den 25 Massnahmen aus dem ersten Teil des Haushaltsgleichgewichtsprojekts Balance. Einzelne Sparmassnahmen sind schon umgesetzt, andere will der Stadtrat dieses Jahr in Angriff nehmen. Vereinzelt werden Gemeinderat und Volk mitreden.
Samuel Koch