Das Frauenfelder Dorf drängt vorwärts

Wie andere Frauenfelder Quartiere arbeitet auch Gerlikon an Zukunftsprojekten, etwa im Bereich Verkehr.

Stefan Hilzinger
Merken
Drucken
Teilen
Seit Anfang 1998 gehört Gerlikon zu Frauenfeld. Mittlerweile zählt das Dorf auf der Anhöhe oberhalb der Stadt rund 500 Einwohner. (Bild: Reto Martin)

Seit Anfang 1998 gehört Gerlikon zu Frauenfeld. Mittlerweile zählt das Dorf auf der Anhöhe oberhalb der Stadt rund 500 Einwohner. (Bild: Reto Martin)

Tempo 30 gilt in Gerlikon zwar schon, aber nur im engeren Dorfzentrum. «Viele hätten Tempo 30 gern flächendeckend», sagt Daniel Vontobel, seit diesem Sommer Präsident des Dorfvereins Gerlikon. Mit Tempolimiten und vielem anderem beschäftigten sich rund 60 Einwohnerinnen und Einwohner jüngst an einer sogenannten Ergebniswerkstatt, einer weiteren Station zur Quartierentwicklung im Frauenfelder Dorf.

«Angefangen hat alles an der Jahresversammlung 2018 des Dorfvereins mit einer Milchtanse», sagt Vontobel. Damals seien die Versammlungsteilnehmer aufgefordert worden, auf Zettel zu notieren, wo sie der Schuh drückt, und die Zettel dann in die Tanse zu werfen. Danach nahm der Quartierentwicklungsprozess unter den Fittichen des Amts für Stadtentwicklung und Standortförderung mehr und mehr Fahrt auf.

«Wir vom Dorfverein haben den Prozess zwar angestossen, uns war aber von Anfang an wichtig, dass die Bevölkerung mitzieht», sagt Vontobel. Die gute Beteiligung am jüngsten Anlass und an der Zukunftswerkstatt im März würden die Vorarbeit des Dorfvereins nun bestätigen.

Begegnungsort, Verkehr und «Sharing Economy»

Der bisherige Entwicklungsprozess hat drei Schwerpunkte zu Tage gefördert, deren Massnahmen von den drei Projektgruppen nun weiter konkretisiert werden sollen:

Daniel Vontobel, Präsident Quartierverein Gerlikon. (Bild: Stefan Hilzinger)

Daniel Vontobel, Präsident Quartierverein Gerlikon. (Bild: Stefan Hilzinger)

So fehlt es den Gerlikern an einem zeitgemässen Versammlungsraum. Zwar ist das Milchhüüsli ein etablierter Treffpunkt, wo auch immer wieder Anlässe stattfinden. «Doch der Raum ist nicht geheizt und mehr als 15 Personen haben darin nicht Platz», sagt Vontobel. An Anlässen, wie dem «Dorfzmorge», nehmen gerne mal 180 Personen teil. Da fragt sich Vontobel rhetorisch:

«Wohin also, wenn das Wetter nicht mitspielt?»

Zwar könne der Dorfverein auf eine Scheune ausweichen, aber ein richtiger Gemeinschaftsraum fehle der mittlerweile 500 Personen zählenden Gemeinschaft. «Die Dorfbeiz gibt es auch schon lange nicht mehr.» Die Projektgruppe schlägt zudem vor, das alte Reservoir oder den Grillplatz Riemen Treffpunkte aufzuwerten.

Das Milchhüsli im Dorfkern Gerlikon, der beliebte Treffpunkt der Gerliker. (Bild: Donato Caspari)

Das Milchhüsli im Dorfkern Gerlikon, der beliebte Treffpunkt der Gerliker. (Bild: Donato Caspari)

Das zweite grosse Thema ist der Verkehr. Nebst den erwähnten Tempolimiten geben vor allem der Schleichverkehr und die zunehmende Anzahl an Lastwagen zu reden. «Viele Umfahren das Nadelöhr Frauenfeld via Gerlikon in Richtung Matzingen», sagt Vontobel. Auffällig sei die zunehmende Anzahl an 40-Tönnern, die das enge Dorf queren, «auch solche mit deutschen Kennzeichen».

Zwar hätten die neu erstellten Trottoirs die Sicherheit verbessert, doch die zuständige Projektgruppe werde am Thema dranbleiben. Nachbesserungsbedarf orten die Gerliker auch beim öffentlichen Verkehr. «Ideal wäre für uns natürlich eine Erschliessung durch den Stadtbus», sagt Vontobel. Derzeit sind die Gerliker und speziell die Schüler aufs Postauto angewiesen. «Die Schulgemeinde hat die Situation für unsere Schüler über den Mittag in der Zwischenzeit schon verbessert.» Unbefriedigend seien die teilweise schlechten Anschlüsse an die Schnellzüge.

Schliesslich soll in Gerlikon das Miteinander und Füreinander gefördert werden, neudeutsch «Sharing Economy» genannt. Ob es diese Förderung im Dorf tatsächlich braucht, will die Projektgruppe nun abklären. «Ich mache die Erfahrung, dass sich die Menschen bei uns mehr untereinander aushelfen als in einem städtischen Quartier», sagt Vontobel.

Nun benötigte die Quartierentwicklung Zeit und Freiwillige, die an den Projekten weiterarbeiten. 2020 dürfte es wieder einen öffentlichen Anlass geben.