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Das Erbe des grimmigen Ritters Molli im Rheinstädtchen Diessenhofen

Am Freitag geht im Museum Kunst + Wissen die Ausstellung zum Thema «600 Jahre Zunft zum Grimmen Löwen» auf. Kuratorin Helga Sandl und die Zünfter haben dazu unbedingt sehenswerte Exponate zusammengetragen.
Ernst Hunkeler
Zunftschreiber Hermann Sieber und Kuratorin Helga Sandl mit einem von Carl Roesch gestalteten Plakat. (Bild: Ernst Hunkeler)

Zunftschreiber Hermann Sieber und Kuratorin Helga Sandl mit einem von Carl Roesch gestalteten Plakat. (Bild: Ernst Hunkeler)

Das Ausstellungsplakat hat in doppeltem Sinne Symbolgehalt: Neben den schriftlichen Informationen windet sich auf der rechten Seite eine Spirale aus drei Bildausschnitten und Verbindungslinien in die Höhe. Zum einen Sinnbild, sagt Kuratorin Helga Sandl, für die historische, enge Wendeltreppe, die im Museumsturm nach oben führt. Von der Eingangshalle hinauf und vorbei an der Dauerausstellung zu Carl Roesch hinauf ins Stockwerk der Wechselausstellungen, in dem sich auch die aktuelle Ausstellung im Museum Kunst + Wissen in Diessenhofen befindet: die Sonderschau zum 600-Jahr-Jubiläum der Diessenhofer Zunft zum Grimmen Löwen, die heute Abend eröffnet wird. Das Plakat sei, so Kuratorin Sandl, aber zum zweiten auch Sinnbild für das enge Verwobensein zwischen den Geschichten der jubilierenden Zunft zum Grimmen Löwen und der Stadt.

Eine Zunft, die nie eine Handwerkerinnung war

Die feiernde Zunft, die sich 1418 unter der Führung des scheint’s ziemlich wilden Ritters Johannes Truchsess genannt Molli (1397 bis 1434) von der Trink- und Kulturgemeinschaft Herrenstube absonderte, war nie eine Handwerkerinnung. Sie führte Bürger aus der Oberschicht, Ritter und Politiker zu gemeinsamem Speis’ und Trank und zum Meinungsaustausch zusammen. Die heute verbriefte Satzung galt schon damals: Mann huldigte und huldigt der Pflege der Gesellschaft im bürgerlichen Sinne.

Will heissen, dass damals wie heute ausschliesslich Männer in der einzigen Zunft des Thurgaus eine Heimat finden. Aktuell hat sie 57 Mitglieder, wobei pro Jahr maximal drei Novizen aufgenommen werden können, weitere stehen auf der Warteliste.

Selten gezeigte historische Exponate

Die Ausstellung ist mit vielen Top-Exponaten so exklusiv ausgestattet, dass einige davon den Banktresor erstmals für einen «Auftritt» in der Öffentlichkeit verlassen durften. So etwa die Urkunde zur Bestätigung des Dies-senhofer Stadtrechts aus dem Jahre 1178. Museumskuratorin Helga Sandl hat die Ausstellung unter anderem gemeinsam mit dem Zunftschreiber, Jubiläumsbuch-Autor und Ehrenzünfter Hermann Sieber zu einem überaus eindrücklichen Gang durch die Geschichte von Zunft und Stadt gestaltet. Das einst von Kunstmaler und Zünfter Carl Roesch gestiftete Trinkservice aus Zinn ist ebenso zu sehen wie ein von Roesch geschaffenes Plakat zur Aufführung des «Götz von Berlichingen» zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Diessenhofen, die insgesamt 20000 Zuschauer anzulocken vermochte. Acht von Sandl verfasste, bebilderte Fahnentexte führen lebensnah durch Jahrhunderte, über Stationen und Episoden.

Die Aufseher der Kyburger herrschten im Unterhof

Und wie kam die Zunft zu ihrem Namen? Und das Rheinstädtchen zur frühesten Fasnacht der Schweiz? Der Löwe, der im Thurgau als Wappentier fast allgegenwärtig ist, war das Wappentier der Kyburger, deren Truchsessen (Aufseher) auf der Diessenhofer Burg Unterhof residierten. Und weil Begründer «Molli» halt ein so grimm(ig)er Vertreter jenes Löwengeschlechts war, wurde aus seinem «Erbe» dann eben die Zunft zum Grimmen Löwen. Und die Sache mit der Fasnacht? Der 2. Januar war stets eines der wichtigsten Daten im Zunftjahr – was den jungen Diessenhofern heute noch als Kinderfasnacht zugutekommt.

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