Die Ungewissheit hat ein Ende: Die Bahnstation Guntershausen bleibt - und wird sogar barrierefrei

Die SBB werden die Haltestelle Guntershausen nicht nur erhalten. Die Station wird nun doch behindertengerecht umgebaut.

Olaf Kühne
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2015 erhielt die Bahnstation Guntershausen einen neuen Veloständer. Rollstuhlfahrer müssen sich hingegen noch gedulden: Barrierefrei wird sie wohl erst 2030.

2015 erhielt die Bahnstation Guntershausen einen neuen Veloständer. Rollstuhlfahrer müssen sich hingegen noch gedulden: Barrierefrei wird sie wohl erst 2030.

(Bild: Olaf Kühne)
Matthias KüngGemeindepräsident Aadorf

Matthias Küng
Gemeindepräsident Aadorf

(Bild: Olaf Kühne)

«Das ist der Hammer!», sagt Matthias Küng ganz spontan. Der Aadorfer Gemeindepräsident wohnt selber in Gunterhausen und freut sich deshalb gleich doppelt über die Nachricht aus Bern: Die SBB haben dem Aadorfer Gemeinderat schriftlich mitgeteilt, dass sie die Bahnstation Guntershausen nun doch erhalten werden.

Dies ist keine Selbstverständlichkeit. Lag doch vor dieser Zusicherung schier ein Jahrzehnt der Ungewissheit. 2012 erreichte die Meldung den Hinterthurgau, dass ab 2018 die S12 bis nach Wil verkehren wird und somit Pendler aus Sirnach, Eschlikon und Aadorf direkten Anschluss an Zürich haben werden. In Guntershausen hingegen sei das Perron zu kurz für den Pendlerzug, hiess es damals seitens SBB. Dazu kam, dass bis Ende 2023 das Behindertengleichstellungsgesetz umgesetzt sein muss. Von Rollstuhlgängigkeit kann in Guntershausen jedoch keine Rede sein.

Einst standen 22 Millionen im Raum

So kursierte denn schnell die Summe von 22 Millionen Franken für einen Umbau der Haltestelle. Zu viel angesichts der relativ geringen Frequenz. In der Folge formierte sich die IG Bahnhof Guntershausen.

Gallus MüllerIG Bahnhof Guntershausen

Gallus Müller
IG Bahnhof Guntershausen

(Bild: ZVG)

Die Vereinigung zählt nach wie vor rund 400 Mitglieder. Ihr Präsident, der Guntershauser CVP-Kantonsrat Gallus Müller, tönt ähnlich euphorisch wie Matthias Küng. «Wir waren schon lange zuversichtlich», sagt Müller. «Aber dass wir jetzt Gewissheit haben, freut uns sehr.»

Seine Interessengemeinschaft auflösen will Müller indes noch lange nicht. «Das machen wir erst, wenn das Ziel erreicht ist», sagt er und meint damit den Zeitplan, welchen die SBB dem Aadorfer Gemeinderat mitgeteilt haben. Dem Behindertengleichstellungsgesetz will das Transportunternehmen vorerst nur mit «Ersatzmassnahmen» gerecht werden. Details dieser Ersatzlösung ab 1. Januar 2024 würden «zurzeit noch erarbeitet».

«Zur Einweihung dieses Umbaus können wir unsere IG dann auflösen.»

«Mehr wissen wir auch noch nicht», sagt Gemeindepräsident Küng. Die SBB hätten aber ihr Umsetzungskonzept weiterentwickelt und die baulichen Massnahmen nochmals überprüft. Zusammen mit dem Bundesamt für Verkehr sei man so zum Schluss gekommen, dass «der Bahnhof Guntershausen im Zeithorizont 2026 bis 2030 barrierefrei umgebaut wird». «Zur Einweihung dieses Umbaus können wir unsere IG dann auflösen», sagt Gallus Müller und lacht. «Frühestens aber zum Baustart.»

Für die IG stand seit jeher der Erhalt der Bahnstation im Vordergrund. Zudem thematisiert die Gemeinschaft auf ihrer Website auch «den Werterhalt einer Immobilie» – ist doch Gallus Müller auch Präsident des kantonalen Hauseigentümerverbandes. Auf Nachfrage kann er aber auch der künftigen Barrierefreiheit der Haltestelle Positives abgewinnen. «Darauf freuen sich hier alle», sagt er. Diene sie doch nicht nur Behinderten, sondern auch Betagten oder beispielsweise Eltern mit Kinderwagen.

Und über den Erhalt der Aadorfer Standortqualität freut sich nicht zuletzt auch der Gemeindepräsident. «Für Firmen, die sich hier ansiedeln wollen, sind unsere zwei Bahnhöfe weniger ein Thema», sagt Matthias Küng. «Für Private dafür umso mehr.»