Das Bücherfest steht auf der Kippe, aber Frauenfeld liest einfach weiter

Es könnte eng werden für die dritte Ausgabe des Frauenfelder Bücherfests Anfang Juni. Der Aktion «Frauenfeld liest ein Buch» tut das keinen Abbruch. Die Hoffnung bleibt, dass Simone Lappert im Herbst eine Lesung gibt.

Mathias Frei
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Im Zentrum von «Frauenfeld liest ein Buch»: Simone Lapperts Roman «Der Sprung».

Im Zentrum von «Frauenfeld liest ein Buch»: Simone Lapperts Roman «Der Sprung».

(Bild: Mathias Frei)
Schriftstellerin Simone Lappert.

Schriftstellerin Simone Lappert.

(Bild: PD/Ayse Yahas)

Das jetzt ist alles, aber nicht normal. «Normalität ist immer relativ, ein Konstrukt.» Simone Lappert sagt das. Die Schriftstellerin steht mit ihrem zweiten Roman «Der Sprung» im Zentrum der Aktion «Frauenfeld liest ein Buch» (FleB), würde Anfang Juni in Frauenfeld am Bücherfest lesen, wenn alles normal liefe. Tut es aber nicht. Die dritte Ausgabe des Bücherfests steht auf der Kippe. Schuld hat die Coronapandemie. Simone Lappert: erste Schweizer Romanautorin, die bei Diogenes publiziert, und nominiert für den Schweizer Buchpreis 2019.

«Ich hätte sehr viele Veranstaltungen gehabt, fast 20 Lesungen sind einfach weggebrochen.»

Das sagt sie. Das Frauenfelder Bücherfest ist noch nicht auf der «abgesagt»-Liste.


«Sie legte sich ihren Aschenbecher aus grünem Metall auf den nackten Bauch, rauchte, aschte ab, rauchte, und der Aschenbecher hob und senkte sich mit ihrem Atem […]»

Lieblingsstelle aus «Der Sprung» von Bücherfest-OK-Mitglied Lukas Hefti


Christof Stillhard, OK-Mitglied Bücherfest und städtischer Kulturbeauftragter.

Christof Stillhard, OK-Mitglied Bücherfest und städtischer Kulturbeauftragter.

(Bild: PD)

Aktuell arbeite das OK am Programmheft, mit dem Druck warte man noch zu, sagt der städtische Kulturbeauftragte Christof Stillhard. Der Entscheid über die Bücherfest-Durchführung hänge davon ab, wie es nach dem 19. April weitergehe, sagt Stillhard. «Sobald Klarheit herrscht, fällt der definitive Entscheid.»

Bessere Verkaufszahlen als vor zwei und vier Jahren

Eliane Wenger, OK-Mitglied Bücherfest und Leiterin der Kantimediothek.

Eliane Wenger, OK-Mitglied Bücherfest und Leiterin der Kantimediothek.

(Bild: Andrea Stalder)

Fürs Bücherfest könnte es eng werden. Der Aktion «Frauenfeld liest ein Buch» soll diese Ungewissheit aber keinen Abbruch tun. «Frauenfeld liest weiter», sagt Eliane Wenger, Bücherfest-OK-Mitglied und Leiterin der Kantimediothek. Bei Bücherfest-Programmchefin Marianne Sax im Bücherladen läuft «Der Sprung» im Vergleich zu den Leseaktionen 2018 und 2016 besser. Damals gingen jeweils rund 300 Exemplare über die Ladentheke. Heuer sind es jetzt schon 210 verkaufte Exemplare. In der Kantonsbibliothek sind alle zehn Exemplare von Lapperts Roman ausgeliehen, in der Kantimediothek alle sieben.

Es gibt derzeit Leute, die beruflich stark gefordert sind, andere wiederum haben viel Zeit. «Zum Beispiel zum Lesen», sagt Eliane Wenger. Gemeinsinn sei hoch im Kurs, eine gemeinsame Lektüre trage dazu bei. Sie bedauert, dass fast alle FleB-Veranstaltungen abgesagt werden mussten. «Lesen kann man trotzdem, ob im eigenen Garten oder im Murg-Auen-Park», meint Wenger. Wie sie weiss, beschäftigten sich auch zwei Kantiklassen mit Lapperts Roman. Von der Kantiverbindung Thurgovia gab’s für die Schüler einen Beitrag an die Bücher.


«Stell dir vor, man würde dich in eine Isolationszelle sperren, ohne Kontakt zur Aussenwelt, ohne Möglichkeit mit irgendjemandem zu kommunizieren.»

Lieblingsstelle aus «Der Sprung» von Bücherfest-OK-Mitglied Claudia Hefti


Auch Simone Lappert hat nun mehr Zeit zum Lesen. «Um meinen Lektürestapel abzuarbeiten», sagt sie. Wohl geniesse sie die Entschleunigung auch teilweise.

«Aber dann denke ich an Menschen, denen es jetzt sehr viel schlechter geht, an die Geflüchteten in Griechenland und der Türkei.»

Lappert ist nach eigenen Angaben Querleserin. «Ich bin oft an vier Büchern gleichzeitig.» In den frühen Abendstunden schlägt sie zurzeit gerne «Eine kurze Geschichte der Menschheit» des Historikers Yuval Noah Harari auf. Und sie arbeitet am Esstisch in ihrer Zürcher Zwei-Zimmer-Wohnung, in der es grad ein wenig eng sei zu zweit, an einem Lyrikband. Die Idee der Bücherfest-Veranstalter, vielleicht im Herbst als Abschluss von FleB eine Lesung zu machen, findet Lappert schön. «Ich würde Frauenfeld gerne kennen lernen.» Das Gespräch mit Leserinnen und Lesern erweitere den Blick, sagt sie.

«Es ist ein gutes Zeichen, wenn das Werk schlauer ist als die Autorin.»

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