Das 5G-Netz im Thurgau wächst schnell – täglich gelangen besorgte Bürger an den Kanton

70 Antennen senden im Kanton Thurgau das Mobilfunksignal 5G. Weil das Thema bei der Bevölkerung so präsent ist, informiert das Amt für Umwelt die Gemeinden.

Larissa Flammer
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Zwei Männer arbeiten an einer Mobilfunkantenne.

Zwei Männer arbeiten an einer Mobilfunkantenne.

(Bild: Christian Beutler, Keystone)

Im Mai sendete im Thurgau erst eine Mobilfunkantenne das 5G-Signal. Jetzt sind es bereits 28, welche die vom Bund speziell für diese Technologie freigegebene Frequenz von 3500 MHz nutzen.

Diesen Monat erhöhte sich die Zahl der 5G-Antennen im Thurgau aber sprunghaft auf 70. Dies teilte das Thurgauer Amt für Umwelt mit. Hintergrund ist, dass die Swisscom das 5G-Signal nun auch über die herkömmliche Frequenz 2100 MHz verbreitet.

Martin Zeltner, Leiter der Abteilung Luftreinhaltung beim Kanton, sagt auf Anfrage: «Bei diesen Antennen wurde das 3G-Signal heruntergefahren und das 5G-Signal aufgeschaltet.» Dafür mussten weder der Kanton noch die Standortgemeinden vorinformiert werden.

Viele Handys, die 5G empfangen können, gibt es noch nicht. «Die meisten Smartphones empfangen vor allem 4G», sagt Zeltner. Der Wechsel zu neuen Technologien schreitet aber ständig voran. Ende 2020 wird zum Beispiel die Swisscom die zweite Mobilfunkgeneration 2G nicht mehr anbieten. Kunden, die noch ein altes Handy haben, werden dann keinen Empfang mehr haben. Das Unternehmen will die Betroffenen über die Abschaltung informieren und beim Wechsel auf ein neues Gerät unterstützen, schreibt es auf seiner Website.

Bei WLAN sind Frequenzen höher als bei 5G-Antennen

Dass neue Technologien wie 5G Unsicherheiten hervorrufen, erfährt auch die Abteilung von Martin Zeltner: «Aktuell erhalten wir täglich verschiedene Anfragen von besorgten Bürgerinnen und Bürgern zum Thema 5G.» Da kämen auch ziemlich komische Anfragen zum Thema, was 5G überhaupt sei. Das Team versucht, dies fachlich zu erklären. Der Abteilungsleiter sagt: «Der Unterschied zwischen 4G und 5G ist rein technisch gering.»

Häufig hätten die Kritiker Angst vor Frequenzen über 20 GHz (Millimeterwellen), auf denen Anbieter 5G künftig senden wollen. «In der Schweiz sind diese aber nicht freigegeben und es wird in den nächsten Jahren wohl auch kein Thema sein», sagt Zeltner. Da sei es wichtig, dass zuerst Studien erstellt werden – obwohl in den USA 5G bereits auf etwa 24 GHz betrieben wird.

Die Anzahl 5G-Antennen im Thurgau wird sicherlich weiter ansteigen, sagt der Abteilungsleiter. Für den Strahlenschutz, den der Kanton überprüft, sei es aber nicht wichtig, ob 4G oder 5G gesendet werde. «Wichtig ist, dass die Grenzwerte eingehalten werden.»

Zeltner weist darauf hin, dass die Strahlen-Exposition der Bevölkerung durch die bisher 70 5G-Antennen nicht grösser geworden ist. Und dass sie auch nicht zunimmt, wenn in einer Ortschaft eine zweite Antenne gebaut wird. In einem solchen Fall muss die erste Anlage nämlich die Leistung reduzieren, damit die Summe der Strahlung die Grenzwerte auch weiter nicht überschreitet.

Der Abteilungsleiter weist noch auf eine weitere Tatsache hin:

«Bei WLAN sind die Frequenzen deutlich höher als beim 5G-Signal.»

Zu dieser Technologie, die bald jeder Haushalt installiert habe, erhalte sein Team aber nur vereinzelte besorgte Anrufe.

Behörden hätten neue Antennen nicht im Griff

In einem Schreiben, das auch technische Hintergrunddaten enthält, informiert das Amt für Umwelt die politischen Gemeinden über den aktuellen Stand des 5G-Ausbaus. Die grüne Kantonsrätin Karin Bétrisey nennt das Schreiben eine «völlig unverbindliche ‹Orientierungshilfe›». Es suggeriere, dass das Bewilligungsverfahren für Mobilfunkanlagen vom Bund vorgegeben werde. Dabei würden die Gemeinden entscheiden, wann, ob und wie diese Anlagen bewilligt werden.

Karin Bétrisey, Kantonsrätin (Grüne, Kesswil).

Karin Bétrisey, Kantonsrätin (Grüne, Kesswil).

(Bild: Donato Caspari)

Die Kantonsrätin aus Kesswil hatte sich im Frühling in das Thema 5G eingelesen und war mit Fragen an den Regierungsrat gelangt. Nun weist Bétrisey darauf hin, dass die neuen adaptiven Antennen für 5G gemäss der im Juni angepassten bundesrätlichen Strahlenschutzverordnung beim Vollzug besonders berücksichtigt werden müssen.

«Wenn der Regierungsrat den Gemeinden empfiehlt, sie müssten die neuen Antennen wie die bisherigen behandeln, missachtet er diese Verordnung.»

Ausserdem habe der Kanton noch keine Vollzugshilfen und Messvorschriften für die neuen 5G-Antennen zur Verfügung. Sie schreibt: «Es soll somit etwas völlig Neues bewilligt werden, das die Behörden noch in keinster Weise im Griff haben, was doch sehr bedenklich ist.»

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