Dank Lift schafft ein Lehrling aus Islikon den Sprung in die Berufswelt. 

Der 22-jährige Michael Glesti beendet dieser Tagen seine Lehre als Polymechaniker in der Zuckerfabrik. Der Weg zum Lehrabschluss war zum Teil steinig. Geholfen hat dabei unter anderem das Jugendprojekt Lift.

Werner Lenzin
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Ausbildner Kaspar Furrer und Lehrling Michael Glesti reparieren einen Motor samt Getriebe. /Bild: Werner Lenzin)

Ausbildner Kaspar Furrer und Lehrling Michael Glesti reparieren einen Motor samt Getriebe. /Bild: Werner Lenzin)

Der junge Mann in der Werkstatt schaut selbstsicher auf und erzählt strahlend: «Meine frühere Sekundarlehrerin glaubte nicht an mich und meinte, dass ich es einmal schwer haben würde, eine Lehrstelle zu finden.» Und weshalb ist ihm dies trotzdem gelungen? Lehrling Michael Glesti legt das Werkzeug zur Seite und sagt: «Für mich war dies klar der Moment, Vollgas zu geben und zu zeigen, dass ich etwas leisten wollte.» Nach seiner Primarschulzeit absolvierte er ein Übergangsjahr in einem Lernstudio in Winterthur, wo er den Stoff der Primarschule vertiefte. Anschliessend folgte die Schulzeit in der Sekundarschule in einer G-Klasse im Schulhaus Auen in Frauenfeld.

Schon in der ersten Klasse der Sekundarschule entschied seine damalige Klassen- und Liftmodullehrerin, Glesti ins Jugendprojekt Lift aufzunehmen. So konnte er ab der zweiten Sekundarklasse jeweils einen halben Tag pro Woche in der Werkstatt der Schweizer Zucker AG in Frauenfeld frühzeitige Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln. «Dadurch entdeckte Michael seine Fähigkeiten für und sein Interesse an seinem zukünftigen Beruf», sagt Kaspar Furrer, sein Berufsbildner. Furrer ist seit über acht Jahren in der Zuckerfabrik für die rund zehn Lernenden verantwortlich.

Schlüsselkompetenzen antrainieren

Schon früh lernte Michael Glesti unter der Leitung des Berufsbildners sowie von Lehrlingen und Angestellten Schlüsselkompetenzen wie Pünktlichkeit, Kontaktfreudigkeit und vieles mehr. «Ich durfte schon damals zusammen mit einem Mitarbeiter ein Getriebe ausbauen», erinnert er sich. Nach Abschluss des Lift-Projektes entschied er sich in Absprache mit seiner Mutter für eine Lehre als Polymechaniker. Doch Berufsbildner Furrer schlug vor, vorerst eine Lehre als Produktionsmechaniker zu absolvieren. Dazu schnupperte Glesti ebenfalls in der Zuckerfabrik.

Dank erfolgreichem Eignungstest, erfolgreicher Schnupperlehre, seinen Schulzeugnissen und dank Lift bot Furrer dem jungen Mann eine Lehrstelle als Produktionsmechaniker an. Furrer, auch tätig als Mentor beim Thurgauer Gewerbeverband, fährt einen gradlinigen und konsequenten Kurs bei der Ausbildung seiner Lehrlinge. Zimperlich ist er nicht, und der Erfolg der vergangenen Jahre gibt ihm recht: Seine Lernenden erreichen immer wieder gute Noten an den Lehrabschlussprüfungen.

24 Thurgauer Schulgemeinden bieten «Lift» an

«Lift ist ein Integrations- und Präventionsprogramm an der Nahtstelle zwischen der Volksschule und der Berufsbildung für Jugendliche ab der 7. Klasse mit erschwerender Ausgangslage bezüglich der späteren direkten Integration in die Arbeitswelt.» So steht es auf der Website der Nonprofit-Organisation mit Sitz in Bern. Kernelement des Programms sind regelmässige Kurzeinsätze in Gewerbebetrieben der jeweiligen Region. Die Einsätze in den Betrieben erfolgen freiwillig in der schulfreien Zeit. Die Jugendlichen werden durch die zuständigen Lehrpersonen ausgewählt und durch Fachpersonen der Schule gut auf ihre Einsätze vorbereitet sowie begleitet. Die Organisation und Durchführung des Projekts sowie die Finanzierung vor Ort übernimmt eine lokale Trägerschaft, meist koordiniert durch die örtlichen Gemeinde- oder Schulbehörde und in Zusammenarbeit mit dem lokalen Gewerbe. Im Thurgau beteiligen sich 24 Schulgemeinden am Projekte, darunter die Schulen Frauenfeld. (red)

Michael Glesti schätzt den Stil seines Lehrmeisters, mit dem er seit Bestehen der Teilprüfung per Du ist. «Meine Ausbildung war vielfältig. Teilweise stand ich bei Schweiss- und Dreharbeiten vor grossen Herausforderungen, doch diese nahm ich mit Freude an», sagt der Lehrling. Er schloss vor zwei Jahren seine erste Lehre mit der Note 4,7 ab.

Zum Polymechaniker in einer zweiten Lehre

Daraufhin machte Furrer ihm das Angebot, doch noch seinen Wunschberuf Polymechaniker im Rahmen einer zweijährigen verkürzten Zusatzlehre zu absolvieren. Nun hat er auch diese Lehrabschlussprüfung abgeschlossen und erhält in wenigen Wochen sein Zeugnis. Furrer sagt: «Michael hat sich menschlich, fachlich und methodisch positiv entwickelt. Seine Fachkompetenzen sind unsere Zukunft.» Er vergleicht den Ausbildungsweg seines Lehrlings mit dem Wachsen eines jungen Pflänzchens, das Kräfte entwickelt, die es zu nutzen gilt.

Festanstellung auf sicher

Und das Resultat dieser beiden erfolgreichen Lehren: Dank Glestis guter Leistungen und seines Einsatzes im Schichtbetrieb während der Rüben-Kampagne erhält er nach dem Lehrabschluss einen Anstellung in der Zucker AG als Polymechaniker. Dorthin wird er nach der Rekrutenschule als Flugplatzsoldat in Payerne zurückkehren und freut sich, dass ihm auch Zeit bleibt für seine geliebten Hobbys: Rock’n’Roll, Boogie-Woogie, Joggen und Unihockey. «Die Zuckerfabrik hat Lehrlinge. Sie sind meine Buben», sagt Kaspar Furrer.