Dank Corona erhielten die Thurgauer Kantonsräte das Mittagessen serviert: So verlief der Neustart des Grossen Rates nach der Zwangspause 

Der Grosse Rat des Kantons Thurgau tagt am Mittwoch unter ungewöhnlichen Umständen in der Frauenfelder Rüegerholzhalle. Das Desinfizieren klappt gut, das Abstandhalten meistens.

Larissa Flammer
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Der Grosse Rat tagt wegen des Coronavirus in der Rüegerholzhalle in Frauenfeld.

Der Grosse Rat tagt wegen des Coronavirus in der Rüegerholzhalle in Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari

Die Kantonsräte sitzen an Festtischen. Allerdings fehlen die Möhl-Saft-Flaschen. Immerhin gibt es am Mittag Shorley. Aber ein gemütliches Beisammensein, wie es in der Frauenfelder Festhalle Rüegerholz üblich ist, will nicht so recht entstehen. Die Ratsmitglieder sind ja schliesslich auch zum Arbeiten hier. Sie sitzen jeweils alleine an einem Tisch. Die Distanz verhindert Ansteckungen, aber auch das Getuschel, das sonst im Parlament üblich ist.

Festtische mit Abstand und ohne Möhl-Saft-Flaschen.

Festtische mit Abstand und ohne Möhl-Saft-Flaschen.

Bild: Donato Caspari

Allerdings: Ganz können die Kantonsräte nicht auf Absprachen oder Pläuschchen verzichten. Vor der Kaffeetheke oder auch an den Tischen, wenn jemand aufsteht und zu einem Ratskollegen hingeht, wird trotzdem geredet. Und weil der Ratsbetrieb abgesehen vom Mittag keine Pausen vorsieht, müssen die Gespräche leise geführt werden. Das ist mit zwei Metern Abstand schwierig. Da kommen sich die Gesichter der Kantonsräte dann doch näher als eigentlich vorgesehen.

Die Begrüssung ist coronabedingt auf Winken aus sicherer Entfernung reduziert.

Die Begrüssung ist coronabedingt auf Winken aus sicherer Entfernung reduziert.

Bild: Donato Caspari

Der Feldstecher wird trotz der Grösse der Halle nicht nötig

Die Rüegerholzhalle, in der sich der Grosse Rat am Mittwoch coronabedingt trifft, bietet dem Thurgauer Parlament mit ihrer Grösse und ihrem Turnhallenboden seltsame Rahmenbedingungen für die erste Sitzung seit zwei Monaten. Der Ratsbetrieb ist allerdings gut auf die Umstände vorbereitet. 

Der Grosse Rat in der Rüegerholzhalle.

Der Grosse Rat in der Rüegerholzhalle.

Bild: Donato Caspari

Die Mitarbeiterinnen der Parlamentsdienste und die Weibelinnen sind mit wenigen Ausnahmen die einzigen Anwesenden, die Hygienemasken tragen. Sie sind diejenigen, die bei den Kantonsräten Dokumente abgeben und einsammeln müssen und die nach jedem Redner die Mikrofone desinfizieren.

Nach jedem Redner wird das Mikrofon desinfiziert.

Nach jedem Redner wird das Mikrofon desinfiziert.

Bild: Donato Caspari

Weil die Halle so weitläufig ist, bittet Grossratspräsident Kurt Baumann darum, dass sich jeweils bereits der übernächste Redner auf den Weg zum Rednerpult macht, um Zeitverluste zu verhindern. Auch steht beim Vizepräsidenten am Kopfende der Halle ein Feldstecher, damit auch ja jedes Handzeichen gesehen wird. Dieser kommt jedoch nicht zum Einsatz, die Halle ist übersichtlich. Einziges Problem ist der Ton. Die Stimmen hallen zwischen den Wänden und der hohen Decke, so dass sie nicht immer einfach zu verstehen sind.

Der Feldstecher, den Grossratspräsident Kurt Baumann bereit hält, wird trotz der Grösse der Halle nicht gebraucht.

Der Feldstecher, den Grossratspräsident Kurt Baumann bereit hält, wird trotz der Grösse der Halle nicht gebraucht. 

Bild: Donato Caspari

Mit Wein auf die letzte Sitzung anstossen

Am Mittag wird es dann doch noch gesellig. SP-Kantonsrat Walter Hugentobler öffnet eine Flasche Wein. Er ist einer von mehreren Kantonsräten, die am heutigen Tag an ihrer letzten Grossratssitzung teilnehmen; die Legislatur ist zu Ende. Am Tisch der SP-Fraktion versammeln sich deshalb mit mehr oder weniger genügend Abstand Kantonsräte, die mit Hugentobler anstossen wollen.

Derweil verteilen die Mitarbeiterinnen der Parlamentsdienste das Mittagessen. Weil noch keine Restaurants offen haben, wurde die Verpflegung organisiert. Und damit sich die Kantonsräte nicht zu nahe kommen, werden Sandwiches, Salate und Getränke an die Tische gebracht. Der Work-Life-Balance ist das wenig zuträglich; man soll schliesslich nicht am Arbeitsplatz essen. Zum Glück haben die Parlamentarier in der knapp einstündigen Pause auch Zeit, sich in der weitläufigen Umgebung der Rüegerholzhalle die Beine zu vertreten – mit Abstand natürlich.

Die Mitarbeiterinnen der Parlamentsdienste verteilen am Mittag Sandwiches, Salate und Getränke.

Die Mitarbeiterinnen der Parlamentsdienste verteilen am Mittag Sandwiches, Salate und Getränke.

Bild: Larissa Flammer
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