Dampferfreunde von Untersee und Rhein schaufeln trotz Coronakrise Kohle 

Der Verein Pro Dampfer mit Sitz in Mammern hat weitere Schritte zum geplanten Dampfschiff auf Untersee und Rhein geschafft. Dafür hapert's weiterhin bei der Finanzierung des 12-Millionen-Franken-Projekts.

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Auf dieser Visualisierung passiert das Dampfschiff die Brücke bei Stein am Rhein.

Auf dieser Visualisierung passiert das Dampfschiff die Brücke bei Stein am Rhein.

(Bild: PD)

(red/sko) Vom Vorprojekt zur Planung. Diese Entwicklung hat der Verein Pro Dampfer gemacht, der sich als Vision ein Dampfschiff auf dem Untersee und Rhein zurückwünscht. Im Jahre 1967 verkehrte der Dampfer «Schaffhausen» letztmals. «Für unser Schiff gibt es praktisch nur wenige Komponenten fertig zu kaufen. Alle technischen Aspekte gilt es daher bis ins Detail zu planen bzw. zu entwickeln.» Das sagt Vereinspräsident Raimund Hipp.

Mit dem jetzigen Entwicklungsschritt erhöht der Verein die externen Kosten nach eigenen Angaben massiv. Die Planung von Dampfmaschine und Pellet-Brenner, die Anpassung des Generalplans an die Optimierung von Schaufelrad und Schale, die Projektleitung und Planung der CO2-neutralen Bord-Energie bringen die Vereinsmitglieder vorwärts, kosten aber Geld. Hipp sagt:

«Praktisch unser ganzes Vermögen haben wir vor einem Jahr in die Planung budgetiert und investiert.»

Deshalb hat der Vorstand neben der neuen Arbeitsgruppe Technik auch eine neue Arbeitsgruppe Finanzen geschaffen unter der Leitung von Vizepräsident Hansjörg Lang, alt Gemeindepräsident von Mammern. Ziel ist es, kurzfristig die Finanzen für die Planung von einigen hunderttausend Franken zu beschaffen. Im Weiteren wird nach Möglichkeiten gesucht, wie der Bau des Schiffes mit rund zwölf Millionen Franken finanziert werden kann. Weiterhin ist der Verein auf neue Mitglieder, Spender und Sponsoren angewiesen.

Die Aktiengesellschaft Pro Dampfer wird offiziell gegründet, mit dem damaligen AG-Präsidenten Hansjörg Lang und den damaligen Verwaltungsräten Eduard Joos und Eduard Looser.

Die Aktiengesellschaft Pro Dampfer wird offiziell gegründet, mit dem damaligen AG-Präsidenten Hansjörg Lang und den damaligen Verwaltungsräten Eduard Joos und Eduard Looser.

(Bild: Andrea Stalder, Juni 2016)

Seit der letzten, regulären Jahresversammlung vom 5. April 2019 hat der Verein bei den technischen Abklärungen zum Schiffbau sowie der Antriebsanlage mit Verbundmaschine, Dampfkessel und Holzpelletsfeuerung wichtige Projektfortschritte erzielt. Die im Frühling 2019 mit den umfangreichen Engineering-Arbeiten beauftragte Dampflokomotiv- und Maschinenfabrik DLM AG in Winterthur hat im April 2020 erste konkrete Zwischenergebnisse, technische Daten sowie Konstruktionszeichnungen gebracht.

Grundlage für Schiffbauingenieur

Die erstellten, dreidimensionalen Grafiken zeigen das Layout der neuen Zweizylinder-Verbunddampfmaschine mit Abdampfkondensation und einer Exzentersteuerung. Basierend auf dieser virtuellen Konstruktion der Maschine am Computer werden auch konkrete Gewichtsangaben der Antriebsanlage zur Verfügung stehen, die dem beauftragten Schiffbauingenieur Bernhard Utz als Grundlage für die nächsten Arbeitsschritte dienen.

Die Grafiken der neuen Zweizylinder-Verbunddampfmaschine.

Die Grafiken der neuen Zweizylinder-Verbunddampfmaschine.

(Bild: PD)

Bei allen Ingenieursarbeiten zeigt es sich , wie der künftige Raddampfer für Untersee und Rhein ein Prototyp ist. Die alten Schiffspläne und technischen Eigenheiten des früheren Raddampfers «Schaffhausen» seien heute nicht mehr einsetzbar, denn das ursprünglich 1913 erbaute Schiff würde den heutigen Vorschriften nicht mehr genügen und wäre so nicht mehr zulassungsfähig, insbesondere wegen der aus heutiger Sicht mangelnden Stabilität.

Der neue Dampfer muss diesbezüglich den heute gültigen Vorschriften für einen Schiffsneubau entsprechen, genügend Leistung über die Schaufelräder ins Wasser bringen, aber das Schiff darf trotzdem über Alles (Rumpf und Antriebsräder) nicht breiter werden als die alte Schaffhausen, da auch unser Schiff die Brücke in Diessenhofen passieren soll.

Zwei neue Köpfe für den Vorstand vorgeschlagen

In der wegen der Coronakrise schriftlichen Abstimmung, an der die Mitglieder vom Verein Pro Dampfer bis 19. Juni teilnehmen können, stehen auch zwei neue Vorstandsmitglieder zur Wahl. Chris van Rekum und Peter Opitz sind bereits aktiv in der Arbeitsgruppe Technik tätig und stellen sich nun auch für ein Vorstandsamt zur Verfügung.

Die Zusammenarbeit des Vereins mit der Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) hat sich bewährt und wird aktiv gepflegt. Die regelmässigen Zusammenkünfte am «Runden Tisch» fanden ebenfalls eine Fortsetzung. Anfang März wurde zwischen Verein und URh besprochen, wie das nach Projektstand mögliche Dampfschiff in einen künftigen Betrieb der URh eingebunden werden könnte. Dazu seien bereits gemeinsame Arbeitsgruppensitzungen angedacht, die jedoch wegen Corona derzeit nicht stattfinden können.

Über sämtliche Etappenziele und Zwischenergebnisse berichtet der Blog auf der Homepage des Vereins: www.prodampfer.org/blog

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