Damit es Glühweinkönig HP Maier nicht langweilig wird: Ein süss-alkoholisches Königreich mitten in Frauenfeld

Der Mensch hinter dem Heissgetränk: Der Frauenfelder Schausteller Hanspeter «HP» Maier ist immer unter Strom. Er hat einfach Lust, viel zu arbeiten – solange, wie er noch stehen kann. Und sein neuer «Weisser» ist imfall der Hammer.

Mathias Frei
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Der Chef mit zwei Mitarbeiterinnen: Hanspeter Maier sekundiert von Silvia und Nadin. (Bild: Andrea Stalder)

Der Chef mit zwei Mitarbeiterinnen: Hanspeter Maier sekundiert von Silvia und Nadin. (Bild: Andrea Stalder)

Es räblet am Schlossberg. Glühweinkönig Hanspeter Maier residiert wieder in seinem Wunderland. Vergangenen Samstag, als es erstmals Heissgetränke gab, kam auch das Volk – in Massen. Maier, dem jedermann HP zu- oder nachruft, weil er gefühlt immer auf Achse ist, bräuchte keine Huldigungen. Aber:

«Die Frauenfelder sind unglaublich. Die kommen zu mir, danken mir, drücken mir die Hand. Wildfremde Leute. Einfach unglaublich. Das ist für mich Glück.»

Eigentlich kennt HP jeden, und jeder kennt HP. Aber weil sein Glühweinland, das jetzt in die sechste Saison geht, immer besser läuft, immer mehr Besucher anzieht, immer mehr Glückseligkeit verbreitet, gibt es sie eben noch, die Wildfremden, die spätestens nach drei Stiefelchen Glühwein Freunde sind.

HP ist unter Strom. Vergangene Woche noch an der Herbstmesse in Basel, am Wochenende der Aufbau am Schlossberg in Frauenfeld. Am Donnerstag ist er schnell nach Montreux gefahren. Denn seine Bahnen stehen am dortigen Weihnachtsmarkt. Schnell zum Rechten schauen. Im Fünf-Minuten-Takt rufen Leute an.

«Chan jetzt grad nöd. Ich lüt der später a.»

Maier ist ein «Tüpflischisser», ein Perfektionist. «Das kann man schon so sagen. Bei mir muss alles richtig sein», sagt er. Und im nächsten Moment schwärmt er vom neuen Glühwein, den er spätestens ab diesem Wochenende anbietet. Rot und weiss. Von einem Winzer, speziell für ihn gemacht.

«Der weisse Glühwein ist der Hammer, das kannst du mir glauben.»
Im Jahr 2017: Hanspeter Maier inmitten von fröhlichen Gästen am Glühweinstand. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Im Jahr 2017: Hanspeter Maier inmitten von fröhlichen Gästen am Glühweinstand. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

«Solange ich stehen kann, mache ich weiter»

Maier ist mittlerweile 65. Eigentlich könnte er in Pension gehen. Aber nichts da. «Solange ich stehen kann, mache ich weiter.» Nimmermüde scheint er. Seine beiden Töchter haben mittlerweile wichtige Funktionen in seinem Schaustellergeschäft. Das sei aber keine Wachablösung, meint er. Wenn er zum Rechten schaut, weiss er, dass es recht ist. Ob er ein strenger Chef sei? Seine Mitarbeiter am Glühweinstand lachen. Und was er vom Titel Glühweinkönig halte?

«Früher war ich Chilbikönig, heute Glühweinkönig. ‹Es Bitzeli› habe ich wohl richtig gemacht. Wahrscheinlich auch alles.»

Maier weiss, was er kann. Heuer hat er das Augenmerk am Schlossberg auf die Dekoration. «Wobei es derzeit noch nicht zu weihnachtlich sein darf.» Und erstmals bietet er nebst Crêpes, Hot-Dogs und Raclette auch Hörnli mit Raclette an. Das WC auf dem TKB-Parkplatz darf nicht fehlen, «nicht nur für meine Gäste, sondern für die ganze Bevölkerung». Die Thurgauer Kantonalbank komme ihm jeweils sehr entgegen. Und wenn er am Schlossberg rundherum noch mehr Platz hätte, würde er einen grossen Weihnachtsmarkt aufziehen, den ganzen Advent.

«Der Frauenfelder Weihnachtsmarkt ist zwar wunderschön, aber er dauert halt nur drei Tage.»
Bei der Saisoneröffnung des Glühweinstands 2016: Hanspeter Maier und hoher Besuch. (Bild: Andrea Stalder)

Bei der Saisoneröffnung des Glühweinstands 2016: Hanspeter Maier und hoher Besuch. (Bild: Andrea Stalder)

Bei HP muss immer etwas laufen. «Sonst wird es mir langweilig.» Er braucht neue Projekte, muss sich weiterentwickeln können. Langfristig lohnen sich seine Investitionen, das weiss er. «Mittlerweile rentiert der Glühweinstand», sagt er. Derzeit werde in den Niederlanden ein neues Riesenrad für ihn gebaut. Er freut sich wie ein kleines Kind darauf. Wenn alles klappt, feiert es am nächsten Frauenfelder Frühlingsmarkt Premiere.

Maier ist Schausteller in vierter Generation. Mit 18 ist er ins Geschäft eingestiegen. Früher, als es den Glühweinstand noch nicht gab und seine Saison im November endete, besuchte HP privat gerne die Weihnachtsmärkte in Stuttgart und Nürnberg. Dafür hat er heute keine Zeit mehr, aber er mache nun auch «nichts Dümmeres», meint er lachend.

Maiers Glühweinland am Schlossberg: täglich ab 11 Uhr.

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