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Damit der Bodensee die gute Stube wärmt – Kanton Thurgau will thermische Seewassernutzung fördern

Mit thermischer Energie aus dem Bodensee kann CO2-neutral geheizt und gekühlt werden. Das Potenzial ist riesig – und noch kaum genutzt. Am 5.November informiert der Kanton zum Vorgehen, den Bewilligungsprozessen und Fördermittel.
Larissa Flammer
Nutzungsstation mit Filteranlage der Seewassernutzung Romanshorn. (Bild: PD)

Nutzungsstation mit Filteranlage der Seewassernutzung Romanshorn. (Bild: PD)

Heute sind 16 Anlagen am Schweizer Ufer das thermische Energiepotenzial des Bodensees. Sie haben insgesamt einen Wärmeumsatz von 34 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr. Aufgrund von Modellrechnungen liegt das nutzbare Potenzial für die Schweizer Seite des Bodensees allerdings bei rund 2800 GWh Wärmenutzung und 1400 GWh Kältenutzung pro Jahr. Das schreibt die Abteilung Energie des Kantons Thurgau am Montag in einer Medienmitteilung:

«Das Potenzial wird bei weitem nicht ausgeschöpft.»

Der Wärmebedarf aller Gemeinden mit Seeanstoss in den Kantonen St.Gallen und Thurgau bewegt sich in der Grössenordnung von 1200 GWh pro Jahr. «Da sind alle Gebäude, die Raumwärme benötigen, miteingerechnet. Öffentliche und private», erklärt Thomas Volken von der Abteilung Energie. Der gesamte Wärmebedarf liesse sich also mit thermischer Seewassernutzung decken.

Industriebetriebe, die kühlen müssen, geben Wärme an Heizungen weiter

Die thermische Nutzung erklärt Volken vereinfacht folgendermassen: Seewasser wird aus etwa 20 bis 40 Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt, es läuft über einen Wärmetauscher und wieder zurück in den See. Der Wärmetauscher entnimmt dem Seewasser Wärme – dieses ist in der Tiefe auch im Winter noch etwa vier Grad warm – und gibt sie einem zweiten Wasserkreislauf ab, der zu den Gebäuden führt.

Thomas Volken. (Bild: Andrea Stalder)

Thomas Volken. (Bild: Andrea Stalder)

Volken sagt: «Wenn Gebäude verschieden isoliert sind und das eine Haus zum Beispiel eine Bodenheizung und das andere Radiatoren hat, brauchen sie unterschiedlich hohe Vorlauftemperaturen.» In diesem Fall komme ein weiterer Wärmetauscher direkt beim Haus zum Einsatz und das Wasser werde mittels Wärmepumpe auf das nötige Niveau erwärmt.

Industriebetriebe, die kühlen müssen, geben über Wärmetauscher Wärme an das Wasser ab. Volken sagt: «Das von einem Industriebetrieb erwärmte Wasser kann direkt an Gebäude geleitet werden, welche die Wärme brauchen.»

Wärmeentzug wirkt dem Klimawandel entgegen

Wichtig ist gemäss Mitteilung: «Weil sich die Wassertemperaturen durch die Klimaerwärmung bereits erhöhen, sollte dem See netto nicht mehr Wärme zugeführt als entzogen werden.» Das Ökosystem des Seewassers und der natürliche Temperaturhaushalt dürfen sich nicht nachteilig verändern.

Nun wird allerdings im Sommer, wenn nicht geheizt wird, dem See keine Wärme entzogen. Gleichzeitig ist aber Kühlbedarf da, dem See wird also in den Sommermonaten mehr Wärme zugefügt als entnommen. «Der See ist ein riesiger Wärmespeicher», beruhigt Volken. Wenn die Bilanz über das ganze Jahr hinweg ausgeglichen sei, spiele das kaum eine Rolle. In der Mitteilung heisst es:

«Ein Wärmeentzug – wenn auch auf kleinem Niveau – wirkt der klimabedingten Erwärmung des Seewassers entgegen und ist positiv für die Wasserlebewesen.»

Informationsanlass zu kantonalen Fördermitteln

Der Kanton Thurgau hat aus energie- und klimapolitischer Sicht ein Interesse, dass die thermische Nutzung des Bodensees weiter ausgebaut wird. Am 5. November organisiert er den Informationsanlass «Der Bodensee – Energielieferant der Zukunft» in der Kantonsschule Romanshorn. Er liefert Interessierten Informationen zum Vorgehen, zu den Bewilligungsprozessen und zur Förderung. Denn das kantonale Förderprogramm sieht Beiträge für solche Projekte vor. «Auch zum Beispiel für Machbarkeitsstudien», sagt Volken.

Weil hohe Investitionskosten nötig sind – unter anderem müssen viele Rohre verlegt werden – stehen oft öffentliche Investoren oder grössere Betriebe dahinter. Ein erfolgreiches Beispiel ist die Kantonsschule Romanshorn, die seit 30 Jahren mit einer Wärmepumpe die Energie aus dem Bodensee nutzt.

Hinweis: www.energie-agenda.ch

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