Damit das Polster nicht weiter anwächst: Frauenfeld würde Neubewertungsreserven gerne als Badi-Vorfinanzierung verwenden

Die Neubewertung der städtischen Liegenschaften im Finanzvermögen ist abgeschlossen. Wohin nun mit dem Wertzuwachs von 36,6 Millionen? Es gibt Möglichkeiten, aber dazu muss der Kanton Ja sagen.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Auch ein Teil der Neubewertung der Liegenschaften im Finanzvermögen der Stadt Frauenfeld: der Wohnblock an der Grundstrasse 23 in der Sonnmatt.

Auch ein Teil der Neubewertung der Liegenschaften im Finanzvermögen der Stadt Frauenfeld: der Wohnblock an der Grundstrasse 23 in der Sonnmatt.

(Bild: Donato Caspari)

Das liebe Geld. Schreibt die Stadt rote Zahlen, ist das ungut. Doch wirft der Rechnungsabschluss einen Gewinn ab, lässt dieser den Bilanzüberschuss (Eigenkapital minus Spezialfinanzierungen minus Fonds) nur noch mehr anwachsen. Und das ist auch wieder nicht recht. Der Stadtrat hat es nicht einfach. Fakt ist: Mit der Rechnung 2019 liegt der Bilanzüberschuss bei 72,39 Millionen Franken. Und nun könnten mittelfristig weitere 36,6 Millionen in den Bilanzüberschuss fliessen. Dann würde dieser bei 110 Millionen Franken liegen. Dabei hiess es in der Botschaft zum Budget 2020 noch:

«Der Stadtrat betrachtet einen Bilanzüberschuss von rund 40 Millionen Franken [...] als angemessen.»
Reto Angehrn, Finanzchef der Stadt Frauenfeld.

Reto Angehrn, Finanzchef der Stadt Frauenfeld.

(Bild: Andrea Stalder)

Die besagten 36,6 Millionen Franken sind in der Bilanz der Rechnung 2019 als Neubewertungsreserven ausgewiesen. Mit dem Übergang zu HRM2 wurde gemäss Verordnung des Regierungsrates über das Rechnungswesen der Gemeinden eine Neubewertung der Liegenschaften im Finanzvermögen notwendig, so auch in der Stadt Frauenfeld. Diese Neubewertung konnte auf fünf Jahre verteilt werden. Die Stadt Frauenfeld hat die Verkehrswertschätzungen per Ende 2019 abgeschlossen.

Das Ergebnis: Im Vergleich zum Buchwert per Anfang 2015 von 48,2 Millionen haben die Liegenschaften gemäss Schätzungen um 36,6 Millionen Franken an Wert zugelegt. Dieses Geld, das notabene erst mit der Veräusserung einer Liegenschaft vorhanden ist, soll nun gemäss Verordnung «innerhalb von fünf Jahren zu Gunsten des Bilanzüberschusses aufgelöst» werden. Derweil hat im Rechnungsjahr 2020 die nächste Runde der Neubewertungen, wiederum auf fünf Jahre verteilt, begonnen. Verlieren nun Liegenschaften an Verkehrswert, so gehen diese Verluste zu Lasten der Erfolgsrechnung.

Land und Häuser sind 74 Prozent mehr wert

Die Grundstücke und Liegenschaften im städtischen Finanzvermögen hatten per 1.1.2015 einen Buchwert von 48,2 Millionen Franken. Danach fanden, ausgelöst durch HRM 2, in fünf Tranchen Neubewertungen statt, die mit der Rechnung 2019 ihren Abschluss gefunden haben. Nun beträgt der Verkehrswert 83,8 Millionen Franken, was einem Zuwachs von 36,6 Millionen (oder 73,8 Prozent) entspricht. Absolut und auch prozentual am meisten Wertzuwachs hat ein Stück Acker (10'000 m2) beim Flurhof: von 1,3 Millionen auf 9,6 Millionen Franken. (ma)

Lösung: Reserven in der Bilanz liegen lassen

Jetzt wächst also der Bilanzüberschuss weiter an. Und die Erfolgsrechnung muss darunter leiden, wenn eine Liegenschaft in der ersten Neubewertungsrunde überbewertet war. Würde das nicht auch anders funktionieren? «Ja», meint der städtische Finanzchef Reto Angehrn. Man müsse nicht mal kreativ sein, sagt er, sondern lediglich die Rechnungslegung nach IPSAS (International Public Sector Accounting Standards) anwenden. Wenn es nach Finanzfachmann Angehrn ginge, könnte man die Neubewertungsreserven in der Bilanz so lange liegen lassen, bis es zu einer Veräusserung kommt, die ja dann in der Erfolgsrechnung wirksam wird.

«Zudem könnte man so die Wertgewinne respektive -verluste der periodischen Neubewertungen sinnvollerweise mit den Neubewertungsreserven verrechnen.»

Angehrn sieht dafür sogar eine Möglichkeit, die je nach Auslegung kantonalem Recht nicht widersprechen würde. Der Gemeinderat kippte mit der Rechnungsgenehmigung 2016 jedoch das Vorhaben des Stadtrates, die Neubewertungsreserven unter Anwendung von IPSAS zu bilanzieren. In der Folge kam die enge Auslegung der Verordnung zur Anwendung. Also eine Frage der Auslegung. Um aber auf Nummer sicher zu gehen, wäre eine Anpassung der regierungsrätlichen Verordnung nötig. Angehrn und der Frauenfelder Gemeinde- und Kantonsrat Christoph Regli wurden zu dieser Verordnung bereits einmal beim Kanton vorstellig, ein anderes Thema dabei waren die für Frauenfeld wenig praktikablen Vorgaben zum Finanzhaushaltgleichgewicht.

So soll der Neubau des Frauenfelder Hallenbads aussehen.

So soll der Neubau des Frauenfelder Hallenbads aussehen.

(Bild: PD)

Vorfinanzierung soll möglich werden

Ein anderer Aspekt hat in Sachen Neubewertungsreserven nicht weniger Priorität für Angehrn. Es geht um die Möglichkeit, einen Teil der Neubewertungsreserven als Vorfinanzierung umzubuchen. «Man könnte zum Beispiel eine Vorfinanzierung für den Hallenbad-Neubau äufnen.» Ob man das so machen wolle, welchem Zweck eine Vorfinanzierung dienen und mit wie viel sie geäufnet werde, sei aber eine politische Frage. Löse man eine Vorfinanzierung über die vorgeschriebene Dauer der Abschreibung auf, senke das jedes Jahr die Abschreibungslast, sagt Angehrn. So könne man dem Steuerzahler über eine längere Zeitdauer etwas zurückgeben.

«Aber letztlich geht es bei dieser Diskussion primär um buchhalterische Kosmetik.»

Wie gut die Chancen stehen, dass sich der Kanton im Rahmen einer Revisionsanpassung zeitnah den Frauenfelder Anliegen annimmt, kann Angehrn nicht beurteilen. «Im Optimalfall haben wir schon für den Budgetprozess 2021 Klarheit», hofft Angehrn.

Eine Innenvisualisierung des Hallenbadneubaus.

Eine Innenvisualisierung des Hallenbadneubaus.

(Bild: PD)
Mehr zum Thema: