«Da schlüpfe ich in die Rolle eines Künstlers»: Frauenfelder Schreiner veredelt Nussbaum mit Geschichte

Florian Hunziker hat eine Vitrine aus den 1940er-Jahren in ein modernes Möbel verwandelt. Das Prinzip nennt sich Upcycling, also das Wiederverwerten von gebrauchtem Material.

Mathias Frei
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Florian Hunziker mit der Art-déco-Vitrine in seiner Schreinerei auf dem Areal der Gerberei Kappeler.

Florian Hunziker mit der Art-déco-Vitrine in seiner Schreinerei auf dem Areal der Gerberei Kappeler.

(Bild: Mathias Frei)

Wenn Möbelstücke sprechen könnten. Die furnierte Vitrine aus Nussbaumholz hätte wohl einige Geschichten auf Lager. Der Frauenfelder Schreiner Florian Hunziker von «Möbelpunkt­anders» dagegen kann über vieles nur spekulieren. Gereizt hat es ihn trotzdem, das Möbel in die Moderne zu überführen. Denn der Schreiner ist ein Verfechter von Upcycling, also der Verwendung gebrauchten Materials. Vor einigen Jahren schon hat er Glasscheiben aus alten SBB-Personenwagen für eine Serie von Vitrinen wiederverwertet. Die aktuelle Arbeit wiederum ist eine Einzelanfertigung.

Florian Hunziker an einer Schnitzarbeit.

Florian Hunziker an einer Schnitzarbeit.

(Bild: Christine Luley)

Die obere Hälfte des neuen Möbels von Hunziker stammt aufgrund der Machart aus den 1940er-Jahren. Die edel wirkende, formschöne Vitrine hatte aber einen wuchtigen, fast schon klobigen Unterbau, wie Hunziker erklärt. Das Möbel stammt von einem Freund des Schreiners. Dieser überliess es ihm vor zehn Jahren. Seither war es eingelagert – bis die Idee für ein Upcycling im Raum stand.

Ursprünglich aus der ländlichen Schweiz

«Die Vitrine ist dem Stilbegriff der Art déco zuzuordnen», sagt Hunziker. Die Art déco (französisch: dekorative Kunst) erlebt ihren Höhepunkt in den späten 1920er- und dann in den 1930er-Jahren. Der Zweite Weltkrieg stellt für den Stilbegriff dann eine Zäsur dar.

«Im ländlichen Raum hatte die Art déco aber noch bis in die 1940er-Jahre Nachhall.»

Was klar ist: Die Vitrine ist aufgrund der Kennzeichnung ein Schweizer Produkt, stammt möglicherweise sogar aus der Ostschweiz. Der Vitrine hat Hunziker ein modernes Gestell gegeben, damit das Ganze stimmig wirkt. In Anlehnung an die Vitrine besteht auch der neue Unterbau aus Nussbaumholz, das ebonisiert ist. Er habe inklusive Planung rund 50 Arbeitsstunden in das neue Möbel investiert, sagt Hunziker. Eine Käuferschaft gibt es derzeit noch nicht. Das ist für den Frauenfelder aber auch nicht vordergründig. «Für solche Arbeiten schlüpfe ich gerne in die Rolle eines Künstlers.»

www.moebelpunktanders.ch

Die Vitrine ist ab sofort im Schaufenster der Geuggis AG am Roseneckkreisel in Frauenfeld ausgestellt.

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