Covid-19-Massnahmen
Ungewissheit bleibt: Gastro-Thurgau-Präsident bedauert Bundesratsentscheid

Für die Restaurants wäre es wichtig, eine Perspektive zu bekommen, sagt Ruedi Bartel, Präsident des Branchenverbands. Von einer Teilöffnung hält er nichts. Beim Ausflugsrestaurant Nollen wird der Garten vorbereitet.

Thomas Wunderlin
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Ruedi Bartel, Präsident von Gastro Thurgau, ist für die Zukunft seiner Branche pessimistisch.

Ruedi Bartel, Präsident von Gastro Thurgau, ist für die Zukunft seiner Branche pessimistisch.

Bild: Reto Martin

Ruedi Bartel bezeichnet den Entscheid des Bundesrats als «schlecht». Nur die Aussenbereiche der Restaurants allenfalls am 22. März aufzumachen, das sei gar nichts, sagt der Präsident von Gastro Thurgau: «Wir wissen immer noch nicht, wann wir wirklich aufmachen können.» Der Bundesrat solle ein Datum festlegen, an dem es so weit ist:

«Dann hätten wir eine Perspektive, könnten Personal rekrutieren, Vorräte anlegen. Innert drei Tagen geht das nicht.»

Von einer Teilöffnung seines Restaurants hält Bartel nichts. «Das ist gut für jene mit Dach», sagt der Wirt der Balterswiler «Krone». «Aber sonst, wo geht man hin mit den Leuten?» Wenn Regen aufziehe, würden die Gäste sich davonmachen: «Am Schluss zahlen sie nicht einmal.» Die «Krone» hat eine Terrasse zur Hauptstrasse, die er nicht aufmachen würde, wenn er dürfte. «Das nützt kleinen Betrieben nichts.» Sie hätten mehr Unkosten als Einnahmen. «Das ist gut am See und für Ausflugsrestaurants.»

Auf dem Nollen wird der Garten vorbereitet

Rosvaldo Postizzi führt auf dem Nollen ein typisches Ausflugsrestaurant. Er war am Mittwochvormittag bereits mit acht Leuten dabei, im Hinblick auf eine mögliche Öffnung den Garten herzurichten. Dafür brauche man länger als eine Woche, sagt Postizzi. Dennoch hat auch er Vorbehalte gegenüber einer Teilöffnung:

«Das ist gut, wenn immer schönes Wetter herrscht. Wenn es schlecht wird, hat man Ware zum Fortwerfen.»

Dass er dann zu viel Personal habe, sei weniger ein Problem. Die Angestellten seien flexibel. Da der Bundesrat die Aussenbereiche nicht vor dem 22. März öffnen will, erhält Postizzi mehr Zeit, um den Aussenbereich des Restaurants Nollen einzurichten. Am Nachmittag sagt er:

«Jetzt kommt es darauf an, was die Kantone entscheiden, die so hart im Geben sind.»

Positiver sieht Thomas Hasen vom Egnacher Landgasthof Seelust eine allfällige Teilöffnung des Restaurants: «Was wir offen halten können, das haben wir offen.» Wichtig sei ihm, dass die Lernenden arbeiten könnten. Da die «Seelust» auch ein Hotel sei, habe man nie schliessen müssen. Die Auslastung sei unterschiedlich gewesen. «Der Februar war nicht schlecht. Im Januar ist es ohnehin ruhig in der Region.»

Wirte fürchten die Verschuldung

Viele Wirte wollen sich nicht verschulden, sagt Gastropräsident Bartel. Im Thurgau müssten die Betriebe mindestens 25 Prozent der Härtefallunterstützung wieder zurückzahlen, in St.Gallen gar nichts.

Bartel fehlen die durchschnittlich 30 bis 40 Gäste, die zu normalen Zeiten zum Zmittag in die «Krone» kommen. Momentan kann er nur für ein Dutzend älterer Leute das Mittagessen bereiten, das ihnen das ganze Jahr über nach Hause geliefert wird. Zwei Mal in der Woche kommen zwei Firmen dazu mit acht bis zehn Mittagessen. Für seine sieben Mitarbeiter bezieht er Kurzarbeitsentschädigung.

Er selber hat am Dienstag das Härtefallgeld erhalten. Er sei zufrieden, aber es decke grad seine Fixkosten seit Dezember ab. Abgerechnet worden sei nur bis Ende Februar. Im Juli werde er wieder einen aufwendigen Antrag stellen müssen. Er halte durch, er habe schon noch Substanz.

Im Thurgau gibt es rund 900 Gastrobetriebe, wovon 530 Mitglieder des Branchenverbands sind. Abgesehen vom Frauenfelder Café Rhyhof sind in der Coronazeit kaum Konkurse bekannt geworden. Bartel ist pessimistisch: «Mehr als 40 Prozent sind am Kippen.» In drei, vier Monaten werde man es sehen.