Coronavirus
«Wir sind parat»: Kanton Thurgau beginnt Anfang Januar mit der Impfung der Risikopersonen

Mit der ersten Tranche des Corona-Impfstoffes können im Thurgau 5000 Personen geimpft werden. Zuerst erhalten besonders gefährdete Personen in Alters- und Pflegeheimen eine Spritze. Dafür werden mobile Einheiten losgeschickt. Ab dem 11. Januar soll eine Impfstation beim Bahnhof Frauenfeld ihren Betrieb aufnehmen.

Sebastian Keller
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Regierungsrat Urs Martin an der Pressekonferenz zur Impfstrategie des Kantons Thurgau.

Regierungsrat Urs Martin an der Pressekonferenz zur Impfstrategie des Kantons Thurgau.

Reto Martin

In den nächsten Monaten soll es im Kanton Thurgau möglichst oft piksen. «Es ist an uns allen, dass wir uns impfen lassen», sagte Regierungsrat Urs Martin an einer Medienkonferenz zur Vorstellung der Corona-Impfkampagne. «Wir sind parat», betonte der Gesundheitsdirektor. Und bemühte auch noch den Superlativ:

«Es handelt sich um die grösste Impfaktion, die der Kanton Thurgau je gesehen hat.»

Am Samstag hat der erste Corona-Impfstoff die Zulassung erhalten. Es handelt sich um das Präparat des deutschen Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer.

Kantonsapothekerin Nadja Müller.

Kantonsapothekerin Nadja Müller.

Reto Martin

Die allerersten Impfungen im Thurgau werden über die Festtage am Spitalpersonal durchgeführt. Damit will man Erfahrungen im Umgang mit dem Impfstoff und der anspruchsvollen Logistik sammeln. «Der Impfstoff kann ausschliesslich bei Minus 75 Grad gelagert werden», erklärte Kantonsapothekerin Nadja Müller.

Wo das Basislager ist, will sie aus «Sicherheitsgründen» nicht verraten. Ist das Präparat einmal aufgetaut, könne es rund fünf Tage bei Kühlschranktemperatur aufbewahrt werden. Weiter erläutert sie, dass die Impfdosen nicht in Spritzen geliefert werden. «Die Spritzen müssen einzeln aufgezogen werden», sagte Müller.

«Das Handling ist anspruchsvoll.»

Bis Januar werden dem Kanton Thurgau 10'000 Impfdosen geliefert. «Mit dieser Menge können wir vorerst 5000 Personen impfen», sagte Müller.

Bei der Reihenfolge hält man sich an die Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für Impffragen. So sollen zuerst besonders gefährdete Personen das Präparat verabreicht bekommen. Dazu zählen etwa Personen über 65 Jahre sowie Erwachsene mit Vorerkrankungen. Zu der zweiten Gruppe gehören dann das Pflegepersonen mit Patientenkontakt sowie das Betreuungspersonal in Altersheimen. Bevor das Präparat für alle Erwachsenen freigegeben wird, haben noch zwei Gruppen Vortritt. Noch keine Impfung vorgesehen ist für Kinder, Jugendliche und Schwangere. «Dazu fehlen die Daten», sagte Agnes Burkhalter.

Mit mobilen Einheiten wird begonnen

Markus Bürgi, Leiter Arbeitsgruppe Impfung beim Kanton.

Markus Bürgi, Leiter Arbeitsgruppe Impfung beim Kanton.

Reto Martin

«In einer ersten Phase starten wir mit mobilen Einheiten», erläuterte Markus Bürgi, Leiter der Arbeitsgruppe Impfung beim Kanton. Start ist der 4. Januar. Das bedeutet: Der Senior wird in seiner Altersresidenz geimpft. Ab dem 11. Januar will der Kanton ein Impfzentrum in der Nähe des Bahnhofs Frauenfeld in Betrieb nehmen. «Dieses ist vorerst für Risikopatienten gedacht, die mobil sind», sagte Bürgi. Angedacht sind weitere Impfstandorte im Raum Bodensee und allenfalls in der Region Weinfelden. «Mit der Impfung durch die Grundversorger wird erst später begonnen.» Das liegt auch daran, dass die Lagerung des derzeit zugelassenen Präparats anspruchsvoll ist.

Kantonsärztin Agnes Burkhalter erläuterte an der Medieninformation auch das Ziel der Impfung. «Wir wollen die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe und die Zahl der Todesfälle senken.» Beim Coronavirus handle es sich um eine sehr ansteckende und teilweise tödlich verlaufende Lungenkrankheit. Mit der Impfung wolle man auch der Überlastung des Gesundheitswesens entgegenwirken und nicht zuletzt die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abschwächen. «Gegen das Coronavirus gibt es kein hochwirksames Medikament.»

Kantonsärztin Agnes Burkhalter.

Kantonsärztin Agnes Burkhalter.

Reto Martin

Die Impfung besteht aus zwei Spritzen in den Oberarm, die im Abstand von drei bis vier Wochen verabreicht werden sollen. «Intramuskulär», erklärt Kantonsapothekerin Nadja Müller. «Es pikst, wie man das von anderen Impfungen kennt.» Laut Kantonsärztin Burkhalter besteht nach der Impfung ein 95-prozentiger Schutz.

Kein Impfzwang, aber Hoffnung

Wie viele Personen sich impfen lassen wollen, kann Gesundheitsdirektor Urs Martin nicht beantworten. «Wir haben keinen Impfzwang», betonte er. Dennoch sei es wichtig, dass sich vor allem Risikopersonen diesen Schritt überlegen. «Wenn sich viele Leute impfen, trägt das zur schnelleren Bewältigung der Pandemie bei», sagte der Gesundheitsdirektor. Er zerpflückte allerdings die Hoffnung, dass mit den Spritzen das Problem erledigt sei. «Es wird uns weiter beschäftigen.» Abstand, Handhygiene und Masken bleiben also weiterhin die täglichen Begleiter.

Über die Kosten, die auf den Kanton zukommen, konnte Urs Martin, der auch den Hut des Finanzdirektors trägt, keine Angaben machen. Er verwies auf die Coronarückstellungen über 70 Millionen Franken, die der Kanton gemacht hat. Fakt ist: Die Corona-Impfung kostet die geimpfte Person unmittelbar keinen Rappen. Die Kosten tragen Kanton, Bund und Krankenkassen gemeinsam.