Coronavirus
«Ungewöhnlich viele Todesfälle» nach Impfungen in Heimen?

Thurgauer Kantonsrätinnen und Kantonsräte stellen der Regierung Fragen zu Nebenwirkungen von Covid-19-Impfungen. Sie schreiben von ungewöhnlich vielen Todesfällen in Heimen nach dem Impftermin.

Sebastian Keller
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Der Impfstoff von Moderna wird vorbereitet.

Der Impfstoff von Moderna wird vorbereitet.

Bild: Urs Flüeler / KEYSTONE

44'189: So viele Dosen Impfstoff wurden bislang zwischen Bodensee und Hörnli verimpft. Schweizweit sind laut Bund über eine halbe Million Personen «vollständig geimpft». Seit Freitag können sich im Thurgau auch Personen ab 65 Jahren für eine Impfung anmelden – zuvor war dies Menschen ab 75 und solchen mit schweren chronischen Erkrankungen vorbehalten.

Seitens der Politik mehren sich Fragezeichen. Am Mittwoch reichten gleich sechs Kantonsrätinnen und Kantonsräte gemeinsam eine Einfache Anfrage ein. Darin skizzieren sie, dass die Impfstoffentwicklung auf der Überholspur stattgefunden habe. So wurden beispielsweise die Testphasen überlagernd und «teilweise auch stark verkürzt» durchgeführt. «Angehörige von Risikogruppen konnten nicht ausführlich bezüglich Verträglichkeit der Impfung und Toxikologie getestet werden», schreiben sie.

Den Vorstoss eingereicht haben Brigitta Engeli (GP, Kreuzlingen), Cornelia Hauser (GP, Weinfelden), Bernhard Braun (GP, Eschlikon), Marco Rüegg (GLP, Gachnang), Edith Wohlfender (SP, Kreuzlingen) und Mathias Diez (EVP, Eschlikon). Sie machen eine Aussage, die aufhorchen lässt:

«Es wurde an uns herangetragen, dass in verschiedenen Alters- und Pflegeheimen kurz nach der Impfung ungewöhnlich viele Todesfälle eingetreten sind.»

Auf Nachfrage konkretisiert Kantonsrätin Engeli: Sie habe dies von zwei, drei Seiten gehört – auch aus dem Thurgau. Die Aussage wiegt schwer, sie lässt zumindest die Interpretation offen, dass diese Todesfälle im Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten. Mit der Aussage konfrontiert, verweist der zuständige Regierungsrat Urs Martin auf den ordentlichen Weg der Beantwortung von Vorstössen. Dafür hat die Regierung maximal zwei Monate Zeit.

Brigitta Engli, GP-Kantonsrätin (Kreuzlingen).

Brigitta Engli, GP-Kantonsrätin (Kreuzlingen).

Bild: PD

In der Einfachen Anfrage stellen die Kantonsrätinnen und Kantonsräte die Frage, ob Todesfälle, die in zeitlich nahen Zusammenhang mit den Impfungen stehen, speziell erfasst, dokumentiert und analysiert würden. Weiter fragen sie, wie seitens des Kantons sichergestellt werden könne, «dass tatsächlich alle Nebenwirkungen» gemeldet und systematisch erfasst würden. Engeli betont: «Es braucht einen ausgewogenen Blick und eine saubere Datenlage.»

Und die Jungen und Gesunden?

Im Vorstoss heisst es auch, dass wegen der rapiden Entwicklung der Vakzine über zeitverzögerte Nebenwirkungen derzeit noch sehr wenige Aussagen gemacht werden können. Engeli sagt: «Man weiss leider noch sehr wenig.» Gerade im Hinblick auf die Impfung von jungen und gesunden Menschen müsse man diese Fragen diskutieren. «Zumal die jüngeren Menschen ein geringes Risiko haben, an Corona schwer zu erkranken.» Es sei deshalb fraglich, die Impfung auch Jungen zu raten, die dann allenfalls mit langfristigen Nebenwirkungen zu kämpfen haben. «Es geht um eine Risikoabwägung», sagt Engeli.

Diese Fragen werden mit fortschreitender Impfkampagne drängender. Auch wenn gewisse Leute den Fahrplan Bundesrat Bersets anzweifeln, dass sich bis im Sommer alle impfen lassen können, die das wollen. Ein Impfzwang wurde bislang verneint. Auf der Website des Bundesamtes für Gesundheit heisst es nach wie vor: «Eine Impfpflicht für die Covid-19-Impfung ist nicht vorgesehen.» Doch die Diskussion über zusätzliche Freiheiten – etwa Reisen – für Geimpfte kratzt die Freiwilligkeit zumindest an.